Klassenbewusstsein im Sprüngli

Im Sprüngli wünscht die Kellnerin «Pröstli». Brunchen in einer Zürcher Institution.

Ausdruck der Klasse: Ein umständlich gemachtes Foto von meinem Essen. Bild: slm

31. Dezember, 9.30 Uhr. Der letzte Tag eines Jahres, denken wir uns im Sprüngli, ist auch nicht viel mehr als ein Essensrest, der zwischen den Zähnen hängen geblieben ist. Etwas zum Loswerden, Runterspülen. Also bestellen wir zwei Kaffee in dieser Zürcher Institution, deren fröhlichfarbige Macarons weltbekannt sind und die uns ein Antigift gegen unsere Trübnis verspricht: offensive Heiterkeit. Im Sprüngli ist das Leben wie eine Schachtel Pralinés.

«Pröstli!», wünscht uns die Kellnerin, als sie uns die vollen Tassen bringt. Sie guckt optimistisch. Neben uns sitzt ein älteres Paar, das elegant Rührei isst und in die Morgenlektüre versunken ist. So sieht echter Zürcher Wohlstand aus, sind wir uns einig und studieren gierig die üppige Frühstückskarte.

Sollen wir wirklich mit Brioche-French-Toast an Grand-Cru-Schokoladensauce und Mini-Bananen (16 Fr.) beginnen? Vielleicht später, als Dessert. Wir entscheiden uns für die Buttermilch-Pancakes mit Pflaumen, Sternanis und Crème de la Gruyère (16 Fr.), die Eggs Florentine mit Spinat und Sauce hollandaise (19.50 Fr.), das Rührei mit geräuchertem Alaska-Wildlachs, Meerrettich, Kapern und Briochetoast (25 Fr.) plus einen Brotkorb mit Butter, Konfitüre und Honig (13 Fr.).

Als alle Teller gebracht werden und wir versuchen, auf dem Tisch Platz zu schaffen, schaut das Paar zu uns herüber. Not amused. Umständlich mache ich vom Essen ein paar Fotos, um zu zeigen: Wir sind uns der fehlenden Klasse bewusst.

Gegen Mittag erfolgt der Schichtwechsel. Die älteren Gäste verlassen das Café, die jungen kommen. Zwei Freundinnen reden mit der Kellnerin und in ihr Smartphone, mit dem sie Sprachnachrichten aufnehmen – nur miteinander nicht. Jetzt sind wir es, die verständnislos rüberblicken.

Auch das ist eine Empfindung zum Loswerden, Runterspülen. Die nächsten Kaffee kommen, kaum haben wir sie bestellt. «Pröstli!», wünscht die Kellnerin wieder. Und als sie die Rechnung bringt, gibt es ein «Schöns Tägli!» dazu.

Satt und mit der Welt versöhnt – was vielleicht dasselbe ist –, bleiben wir einen Moment sitzen. Wir sind nicht auf dem Sprung. Wir sind im Sprüngli.

Confiserie Sprüngli
Bahnhofstr. 21
8001 Zürich
Website

7 Kommentare zu «Klassenbewusstsein im Sprüngli»

  • Claude Fontana sagt:

    Na wenn ich beinahe mein Wochenbudget in einer Mahlzeit verfuttere, hoffe ich auch zufrieden davongerollt zu werden. heieiei Rüherei mit Lachs

  • Doris Weyeneth sagt:

    Was, soviel konnten Sie essen? Das alles gibt es im Sprüngli? Ins Sprüngli gehe ich an Spitzehitzetagen im Sommer, dort ist es angenehm kühl und die Leute essen artig die feinen Birchermüesli und Glacévariationen. Die NZZ ist aufgespiesst/befestigt am Holzbalken, alles hat Tradition, die Bedienung ist super nett.

  • Zaucker sagt:

    So wie sie den Artikel schreiben, habe ich den Eindruck, dass sie einen ruhigen und entspannten Vormittag hatten. Ich war zuletzt am 25. August im Sprüngli und war bitter enttäuscht. Es war unwahrscheinlich laut. Ein Gespräch, auch nur ansatzweise lag nicht drin. Es war unwahrscheinlich voll. Der Kellnerin reichte die Zeit weder für ein Pröstli noch für ein guets Tägli. Es war Selbstbedienung angesagt. Nichts vom stilvollen Ambiente das sie ansatzweise beschreiben. Eher etwas heruntergekommenes Bahnhofbuffet mit überteuerten Preisen. Wobei die Qualität der Speisen durchaus hohes Niveau hatte. Für mich war dieser Nachmittag ein Erlebnis von Übertourismus und ich wähle mir was ich mag wieder in der Confiserie aus und genieße es in angenehmer Umgebung zu Hause.

  • Jan Flemming sagt:

    Äh Macarons?

  • Tim Roth sagt:

    Was wollte uns die Journalistin genau sagen? Irgendwie sinnfrei der Text. Wird man für sowas bezahlt? Fragen über Fragen.

  • gil latifa sagt:

    und jetzt…???!!!

  • Charles Hügli sagt:

    Noch nie habe ich einen so langweiligen und nichtssagenden Artikel gelesen. Echt jetzt. Ein älteres Paar sitzt im Cafe. Pancakes kosten 16 Franken. Ein Kaffee wird serviert. Die Rechnung kommt. So what???

Kommentar

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