Der Mut zur gewagten Kombination

Im Restaurant Eggbühl hört die Begleitung nicht auf, die Sauce zu loben. Das nervt, weil ich selber weniger gut gewählt habe.

Die Pizza-Liste ist unglaublich lang, die Kreation der Pizza Höngg unglaublich gewagt. Bild: roc

Im gesichtslosen Häuserband zwischen Frankental und Oberengstringen, einen Hupf entfernt vom Stadtrand, liegt das Restaurant Eggbühl. Das Lokal war auch schon ein Pub und ist es immer noch, zumindest optisch – da hats Sitzgruppen mit dicken Polsterbänken, Tische mit Pseudogranit-Einlage, viel dunkles Holz, eine grosse Bar, kein Lichtkonzept. Vor Jahren stand im Keller eine Kegelbahn, heute wird dort in der Lounge-Bar «Mochito» mit Dart-Pfeilen geworfen. Im Säli ein wilder Stilmix. Der Versuch, das Beste zu machen mit dem, was man vorfand. Ein paar Holztische, an der Wand Sitznischen à la Pub, ein altmodisches Wandbild, eine Lichtorgel, die daneben Farben wirft. An Wochenenden soll es hier krachen.

An diesem Montagabend kocht der Koch nur für uns. Die Karte ist vielfältig. Es hat Fleisch, vegetarische Vorspeisen, Falafel und Kindermenüs. Die Liste der Pizzavarianten ist endlos. Chicken-Nuggets und -Wings mit Pommes stehen genauso auf der Karte wie Entrecote und Filet Stroganoff, Fisch und Wiener Schnitzel.

Zur Vorspeise gibts für uns ein Tsatsiki (9.50 Fr.) und eine Insalata caprese (11.50 Fr.). Die griechische Spezialität schmeckt authentisch, den Mozzarella auf unreifen Tomatenscheiben beschreibt der Begleiter als «gummiartig, mit Pneu-Charakter». Bei der Hauptspeise hat er mehr Glück, seine Tagliatelle della casa – Kalbsgeschnetzeltes, Knoblauch, Peperoncini, Tomaten-Rahm-Sauce (22.50 Fr.) munden ausgezeichnet. Und mit dem Loben der sämig-würzigen Sauce hört er nicht mehr auf, was nervt, weil ich selbst weniger gut gewählt habe – nämlich aus Sentimentalität eine Pizza Höngg (21.50 Fr.) …, wobei ich vor lauter Eile nicht lesen konnte, was auf dem Teig liegt, weil der Begleiter nach 15 Sekunden (!) Kartenstudium dazu überging, mich mit seinen News vom Tag einzudecken.

So überrascht mich auf dem Teller die eigenartige Kombination aus zu dicken Schinkenscheiben, glasigen Crevetten, Tomatensauce, Knoblauch und Oregano. «Mut zur gewagten Kombination», meint der Begleiter schmatzend, das drücke wohl die Sehnsucht nach der grossen Stadt aus. So nehme ich es dann gelassen, als die Kokosnussglace (8.50 Fr.) beinhart auf den Tisch kommt – wohl aus Sehnsucht nach einer Seegfrörni.

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