Freiräume für die Städter

Kommt das neue Stadion im Hardturm, fällt ihm die schönste aller Stadtbrachen zum Opfer. Drei Vorschläge, wie die Stadt Zürich zu Ersatz-Grün kommt.

Die Stadionbrache im Hardturm – fast wie im Schrebergarten auf dem Land. (Bild: Samuel Schalch)

 

In den 60er-Jahren hatten viele Menschen genug vom Mief der Stadt. Sie zogen hinaus nach Greifensee, Adlikon oder Volketswil, wo Baulöwe Ernst Göhner auf der grünen Wiese riesige Familiensiedlungen baute. Man kann es heute fast nicht glauben, aber die Agglo war im Trend, Stadtflucht nannte man das Phänomen.

Unterdessen ist die umgekehrte Bewegung im Gang, die Landflucht zurück in die Stadt. Allerdings haben es viele Landflüchtlinge schwer, denn kaum sind sie zurück, klagen sie über Dichtestress, Lärm und hohe Häuser. Und so liegt es auf der Hand, dass sie Freiräume verlangen in der Stadt. Orte, wo man durchatmen kann, wo man die Stadt vergessen kann, ohne sie zu verlassen. So ist es gekommen, dass im Hardturm, wo einst ein Stadion war, heute eine Brache liegt.

 

Am 24. Oktober hat diese Zeitung ein Bild von der Brache publiziert, auf dem ein Mann mit Rossschwanz eine Karette an wild rankendem Grün vorbeischiebt. Erschienen ist es, weil hier ja womöglich bald Schluss ist mit Freiraum und wieder ein Stadion hinkommt. Da die Stadtregierung den Standortvorteil einer Brache kennt, hat sie dem Mann und den anderen Nutzern vom Brachenverein Ersatz an der Aargauerstrasse geboten. Doch die Wiese zwischen Asylheim und Sexboxen genügt den Leuten nicht. Zu klein, zu abgelegen, zu unauffällig. Der Stadtrat steht nun vor dem Problem, alternative Standorte zu evaluieren.

Hier drei Vorschläge, wie er die Unzufriedenen zufriedenstellen könnte:

Den Letzigrund abbrechen und Teufelskralle und/oder Salbei anpflanzen. Das Leichtathletik-Meeting kann man auch im Hardturm abhalten. Die Fussballer haben schliesslich auch 15 Jahre lang im Letzigrund gespielt.

Das Bellevue, die Dufourstrasse und die Seepromenade umgestalten. Damit könnte man den Forderungen des Brachenvereins wenigstens quadratmetermässig entsprechen und dazu erst noch die Autofahrer von der Goldküste fernhalten. Einziges Problem: Wohin mit den Trams? In die Gemüsegärten, unter den Boden oder auf eine Passerelle?

Die Dächer aller Verwaltungsgebäude begrünen. Diese dezentrale Lösung hätte ökologische wie städtebauliche Vorteile. So würde der Überhitzung und dem Betongrau der Stadt entgegengewirkt, und Freizeit und Arbeit könnten sinnvoll verknüpft werden. Denn Brachennutzer sind nicht selten auch bei der Stadt angestellt.