Der Club als Auslaufmodell?

Seit vielen Jahren wird den Clubs ein baldiges Ende prognostiziert. Die Clubs selbst scheint das nicht zu kümmern: Viele unter ihnen laufen besser als je zuvor.

Auch am Donnerstag meist voll: Die Zürcher Clubs. Bild: Urs Jaudas

Am 29. November findet in Basel unter dem Topic «Post-Clubkultur» eine Diskussionsrunde statt. Fünf Jahre nach dem Clubsterben am Rheinknie würde sich die Stadt im Zeitalter der Post-Clubkultur befinden, Aktivisten und Art-Spaces, Podcasts und Videostreams, Branding und Performances, Pop-ups und Festivals hätten den Club als primären Lokus und Fokus der Partyszene abgelöst. Der Club ist also gestorben. Vor Jahren schon. Abermals und zumindest in Basel. Aber nicht nur dort. Die neue Amazon-Prime-Serie «Beat» zeichnet ein düsteres Bild des Berliner Nachtlebens, macht es zum dystopischen Schauplatz für Organ- und Drogenhandel. Der «Spiegel» titelt die Serien-Kritik mit «Tot, aber sexy». Immerhin: Die Leiche Nachtleben zucke noch.

Auch in Zürich sind die Clubs scheints über den Jordan gegangen. Alles ist Repetition geworden, ein einziges Selbstzitat. Die musikalische Vielfalt ist verschwunden, ein einziger elektronischer Einheitsbrei. Wo sind sie, all die kreativen Partykonzepte und Events mit künstlerischer oder politischer Botschaft, an denen die Musik nur ein Anreiz unter vielen war? So und ähnlich klingt es, wenn man sich mit Party-Veteranen unterhält.

Ich bin dann mal aus. Am Donnerstag. In ein Zürcher Nachtleben, in dem Electronica in dreissig Jahren von einer Randerscheinung zum musikalischen Universum gediehen ist. Ein Nachtleben, in dem man sich auf die Musik fokussiert und den begleitenden Firlefanz früherer Tage vergessen hat. Schon immer war es die wahre Bestimmung der Clubs, die Menschen zum Tanzen zu bringen und sie damit den Alltag vergessen zu lassen – alles andere war eigentlich nie mehr als Beiwerk. «Meine Güte! Müssen all diese Leute am Freitag nicht arbeiten?» Meine Begleitung sah den Zusammenbruch der Zürcher Wirtschaft gekommen. Am Samstagabend dasselbe Bild: Vor manchen Clubs ein Köpfemeer wie an der Street Parade und drinnen Beats, Interaktion und Tanz.

Vielleicht hat sich Basel ja tatsächlich in die Post-Clubkultur verabschiedet, und eventuell ist Berlins Nachtleben ja wirklich ein Auslaufmodell. Vielleicht aber sind dort die Propheten des Untergangs nur ebenso laut wie hier in Zürich. Dass sich auch hier nur wenige Gegenstimmen erheben, hat wohl damit zu tun, dass die überwältigende Mehrheit der anderen das Nachtleben lieber lebt, als es zu diskutieren. Einen anderen Schluss lässt das vergangene Partywochenende nicht zu.

2 Kommentare zu «Der Club als Auslaufmodell?»

  • Chrigi sagt:

    Definiere Club 🙂 Ich denke der klassische Betrieb der ausschliesslich auf Tanzen ausgelegt ist wird peu-à-peu durch andere Konzepte ergänzt.

  • Hans sagt:

    Das ist vielleicht die „intellektuelle Elite“ im Clubbereich, also einige Alte, die mit den veränderten Zuständen nicht klarkommen und von den guten alten Zeiten sprechen, und dabei versuchen eine junge Anhängerschaft aufzubauen wegen dem Erbe. Man spricht überall vom sogenannten Post-X, in der Politik spricht man seit den 90ern darüber, in der Kunst post-zeitgenössisch usw. Das Interessante ist, dass nach kurzer Zeit, es ist ja ein hypen von irgendeinem künstlichen Avantgardismus, man nicht mehr darüber spricht, in der Kunst war da so. Vielleicht ist die Zeit des Avantgardismus vorbei, womit einige 90-Jahre Menschen und Jüngere Mühe haben, obwohl das ja neue Entwicklungen gar nicht auschliesst, der Brei wird einfach nicht mehr so heiss gegessen und nicht als exzeptionell verkauft.

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