Das habe ich anders gelernt

Ausländische Währung soll man im Ausland kaufen, hiess es neulich am Bankschalter. Das überraschte, und führte das Stammtischgespräch in finanzielle Galaxien.

Wohin führt uns das neue digitale Geldsystem?: Der erste Bankomat der Schweiz in Zürich 1967. Bild: Keystone

Vor den Herbstferien wechselte ich Euros auf der Bank. «Nett, dass Sie zu uns kommen», sagte der Kassier, während er die Noten abzählte, «aber Sie fahren besser, wenn Sie im Ausland an den Bancomaten gehen. Karte rein, Euros raus. Sie zahlen Gebühren, aber mit dem besseren Wechselkurs holen Sie die wieder rein.» «Interessant», sagte ich, «im Studium haben wir das Gegenteil gelernt.»

«Ausländische Währung soll man im Inland kaufen, hat man uns beigebracht», sagte ich. «Das hat mit dem Gesetz von Angebot und Nachfrage zu tun.» Mein jüngerer Sohn stand daneben, und ich wollte ihm zeigen, dass ich von Ökonomie etwas verstehe. «Nein, der Kurs ist besser im Ausland», sagte der Kassier, «denken Sie an die Kosten, die Noten kommen von der Europäischen Zentralbank, der Transport, die Sicherheit, kostet alles Geld.» Der Kassier lächelte mild. Er war ein junger Mann und schon ein alter Profi. «In zehn Jahren wird es eh kein Bargeld mehr geben», sagte er. «In Schweden zahlen die Leute Parkgebühren nur noch mit der Kreditkarte. Und die Bettler gehen leer aus, weil niemand mehr Münz hat.»

«Wollen wir das?», sagte einer, als ich die Geschichte unter Freunden erzählte. «Was, wenn wir die Kreditkarte zu Hause gelassen haben? Oder wenn wir den Code nicht mehr wissen? Ist doch Blödsinn.» Die anderen in der Runde sahen die praktische Seite. Den Fortschritt. Die Vereinfachung des Lebens. Aber der Skeptiker liess nicht locker, «wir werden verletzlich», sagte er, «irgendwelche Hacker aus der russischen Steppe können uns lahmlegen. Ich verstehe nicht, warum die Leute so sorglos sind.» Dann sprachen wir darüber, wie das ist, wenn das Internet zusammenkracht, wenn nichts mehr geht, wie in einem Lift, der stecken bleibt, und ich meinte, einen Fatalismus zu spüren, man wird sehen.

«Mit der Kreditkarte wird das Finanzsystem transparenter», argumentierte einer der Fortschrittlichen, «es wird schwieriger, die Spuren zu verwischen.» «Das meinst du nur», entgegnete der Misstrauische, «es gibt neue Wege, virtuelle Währungen, parallele Finanzsysteme, finanzielle Galaxien, all die Firmen in Zug, die arbeiten daran. Wir werden uns noch zurücksehnen in die Zeit, als die Mafiosi ihre Koffer voller Banknoten über die Grenze geschmuggelt haben.»

So redeten wir an unserem kleinen Stammtisch in den Herbstferien, es war ein schöner Abend.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.