In Lachen verging uns das Lachen

Die erste Lektion in Sachen Agglo lautet: Dort sind sie stärker und haben mehr Bart.

Ausblick über den Obersee, an dem auch die Ortschaft mit dem lustigsten Namen der Schweiz liegt. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Die weiteste Strecke, die wir Wollishofer Tschütteler bis in die Juniorenkategorie «D» hatten zurücklegen müssen, war jene nach Höngg. Klar, ein Roadtrip quer durch die Stadt ist für 11- bis 12-jährige nicht ohne, aber als Fans von Winnetou, Old Shatterhand und dem Bärentöter wussten wir: Ein richtiges Abenteuer, das geht anders.

Es kam, als wir auf die neue Saison hin altersbedingt ins «C» aufstiegen –und in die «See-Gruppe» eingeteilt wurden. Was bedeutete, dass unsere Gegner nicht mehr Red Star, Wiedikon oder eben Höngg hiessen, fortan hatten wir gegen Seegemeinden-Teams wie Kilchberg, Thalwil, Horgen oder Wädenswil anzutreten. «Und gegen Lachen, Siebnen und Tuggen, alle aus der Agglo, also in Schwyz», informierte der Trainer.

Als wir schliesslich eines Samstagsnachmittags zum Auswärtsspiel nach Lachen unterwegs waren, rissen wir im Mannschaftsbüssli pausenlos witzlose Witze über diese drei Ortsnamen («Ob es in Siebnen jemanden gibt, der bereits bis acht zählen kann?» – «Muss man in Tuggen sogar fürs Tuggen tuggen?») und giggelten uns fast einen Schranz in den Bauch. Als wir beim Sportplatz angekommen waren, schlurften wir urbancool in die Umkleidekabine, nicht ohne die rurale Gegend mit weiteren tumben Sprüchen («Mmmh, herrlich, dieser Gülle-Duft») zu «würdigen».

Nicht minder hochnäsig schlurften wir später auf den Platz. Wo plötzlich einer von uns sagte (ich weiss nicht mehr, wer es war, doch das Beben in seiner Stimme werd ich nie mehr vergessen): «Uiii, de det äne hät scho en Bart! Und extremi Muskle!» Tatsächlich wirkte das Gros der C-Junioren des FC Lachen derart viril, dass unser Selbstbewusstsein kollektiv auf die Grösse einer Erbse schrumpfte. Anders gesagt: Mental hatten wir den Match schon vor dem Anpfiff verloren, real gingen wir dann glaub 6:0 oder 7:0 unter – obwohl wir technisch überlegen gewesen wären, hatten wir so sehr den Gaggi in der Hose, dass wir uns wehrlos überrennen liessen.

Auf der Heimfahrt wars im Bus mucksmäuschenstill, das Lachen war uns in Lachen vergangen. Das Gute jedoch war: Wir hatten die Agglo-Lektion gelernt! Als es Wochen später gegen die ähnlich gebauten Siebner ging, deponierten wir den Schiss in der Kabine und spielten Fussball. Am Ende hatten wir entzwei getretene Schienbeinschoner und überall blaue Flecken – dafür aber gewonnen.

3 Kommentare zu «In Lachen verging uns das Lachen»

  • Hans sagt:

    Genau wie im Bericht geschrieben stellen die Trainer die Jugendlichen auf die Spiele in der March ein, selbst zugehört, ohne zu merken, dass wir ,Ausserirdischen, Zürich in Sachen Lebensqualität schon längst überholt haben.

  • Mäggie sagt:

    Lachen einst: Ein armes aber gemütliches Bauerndorf und voller Leben. Alte und urchige Beizen. Die ganze Seepromenade gehörte allen Dorfbewohnern – Keine Verbote. Mein Geburts- und Heimatort.

    Lachen heute: Ein mondäner Schickimicki-Ort voller Schönen und Reichen. Luxus-Hotels und -Restaurants. Überall Parkverbotszonen. Total verkehrsberuhigt durch die neue „Umfahrungsstrasse“. Leblos und abgeschottet vom pulsierenden Leben der Normalbürger. Ein Ort der lebenden Toten! Ein Ort, vor dem es mir heute graust.

  • Alejandro Romero sagt:

    Also ich weiss nicht, was dieses überhebliche Getue der Stadtzürcher mit dem hervorheben von irgendwelchen herbeiglorifizierten Gegensätze gegenüber Agglos als wären es Welten, bezwecken soll. Will man da eine Identität als Städter schaffen um uns als grünsozialistische Kommune absondern zu können? Was diese Welten ausmacht ist eben das überhebliche Getue mit unterstreichen von Unterschieden des Lifestyles. Ich als Stadtbewohner habe viel grössere Unterschiede zu anderen Städter haben als diese mit einem gleichaltrigen Agglobewohner. Zumal echte Stadtzürcher es nicht gibt. Die Meisten typischen Stadtzürcher kamen vom Land oder Agglo. Zusammen mit den meisten die hier geborenen wie mich wollen diese doch sehr oberflächlichen, sozialkalten, Stadt irgendwann verlassen.

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