Durch den Tunnel zur Forelle

In der Sihlmatt isst man feine Forellen. Aber dafür muss man erst durch ein unheimliches Loch gehen.

Gartenrestaurant des Restaurants Sihlmatt: Pro Tag werden hier 250 Forellen gegessen. (Foto: Ev Manz)

Als Kind sind wir sonntags oft gewandert und eingekehrt – nicht immer gern. Aber bei einer Wanderung war da dieser Tunnel, auf den wir uns freuen konnten. Er liegt eineinhalb Stunden von Sihlbrugg flussaufwärts. So dunkel, nass und eklig er war, kündete er den Anfang vom Ende an. Danach folgte noch eine Ebene, von der aus wir bereits das Mittagsziel der Wanderung sehen konnten: die Sihlmatt, ein kleines Lokal mit Terrasse und Holzstube mitten in der Idylle.

An diesem Herbstsonntag sollen die eigenen Kinder durch den Tunnel zur Forelle wandern. Vor dem Eingang bleibt der Sohn stehen: «Der ist länger und ekliger, als ich gedacht habe.» Dann verschwindet die Bande ­kreischend in der Dunkelheit und wartet strahlend auf der Ebene.

An den langen Holztischen auf der Terrasse des Sihlmätteli, wie es alle nennen, sind bis auf unsere reser­vierten alle Plätze besetzt. Die Stoffservietten signalisieren: Hier legt man Wert auf Tischkultur. Seit 50 Jahren ist das Lokal bekannt für Forellen und Wein. Lange war es in der Hand von Andrea Lanz, dessen Familie auch das Hotel Post in Bivio führt.

Im Sihlmätteli wirkt nun die junge Generation um Felix Schnyder und ­Tobias Emmenegger. Sie haben den Sitzbereich auf die Wiese hinaus erweitert. Kinder dürfen daneben Fussball spielen, herumklettern, auf Bobbycars den Abhang hinunter­sausen. Dazu die Esel streicheln oder die Hasen mit Salatresten füttern.

Der Kopfsalat – beim Sihlmatt Classic (31.50 Fr.) inklusive – schmeckt wie einst: unverwechselbar das Haus­dressing mit viel Knoblauch. Beim Forellenmenü (57 Fr.) gibt das ­Forellenfilet als zweite Vorspeise einen Eindruck der exzellenten ­Räucherkunst des Kochs. Die Forellen sind tadellos. Schade nur, dass die Kartoffeln und das Pfännchen Nussbutter etwas spät gereicht werden.

Der Weisse «Entre deux mères» (49 Fr.) überbrückt die Zeit. Die Kinder fühlen sich vor den hausgemachten Forellenstäbli (13.50 Fr.) wie Grosse.

250 Forellen braucht das Lokal im Durchschnitt pro Tag, alle frisch bezogen von der Fischzucht Brüggli-Forellen in Sattel. Noch bis zum 4. November sind sie auf der Karte. Danach werden im Stübli Gschwellti serviert, einfach und de luxe.

Restaurant Sihlmatt, Menzingen. Täglich ab 11 Uhr offen, 041 755 12 44, Januar bis März geschlossen. www.sihlmatt.ch

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