Immerhin ist meine Frau noch bei mir

«Schatz», rief Beni Frenkel, «ich habe in Silber investiert». 10'000 Franken hat sein Silberschatz gekostet. Dann tauchte der Silberwert.

Beni Frenkel hat einen neuen Silberschatz, der seinem Goldschatz nicht gefällt. Symbolbild: iStock/Getty Images

Ich habe vor einem Monat 500 Silbermünzen beim Edelmetallhändler Degussa am Bleicherweg gekauft. Mehr war nicht auf dem Sparkonto. Alain, ein Kollege, hat mir gesagt, dass Silber zurzeit am Boden sei. Auf einem Jahrestief. Jetzt sei die Gelegenheit gekommen, in Silber zu investieren. Ich habe dann gleich 500 kanadische Münzen gekauft, das Stück 20 Franken. Im Laden zog der Verkäufer weisse Handschuhe an und bot mir Haribos an, bis er die Münzen vom Keller geholt hatte.

Zu Hause habe ich die Silberlinge auf den Tisch ausgebreitet und gewartet, bis die Frau nach Hause kam. «Schatz», rief ich ihr zu, «ich habe in Silber investiert», und zeigte auf den Silberschatz. Sie wollte eigentlich nur wissen, was der Blödsinn gekostet hatte. Ich sagte: «10’000 Franken. Wenn der Kurswert von Silber um 100 Prozent steigt, sind die Silbermünzen 20’000 Franken wert!»

Meine Frau hat mir dann gesagt, dass andere Frauen wegen solcher Sachen ihre Männer verlassen. Ich verlor ein bisschen die Fassung und wusste nicht, wie reagieren. Ich schaltete den Rechner an und zeigte ihr den Kursverlauf von Silber: +0,05%. Das bedeute, erklärte ich ihr, dass unsere Investition in nur einem Tag bereits an Wert zugelegt habe. Sie verliess das Zimmer.

Seitdem ist der Silberkurs um 10 Prozent gesunken. Irgendwann kam der Zeitpunkt, Alain anzurufen. Ich fragte den Scheisskerl, warum der Kurs immer tiefer in den Keller rasselt. Alain antwortete, dass der Silberwert seinen eigenen Gesetzen folge.

Optimal wären verheerende Kriege, meinte er. Dann würde der Silberkurs normalerweise steigen. Das hat mich dazu gebracht, nebst dem Wirtschaftsteil auch den Auslandteil der Zeitung zu lesen.

Aber leider gibt es momentan keine spannenden Kriege. Schön wäre es, wenn die USA Nordkorea überfallen würden oder Israel den Iran. Dann würde der Silberwert endlich steigen. Aber in der Zeitung wird nur über Geplänkel berichtet.

Als Doris Leuthard ihren Rücktritt erklärte, hoffte ich auf einen Kurssprung. Denn geopolitische Krisen haben immer einen Einfluss auf die Silberpreisentwicklung. Aber der Silberkurs machte nochmals einen Taucher.

Jetzt sitze ich auf einem Haufen wertloser Silbermünzen. Aber immerhin ist die Frau noch bei mir. Sie ist ein Goldschatz.

12 Kommentare zu «Immerhin ist meine Frau noch bei mir»

  • Hans Hemmi sagt:

    Habe selten zum Frühstück so herzlich gelacht. Vielen Dank.

  • P Herrmann sagt:

    Man liest immer wieder in Kommentaren von Aluhüten mit geheimnisvollen, abschirmenden (oder sind es psi-Wellen empfangenden) Eigenschaften, item etwas „Elektrisches“ wird’s wohl sein, da ist aristokratisches Silber einfach besser als das plebejische Alu, schon des Leitwertes wegen!
    Deswegen glaube ich fest an eine Marktlücke für ARGE*-Hüte aus Silber-Münzen, -Löffeln usw. für ein kaufkräftiges Segment des Schweizervolcks. (*ARGE=argentum=Silber)
    Entsprechend Ziselierungen als ‚added value‘ (zB als Partei-Logo) unbedingt in Betracht ziehen.
    NB: Kleines, feines Nebengeschaft mit SIGOLIN-Generikum aufziehen, und Sie kommen mit ihrem Goldschatz als Promi bald im Tagblatt vo Züri, masel tov!

  • F. Lüscher sagt:

    Es freut mich, dass Sie eine weise Frau an Ihrer Seite haben, die entweder die Kurse (in Papier-, Fiat- oder Elektronikwährung) für sich relativiert – und dabei auch die Beziehung zu Ihnen als Goldschatz ansieht, oder die auch um die günstige Gold-Silber-Ratio weiss.
    Wenn die Immoblase geplatzt ist, die Schulden und Anleihen nicht mehr bedient werden, der US-Papiertaler nicht mehr für Öl eingetauscht werden kann, dann werden Sie sich an den 15 Kilo Silber erfreuen, die Sie hoffentlich sicher eingemauert haben.
    Silber wird auch in Zukunft dringend in der Technik gebraucht, und ist weiterhin derzeit massiv unterbewertet.

  • Markus Scheu sagt:

    Ich liebe Ihre Kolumnen, Ihren Humor! Danke.

  • Claude Fontana sagt:

    Ich habe mal silberschmied geschnuppert, soll ich ihnen daraus einen Ring für Ihre Frau hämmern? kostet 30 silberlinge (grins) man darf ja böse mit ihnen sein, da sie auf kriegsprofit hoffen.

  • Walti sagt:

    Herr Frenkel
    Achtung zur Zeit gibt es wieder sehr viele Betrugsversuche per Telefon. Die Betrüger geben sich als Polizisten aus und wollen ihre Wertgegenstände sicher aufbewahren. Mein guter Vorschlag , schalten Sie ihr Telefon in der nächsten Zeit ab.
    Herzliche Grüsse an ihre Frau.

  • Bruno Müller sagt:

    Super! Danke, sehr unterhaltsam, schön geschrieben und aus dem Leben gegriffen.

  • Hansli sagt:

    Mit dem Kauf von Silber-Münzen kann man nur verlieren. Auf Silber bezahlt man Mehrwertsteuer. Dazu kommt dann die Differenzzwischen Ver-, und Ankaufspreis. Da muss der Preis loche rum 30% steigen nur um keinen Verlust zu machen.

  • Pedro Riengger sagt:

    Scherz, oder? Jemand, der in Edelmetall investiert, kauft sicher keine Münzen, sondern Barren oder allenfalls noch Zertifikate. – Ein Einkilobarren gibt wenigstens einen guten Briefbeschwerer ab …

  • Roger Benz sagt:

    Ein Silberring für ihre Frau wäre dann wohl nun die besten Investition :-;
    Das wirkt Wunder!

  • Philipp M. Rittermann sagt:

    *seufz* aber herr frenkel. wenn man sich nur halbwegs schlau machen würde – vor solch einem kauf sähe man, dass der silberwert schon seit mehreren jahren auf einem beständig tiefen niveau vor sich hin dümpelt. wann sie glück haben bekommen sie in nächster zeit wieder die investitionskosten raus. mehr aber sicher nicht.
    ps: TUN sie was für ihre frau!

Kommentar

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