Gute Bankdirektoren braucht unser Land

Beni Frenkel hat schon sehr viele Berufe in seinem Leben ausprobiert. Freude hat er allerdings beim Berufswunsch seines Sohnes.

Hauptsitz der Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz. (Foto: Bruno Schlatter)

Ich habe übrigens zwei Semester Wirtschaft an der Universität Zürich studiert. In Rechnungswesen war ich sehr gut (Note 5). Auch heute noch kann ich eine Geschäftsbilanz lesen und verstehen. Das unterscheidet mich von den meisten Journalisten. Aber ich will damit nicht prahlen. Im Kern meiner Persönlichkeit bin ich immer noch der bescheidene – aber erfolgreiche – Topjournalist. Mir entgeht fast nichts.

Ursprünglich wollte ich Mathematik studieren. Nach einem Jahr habe ich aber festgestellt, dass ich es nicht so mit Zahlen habe. Ich habe mich dann für Wirtschaft eingeschrieben. Aber auch dieses Studium ist verdammt kompliziert. Mikroökonomie! Makroökonomie! Mein Psychiater meinte: Machen Sie etwas ohne Zahlen.

Darum habe ich an die Pädagogische Hochschule gewechselt. Wie schön das war. Ich habe fast alles bestanden, leider nicht das Praktikum. Nach vier Semestern haben sie mich auch aus der Hochschule geschmissen.

Ich begann, viel Eierlikör zu trinken. Abends redete ich mir ein, eigentlich Hans im Glück zu sein: Ich hatte mein Mathematik- gegen das Wirtschafts- und später gegen das Lehrerstudium eingetauscht. Die Frage war nur: Was kommt nach dem Goldklumpen, dem Pferd und der Kuh? Das Schwein. Ich bin dann Journalist geworden. Zum Glück ist das kein geschützter Titel. Jeder kann sich Journalist nennen.

Meine Kinder sollen es besser haben. Ich habe den Sohn gefragt, was er denn einmal werden wolle. «Bankdirektor!», schrie er mich an. Ich habe den Goldjungen umarmt. Gute Bankdirektoren braucht unser Land.

In Wollishofen gibt es zwei Bankfilialen. Kantonalbank und Raiffeisen. Es gibt in Wollishofen eine schöne Faustregel: Die beiden Filialen werden abwechselnd einmal im Jahr überfallen. Manchmal frage ich mich: «Befinden wir uns jetzt in einem geraden oder ungeraden Jahr?» Dann denke ich an den letzten Banküberfall zurück und kann mich wieder in Zeit und Raum orientieren. Manchmal wird keine Bank überfallen. Dann kriegt der Juwelier Besuch vom Maskierten.

Ich persönlich wäre als Bankräuber endlos überfordert. Ich kann nicht Auto fahren. Und ich stottere, wenn ich nervös bin. Ausserdem überschlägt sich meine Stimme, und ich höre mich an wie ein Mädchen. Darum habe ich auch das Praktikum nicht bestanden.

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