Lieben Gruss von meiner Frau

Neulich verabschiedeten wir einen Rabbi. Er kam aus Russland. Nennen wir ihn hier Wladimir. Meine Frau kannte ihn vielleicht ein bisschen zu gut.

Der Rabiner zog immer sein Hemd aus beim Fischen, er sah aus wie – Putin. (Bild: Keystone/AP Photo)

Letzten Sabbat war ich in der Synagoge. Ein Rabbiner wurde entlassen, und es gab deswegen einen Apéro. Ein altes Männchen kletterte auf einen Stuhl. Er sprach über die schöne und spannende Zeit mit dem Rabbiner. Wenn Sie mal bei einem jüdischen Fest eingeladen sind, müssen Sie eigentlich nur eine Regel beachten: Erst kommt die Rede, dann das Essen. Der Mann auf dem Stuhl redete sehr lange. Ich schob genervt ein Kind zur Seite und stand direkt vor dem Apéro-Tisch. Sobald die Menschen «Amen» riefen, griff ich nach den Lachs-Mayonnaise-Brötchen.

Der Rabbiner wohnte in Wollishofen. Ursprünglich kam er aus Russland. Er war häufig unten am See beim Fischen. Dabei zog er immer sein Hemd aus. Warum? Keine Ahnung. Mit seinem sexy Oberkörper sah er dann so aus wie Putin. Meine Frau hat den Rabbiner gut gekannt. Vielleicht ein bisschen zu gut.

Nennen wir den Rabbiner hier Wladimir. Wladimir wirkte auf mich – halt sehr russisch. Einmal traf ich ihn am See. Wladimir rief mir zu: «Beni, komm, wir füschen eina Füsch!» Eigentlich hatte ich keine Lust dazu. Aber ich traute mich nicht, etwas zu sagen. Schliesslich ist ein Rabbiner ein Geistlicher. Wladimir war natürlich wieder nackt.

Lange mussten wir nicht warten. Der Rabbiner zog an seiner Leine, und da hing tatsächlich ein Fisch. Er befreite ihn vom Haken. Das Fischlein zappelte wie verrückt. Wladimir knallte es auf einen Stein. Mit einem Messer schnitt er den Fisch in zwei gleiche Teile. Die Innereien warf er zurück in den Zürichsee. Das alles dauerte vielleicht zehn Sekunden. Ich guckte ihm fassungslos zu. Ich kann nicht mal eine Fliege töten. Ich bin viel zu langsam.

Der Rabbi hatte auch zwei Hunde. Das waren vielleicht zwei Bestien! Ich kenne mich mit Hunden überhaupt nicht aus. Ich weiss nur, dass man ihnen am besten aus dem Weg geht. Die Hunde erinnerten mich immer an Dagobert Duck. Der Fantastilliardär besitzt ebenfalls zwei Bluthunde, die er – per Knopfdruck – auf jeden Bettler oder Neffen jagt. Manchmal hielt mich Wladimir auf der Strasse auf: «Beni, hör zü. Ich erzähl dür eina Geschichte!» Die beiden Hunde guckten auf meine dicken Oberschenkel und knurrten feindselig.

Jetzt ist dieser Rabbi leider weg. Schade. Machs gut, Rabbi! Lieben Gruss auch von meiner Frau.

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