Lächelnde Händler des schwarzen Goldes

Eine Nische für die Zukunft hat sich aufgetan. Die Beliebtheit von Vinyl steigt sogar bei Zürcher Teenagern.

Läuft wieder: Das Geschäft mit Platten. Bild: Adrian Moser

In diesen Tagen feiert der Sihl-Records-Plattenladen an der Martastrasse seinen ersten Geburtstag, und er prosperiert. Das ist nicht selbstverständlich: Noch vor wenigen Jahren sah es so aus, als ob Zürich bald gänzlich frei von Shops sein würde, die Musik zum Anfassen anbieten. Und nicht nur Zürich: Weltweit mussten die Ladenbesitzer wegen der Konkurrenz von Anbietern digitaler Downloads aufgeben, und den wenigen Verbliebenen standen die Mundwinkel konstant auf Höhe der Kniescheiben – die Existenzangst war allgegenwärtig.

Doch seit ein paar Jahren tut sich Überraschendes: Die übrig gebliebenen Händler des schwarzen Goldes haben das Lächeln wiedergefunden, und da und dort eröffnen gar neue Stores. So auch in Zürich mit jenem im Kasheme an der Langstrasse oder (eben) mit Sihl Records. DJ Andreas Ramos, Inhaber von Sihl Records: «Zu Beginn habe ich wöchentlich 50 Scheiben bestellt, nun bin ich wegen der steigenden Nachfrage bei 200.» In seinem Laden verkauft er subkulturelle Electronica, Musik aus den Genres Ambient, House und Techno, darunter viele Schweizer Veröffentlichungen. Besonders freut es ihn, dass der DJ-Nachwuchs das Vinyl wiederzuentdecken scheint: Die Altersgruppe der unter 20-Jährigen mache inzwischen 15 bis 20 Prozent seiner Kundschaft aus.

Das bestätigt Marc Fuhrmannvon Panthera Records. Der Laden an der Johannesgasse existiert seit 1985 und wurde 2004 von Fuhrmann übernommen, der zuvor zehn Jahre lang dort angestellt war. Panthera Records ist musikalisch breiter aufgestellt als Sihl Records und verkauft Platten aus den unterschiedlichsten Genres: «Mitte der Nullerjahre war der absolute Tiefpunkt erreicht. Mit dem Aufkommen neuer DJ-Technologien sind uns damals viele langjährige Kunden abgesprungen und haben auf Digital gewechselt.» Für Fuhrmann folgte eine lange Zeit des Darbens, aufgegeben hat er trotzdem nie. Nun verspürt auch er Aufbruchstimmung.

Selbst die grossen Major-Labels pressen wieder, auch das aktuelle Ed-Sheeran-Album ist auf Vinyl erhältlich. Fuhrmann und Ramos sind sich einig, dass die digitale Revolution nicht umkehrbar ist und das schwarze Gold nie mehr die Absatzzahlen früherer Tage erreichen wird. Jedoch sind ihre Shops der Beweis dafür, dass sich für das Vinyl eine Nische mit Zukunft aufgetan hat.

1 Kommentar zu «Lächelnde Händler des schwarzen Goldes»

  • abc sagt:

    Bei Vinyl geht es aber auch um den materiellen ästhetischen Faktor. Platten sind auch farbig druck- und gestaltbar, und der Umschlag bietet eine grosse Fläche für Gestaltung. Vielleicht ist auch zu vieles virtuell geworden und man hat als ausgleich gerne etwas schön gestaltetes in der Hand und zu Hause, zu welchem man direkt Sorge tragen kann, zusammen mit einem Plattenspieler, was ein handliches Gerät ist. Aber wie sieht es mit CD’s aus, die eine Mischung zwischen entmaterialisierter Digitalität und Materialität sind. Die wurden bspw. in den 90ern auch bei Elektronika mit dem Booklet auch oftmals schön gestaltet, auch wenn die Materialität im Vergleich zu Vinyl von anderer Art ist. Ist die CD draussen, oder erlebt die auch ein Revival?

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