Es popt in Zürich

Kurze Zwischennutzungen erweitern das Angebot des Zürcher Nachtlebens. Und mit ihrem provisorischen Charme sind die kurzzeitigen Clubs eine Alternative zu ihren langfristigen Schwestern.

Nachtleben auf Zeit: Pop up-Club Salon Libre.

Von der Pop Up-Bar über den Pop Up-Club, den Pop Up-Store, das Pop Up-Restaurant und den Pop Up-Market bis hin zu Pop Up-Yoga: Seit einigen Jahren werden die Urbanen mit Faible für Kurzlebiges auf Trab gehalten.

Nicht nur hier in Zürich, sondern überall wo Raum Mangelware ist, boomt die Zwischennutzung und wo ein Boom ist sind auch Leute die daran verdienen wollen. So auch die Macher der Internetseite popup-radar.com, die aber offenbar an der selbst gestellten Herkulesaufgabe eine laufend aktualisierte und komplette Zusammenfassung aller Pop Ups in Städten wie Berlin, Hamburg, München, Wien und Zürich zu bieten gescheitert sind.

Jedenfalls ist gemäss dieser Seite an der Limmat gerade Pop Up-Pause, und das ist weiter von den Tatsachen entfernt, als eine Erzählung des Barons von Münchhausen: Vergangene Woche haben mit der Noël Baba Bar am Stadthausquai 1 (geöffnet bis zum 24. Dezember) und dem Salon Libre (bis zum 22.12.) im ehemaligen Kino ABC beim Hauptbahnhof gleich zwei gastronomische Zwischennutzungen eröffnet.

Kommenden Donnerstag eröffnet an der Seefeldstrasse 40 «Rudolph’s Holy Moly», lanciert von einem Team um den bereits Pop Up-geprüften Turicum Gin-Miterfinder Oscar Martin. Auch die Widder Garage am Augustinerhof empfängt weiterhin Gäste und ab 1. Dezember bis zum 3. Februar (mit einem Festtags-Unterbruch) kann man in der Stadthalle an der Morgartenstrasse 5 essen. Diese Aufzählung ist längst nicht abschliessend.

Der von den ehemaligen Kasheme-Betreibern um Nick Mazrekaj und Yves Niedermayrs Raygrodski-Team auf die Beine gestellte Salon Libre ist beeindruckend. Im bis auf den Beton entkernten ehemaligen Kinosaal ist Platz für weit mehr als 500 Leute, denen mehrere Bars, grosszügige Lounge-Bereiche und eine Tanzfläche zu Verfügung steht, deren Dimensionen so manchen Clubbetreiber vor Neid erblassen lassen dürfte.

An den Turntables stehen vornehmlich Zürcher DJs und die Soundanlage klingt tadellos. Die Lancierung ist gelungen, aber ob es dem Lokal gelingen wird seine riesige Fläche ständig mit Gästen zu füllen wird sich erst noch weisen. Den Machern der Noël Baba Bar dürfte dies leichter fallen: Gleich gegenüber vom Zirkus Conelli (eigentlich auch ein Pop Up) ist hier eine Bar entstanden, die auch ein Weihnachtsbaum mit Geschenken ist. Im Vergleich zum Salon Libre sind hier die Platzverhältnisse äusserst bescheiden, aber dem Team um Fabian Gysling, Harun „Shark“ Dogan und Oliver Scotoni ist es gelungen den Geist von Weihnachten in eine Bar zu verwandeln. Hier spielt nicht DJing die Hauptrolle sondern exzellentes Bartending.

Bars und Clubs scheinen sich besser zum Pop Up zu eignen als Restaurants: Während Zwischennutzungen wie der Salon Libre oder die Noël Baba Bar als vollends gelungen gelten, vernimmt man von Pop Up-Restaurants immer wieder, dass das Ambiente zwar klasse sei, das Essen aber nur mässig. Leute mit einem empfindlichen Magen vertrauen wohl besser auf ein eingespieltes Team in einer professionell ausgestatteten Küche als sich auf Experimente einzulassen.

Die Stadtblog-Kolumnisten sind vom 16. Juli bis am 26. August in den (leicht verlängerten) Sommerferien. Während dieser Zeit erscheint hier ein Best-of von bereits publizierten Blog-Beiträgen.

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