Bitte mehr Mutausbrüche!

Im heutigen Beitrag dieser städtischen Gebrauchsanleitung gehts um Minijupes, Spitzenköche, Orgasmen und Franz Schubert – primär aber gehts um ein tolles, neues Zürich.

Der verstorbene französische Starkoch Paul Bocuse (hier 2011 vor seinem Restaurant L’Auberge du Pont de Collonges in Collonges-au-Mont-d’or) war nicht nur bekannt für seine köstlichen kulinarischen Mutausbrüche, er hatte auch kaum mal eine schlechte Tagesform. Foto: Keystone

Gerade Leserinnen und Leser, die sich am Fernseher ab und zu Sportsendungen anschauen, hin und wieder an ein Konzert oder ins Theater gehen oder in wärmstens empfohlenen Restaurants schon auf 1-Stern-Niveau getafelt haben, fragen sich das seit langem, ohne dafür jemals eine einigermassen vernünftige Antwort bekommen zu haben.

PS: Sie können übrigens auch weiterlesen, wenn Sie sich lieber Dokus über Flugzeugabstürze und Massenmörder reinziehen, Kultur als verkürztes Synonym von Trinkkultur verstehen und seit der Einführung des Rauchverbots in Zürich am 1. Mai 2010 (Ist das tatsächlich schon über acht Jahre her? Ach, wie die Zeit vergeht! Und ach-ach, wie viele Reinigungen haben seither Kurzarbeit einführen müssen, weil all die Hemden, Vestons, Mäntel, Bustiers, Deuxpièces, Minijupes etc. nicht mehr nach Gequalme stinken und der wenige Schweiss doch bloss ein Tropfen auf den heissen Stein ist, damit lässt sich doch kein Business machen… aber an so was denkt bei der Lungenliga natürlich niemand!) aus Prinzip nur noch zu Hause essen, und wenn Sie sich doch mal was leisten wollen, halt den Mosi’s beauftragen, er soll in der Markthalle das Entrecôte mit Pfeffersauce und für Madame die Zanderknusperli im Bierteig holen («wobei die eigentlich besser den Fitnessteller, aber lassen wir das… und diesmal den Frass bitte warm bringen, jaaaa!») – es geht nämlich nachher mit was anderem weiter.

Aber eben, was diese Leserinnen und Leser wundernimmt: Gibt es bei Journalisten, ähnlich wie bei Profisportlern, Rockmusikern, Schauspielern und selbst Spitzenköchen auch so was wie eine Tagesform? Kann sich also ein Hochdruckgebiet, ein Liebeskummer, ein Baustellenlärm, ein Orgasmus und Ähnliches auf die Qualität eines Textes auswirken?

Dank reichlich Berufserfahrung kann ich sagen: Es sollte nicht passieren, aber es passiert! Und öfters zum Unguten! Dass dieser Beitrag hier so scheinbar fidel dahinplätschert wie Franz Schuberts trügerisch heiteres Lied «Die Forelle», hat beispielsweise mit dem anhaltenden Feinregen zu tun, der gestern ab 14.17 Uhr über Wiedikon niederging.

So, damit noch rasch zum eigentlichen Thema. Das mir eine Herzensangelegenheit ist und das ich deshalb als ultimativen eindringlichen Gebrauchsanleitungs-Appell loswerden will: Haben Sie weniger Wut-, dafür mehr Mutausbrüche!

Setzen Sie Ihren Furor nicht nur vehement, sondern auch intelligent ein! Treten Sie himmelschreienden Ungerechtigkeiten in den Hintern! Seien Sie spontan, nicht profan! Geben Sie Ihrer inneren Mutter Courage freies Geleit! Fallen Sie mal auf den Latz (Sie werden sehen, wie gut das tut)! Helfen Sie mit, die Hüftsteife, die Kopflastigkeit und die Temperamentsblockade Zürichs zu lockern! Oder WM-mässig gesprochen: Spielen Sie wie Japan gegen Belgien, nicht wie die Schweiz gegen Schweden! Das wäre echt grossartig.

3 Kommentare zu «Bitte mehr Mutausbrüche!»

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