O-Bike-Kinder

Warum demolierten Zürcher vor allem die gelben O-Bikes, nicht aber die Limebikes oder die Züri-Velos?

Der Gegenstand des Hasses: Ein O-Bike in Zürich. (Foto: Beni Frenkel)

Vor unserem Haus steht ein O-Bike. Es ist eines der Letzten seiner Art. Das Verleihunternehmen zieht sich ja aus Zürich zurück. Das Besondere am Fahrrad vor unserem Haus: Es ist weder verbogen noch demoliert. Die meisten O-Bikes, die ich bisher gesehen habe, sehen so aus, als wären sie FCZ-Fans in die Quere gekommen.

Überhaupt hat mich immer fasziniert, welche Aggressionen diese scheusslichen Velos bei uns ausgelöst hatten. Einmal fand ich am Bahnhof Enge ein O-Bike, das total entstellt wurde. Lenker weg, mehrere Messerschnitte im Pneu, die Velokette abgetrennt und der Sattel in den Speichen. Das sah sehr eindrücklich aus. Ein bisschen «Guernica», ein bisschen Bernhard Luginbühl. Welcher Künstler war hier wohl am Werke?, dachte ich mir. Vielleicht ein liebevoller Familienvater, der in seiner Freizeit Onlinekommentare schreibt? Und an der vornehmen Etzelstrasse in Wollishofen hat ein Berserker zuerst mehrere O-Bikes zerstört und danach aufeinander­getürmt. Diese rohe Gewalt hat mich fasziniert. Wo sieht man das heute in Zürich?

Da ich von Natur aus ein Opportunist bin, begann ich auch langsam, die O-Bikes zu hassen. Tief in mir drin spürte ich den Drang, sie zu vernichten. Ich bin jetzt aber nicht so blöd, hier aufzuzählen, wie viele Velos ich bisher zerstört habe. Aber ich gebe gerne zu, dass mich der Anblick eines verwüsteten O-Bikes im Gebüsch sexuell erregte. Mein Psychiater meint aber, dass ich keine psychischen Störungen habe.

Warum demolierten wir Zürcher aber vor allem die gelben O-Bikes, nicht aber die Limebikes oder die Züri-Velos? Das ist eine sehr, sehr wichtige Frage. Die Antwort: Ich kenne sie nicht. Ich erinnere mich jetzt, wie ich früher im Lehrerzimmer stand und fasziniert auf den Pausenhof guckte. In der grossen Pause wurden immer die gleichen Kinder verprügelt. Es waren stets dickliche und zugleich nervende Kinder. Heute würde man von O-Bike-Kindern reden. Auch dieser verdammte Kopierer im Lehrerzimmer war so ein O-Bike-Kopierer. Immer Papierstau oder Fehlermeldung 761.

Leider hat Stadtrat Filippo Leutenegger nie wirklich kapiert, was diese Velos bei uns Zürchern auslösen. Ich bin mir sicher: Hätte der damalige Vorsteher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements wirkungsvoller gegen die O-Bikes gekämpft, hiesse der Stadtpräsident heute Filippo Leutenegger.

Die Quittung: die Leitung des Zürcher Schul- und Sportdepartements. Das ist das unwichtigste Departement. Vor einem Monat fand auf der Sport­anlage Utogrund wie jedes Jahr «De schnällscht Zürihegel» statt. Ein Pflichttermin für Leutenegger.

Bei der Preisverleihung riss er das Mikrofon an sich und erzählte ausführlich, wie gerne er hier sei. Dann wollte er die Namen aller Sieger und Siegerinnen vorlesen, bis ihm jemand ein Zeichen gab, dass er hier einen anderen Job innehabe. Filippo durfte den Dreikäsehochs die Medaillen umhängen.

7 Kommentare zu «O-Bike-Kinder»

  • urs brand sagt:

    Man könnte mit diesen gelben Schrottbikes doch eine Art zweite Tinguely Skulptur schaffen, die sich so alle 15 Minuten drehend, hüpfend, klappernd, scheppernd, klingelnd, kreisend, swingend, wippend usw. in Bewegung setzt. Als Standort schlage ich die Promenade Bürkliplatz vor. Damit hätten wir 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Erstens wäre der Veloschrott elegant recycelt und für die asiatischen Touristen gäbe es eine neue, lehrreiche Attraktion, wie man eine europäische Stadt nicht in Beschlag nehemen sollte.

  • Hans Hasler sagt:

    Ich will auch einen Psychiater, der mit bestätig normal zu sein… Kann man den von Frenkel mieten?

  • zweistein sagt:

    Beni Frenkel philosophiert über O-Bikes und LimeBikes. Leider vergisst er Marx zu zitieren und scheidet wild fuchtelnd und laut japsend aus. Sehr schade.

  • Gabriela sagt:

    Die Chancen, die dieses Departement bietet, werden einfach nicht erkannt: da könnte er eine Menge zukünftige Wählerstimmen gewinnen, indem er dafür sorgt, dass nicht mehr immer die gleichen Kinder aufs Dach kriegen (ich war nie dicklich. Und dass ich gross genervt habe, kann ich mir nicht vorstellen, war viel zu schüchtern um den Mund aufzukriegen…)

  • Rolf Hefti sagt:

    Ist es eigentlich ein Fakennews, dass Journalisten an Universitäten bestehen müssen ?

  • Daniel Hoffmann sagt:

    Wieso? Weil es eine verdammte Frechheit ist, deshalb. Einfach so mir nichts dir nichts mit ein paar Schrottbikes mal kurz Zürich zupflastern? Ich hätte mir eine viel krassere Reaktion erhofft, vor allem auch politisch, da ja schon damals klar war, so glaube ich zumindest, dass eigene Mietvelos geplant waren..

  • Oliver Brunner sagt:

    Weil der „Hass“ auf die Velos auch in den Medien geschürt wurde. So im Sinne von: Unnötiger Plastikmüll und die bösen Chinesen werden alle meine Velofahrten aufzeichnen. Aber das die überteuerten E-Bikes der Stadt eine viel schlechtere Lösung ist, wird verschwiegen…

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