«Ey, Mann, du stinkst!»

Kotzübel wird es unserem Autor, wenn er enge Räume mit jüngeren Geschlechtsgenossen teilen muss, die auf die dämliche Werbung für billige Macho-Deos hereingefallen sind.
Sexistischer Kack wirbt für Stink. Und nein, du legst damit niemanden flach.

Sexistischer Kack wirbt für Stink. Und nein, du legst damit niemanden flach.

Brechreiz, tränende Augen, Giftschwaden in der Luft – nein, wir befinden uns nicht an einer tränengasreichen Demo, wir befinden uns in der S12 zwischen Winterthur und Zürich und ich versuche, den Frühstückskaffee und mein gerade gemampftes Gipfeli nicht auf die weissen Sommerschuhe meiner Mitreisenden zu erbrechen. Eine Gruppe junger Männer steht bei der Tür und vergiftet das Umfeld weithin mit «Africa», «Get her», «London», «Supercold» und wie die Deosprays für Pubertierende noch so heissen.

Testosterongesättigte, von Hitze weichgekochte, junge Männerhirne sind wohl am anfälligsten für die völlig schwachsinnigen, sexistischen Werbespots von Axe, Lynx und Co. Wie sonst wäre zu erklären, dass diese Gattung sich jeden Sommer ein Miasma an chemischen Kampfstoffen unter die Achseln – und wohl noch an intimere Stellen – sprayt und damit ihr Umfeld terrorisiert?

Axe- und Nachahmerprodukte, also billigste Stinkstoffe, die versprechen, Frauen in kürzester Zeit flachzulegen, sind jeden Sommer in geschlossenen Räumen und im ÖV eine Pest. Wahrscheinlich lügen die Werber nicht mal: Ich würde mich auch jedesmal gerne flach hinlegen – nachdem ich in einen dieser kleinen Tram-Abfalleimer gekotzt hab – wenn ich einen dieser Deo-Verbrecher riechen muss. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass junge Frauen, vor die Wahl zwischen Axe und Schweiss gestellt, eher mit literweise Schweiss vorlieb nehmen würden.

Und es ist nicht nur die Wirkung, die dieser aufdringliche Gestank auf die Umgebung hat. All diese Sprays haben eine unterschwellige, trockene, bittere Duftnote, die meinem Unterbewusstsein sagt, dass alles, was man damit besprüht, innerhalb von Minuten verkümmert und abfällt. Ich würde mir also als junger Mann genau überlegen, wohin ich dieses Zeugs spraye.

Es macht wahrscheinlich wenig Sinn, wenn ich als älterer Herr den Jungs sage, dass ihre brutale Unbekümmertheit im Umgang mit diesem Bio-Hazard-Material ihrem Umfeld und ihrer Attraktivität schweren Schaden zufügt.

Aber vielleicht wärs ein Ansatz, wenn junge Frauen in der Öffentlichkeit auf die Umweltverbrecher zugehen und ihnen laut und deutlich sagen:

«Ey, Mann, du stinkst!»