Ganz andere Probleme

Im heutigen Beitrag dieser städtischen Gebrauchsanleitung geht es um einen Mexikanerladen, das Tourette-Syndrom, Schwüre und «en birreweiche Fettsack» – vorab aber gehts um Voodoo.

Die andere Lösung, um Sergio Ramos mit schwarzer Magie zu bearbeiten, wäre natürlich ein haitianischer Voodoo-Priester gewesen, doch die findet man halt in Zürich auch nicht auf der Strasse … und auch nicht auf den Friedhöfen. (Foto: Keystone)

Es gibt ja im Kreis 5 diesen Mexikanerladen. Und angeblich, das hat mir ein mediokrer Informant gesteckt (die verlässlichen Quellen scheinen alle versiegt, das kommt halt davon, wenn man Whistleblower behandelt, wie sie in «Ben Hur» die Aussätzigen behandelten!), haben die da nicht nur Nachos, Tacos, Mezcal, Tequila und gebenedeite Kerzen für den Día de los Muertos, sondern auch arg obskure Dinge. «Und dieses Schwarze-Magie-Zeugs verticken die im Fall genauso, wie die Tattoo-Studio- und Skater-Läden-Typen früher ihre ‹Purple Haze›-Duftsäckli oder den schwarzen Afghan vertickten», so mein mittelmässiger Informant, «sie horten die Ware unter der Ladentheke, und sobald du den Geheimcode machst – dreimal blinzeln mit dem linken Auge –, holen sie heisse Ware hervor, ich schwörs!»

Spätestens als mich der Mann hinter der Kasse nach dem dritten dreimaligen Blinzeln beunruhigt ansah – ich glaub, dass er glaubte, der Augentick sei der Beginn eines epileptischen Anfalls oder, fast schlimmer, eines sich demnächst manifestierenden Tourette-Syndroms, und ich würde ihm ungewollt und unkontrolliert bald viele schmutzige Dinge an den Kopf werfen –, wusste ich: Schwüre sind auch nicht mehr das, was sie 1291 mal waren.

Jedenfalls: Was ich vom Informanten wissen wollte – wo in Zürich kann ich eine Voodoopuppe posten? Plus die Quälnadel, mit der man dann darin rumstochert, wodurch eine sehr konkrete Person physische und psychische Schmerzen erleidet?
Diese Person wäre in meinem Fall Real Madrids Sergio Ramos gewesen. Und ich hätte das mit der Nadel geschickt unauffällig gemacht – mal ein Treppensturz da, mal eine auf den Tötz donnernde Vase dort, dann und wann ein Versagen beim Beischlaf; alles vermeintlich «normale» Zwischenfälle.

Diese Vorkommnisse hätten sich indes mit der Zeit so stark gehäuft, dass Ramos zuerst in seinem privaten Umfeld und bald auch in den Medien nur noch «Torpe» (auf Deutsch: Tollpatsch, Holzkopf) genannt worden wäre. Als Konsequenz davon hätte er natürlich die Captainbinde und den Stammplatz (plus die heimliche Geliebte) verloren und als Folge davon dann den posttraumatischen Zwang entwickelt, sich ganz viele Süssigkeiten einverleiben und pausenlos affig grölen zu müssen – worauf man ihm den neuen Spitznamen «Gordo estúpido» (auf Züritüütsch: birreweiche Fettsack) gegeben hätte. Wäre dieses Stadium erreicht gewesen, hätte ich Puppe und Nadel beiseitegelegt, einen süffigen Roten entkorkt, die Single «You’ll Never Walk Alone» auf den Plattenteller gelegt und vom Sofa aus zufrieden dem Sonnenuntergang zugeschaut.

Tja… erstens keine Voodoopuppe, und zweitens haben wir grad ganz andere Probleme. Auch solche, die man nicht einfach mit einer Nadel beheben kann. Dazu gehört zum Beispiel die eher philosophische Frage, was bei diesem pausenlosen Theater um den Sechseläutenplatz wohl andere wichtige Zürcher Plätze empfinden. Mehr dazu gibts nächste Woche.