Dinner mit Mama

Das Restaurant Spitz ist, wie man sich Zürich im besten Fall vorstellt: stilvoll, sympathisch. Der Mutter haben auch die Anzüglichkeiten geschmeckt.

Was für es Tägli! So heissen Cocktails im Restaurant Spitz beim Landesmuseum. (Foto: Doris Fanconi)

Hier sind Zürcher am Werk. Man erkennt das nur schon am Namen der Cocktails: «Säg Sali», «Was für es Tägli» oder «Tomate uf de Auge». Wir, das sind meine Mutter und ich, bestellen das «Tägli» (16 Fr.) und «Grossi Melone» (16 Fr.). Letztgenannte Anzüglichkeit passt natürlich schlecht zu einem Dinner mit Mama. Ebenso wenig der mehrdeutige Name des Restaurants. Aber der ist ja auch der Nähe zum Platzspitz geschuldet, erklärt man. Alles easy.

Die Drinks, einmal mit Mirabelle und Zitronenmelisse, einmal mit Wodka und Gurke, schmecken frisch. Und susch so? Das Lokal, das seit 2016 in einem Nebengebäude des Landesmuseums untergebracht ist, besticht durch sein stilvoll gehaltenes Interieur. Gelbe und rote Neonröhren durchschneiden den ansonsten eher konservativ gehaltenen, von schweren Säulen geprägten Raum, in dem grosszügige Platzverhältnisse herrschen. Die abgetrennte Bar gleich beim Eingang verströmt grosstädtisches Flair. Ein würdiges Lokal, nicht zuletzt für einen Neuankömmling, der zum ersten Mal aus dem HB tritt. So stellt man sich Zürich im besten Fall vor: stilvoll, aber auch sympathisch.

Und es stimmt. Es sind hier ein paar Stadtzürcher am Werk. Keine grossen Gastroplayer zwar, aber durchaus bekannte Gesichter. Eine Gruppe, die teilweise den Club Zukunft, die Cucina Paradiso AG oder das Café des Amis mitbetreibt, hat vor drei Jahren den Wettbewerb um das Lokal gewonnen.

Und man versteht bald, warum. Die Essenskarte ist klein gehalten und originell. Viele Produkte stammten von lokalen Produzenten, sagten die Betreiber nach der Eröffnung vor zwei Jahren dem «Züritipp».

Wir entscheiden uns einmal zur Vorspeise für Ceviche vom Zander, garniert mit Limette und frischen Gartenerbsen (22 Franken) und den Blattsalat mit Gemüse und Kernen (12.50 Fr.). Beides super! Zum Hauptgang kommt einmal gegrilltes Hohrückensteak mit Chimichurri und Frühlingsgemüse-Salat (46 Fr.) auf den Tisch. Ebenso gebratene Kalbsleber mit verschiedenen Bohnen, Apfel und Kräutern (37 Fr.). «Es hät sehr vill Gschmack», sagt Mama schon nach dem ersten Bissen.

Auch ein zweiter und dritter Check bestätigen: Die Leber, die am Stück serviert wird, wie auch das Chimichurri, die südamerikanische Kräutersauce fürs Steak, schmecken ausgesprochen würzig. Man merkt, dass es sich hier um frische Zutaten handelt. Als Weinbegleitung wählen wir den Merlot «Costera Riserva» (82 Fr.), der der Würze des Essens leider nicht beikommt.

Was die Bedienung angeht, lässt sich feststellen: Sie war freundlich, professionell, zurückhaltend, zürcherisch. Alles in allem lässt sich sagen: Isch fein gsii.

Restaurant Spitz, Museumstrasse 2, 8001 Zürich, Tel. 044 221 94 77. Mo 11.30–24 Uhr, Di–Fr 11.30–14 Uhr / 18–24 Uhr, Sa 11–24 Uhr, So 11–18 Uhr.

4 Kommentare zu «Dinner mit Mama»

  • jane marple sagt:

    Freundlich, professionell und zurückhaltend? da kann ich nur lachen. wir hatten unser firmenessen dort. wurden auf vier tische verteilt, wurden angeschnautzt weil wir 15 minuten verspätung hatten (apéro fiel deswegen gleich mal aus!). ein gast mit zoeliakie wurde von der «chefin de service» schräg angemacht und höhnisch behandelt, weil die küche angeblich nichts davon wusste (was jedoch nicht stimmte, da wir alles schriftlich bestellt hatte. die gäste wurden einfach dedutzt, was ein «nogo» ist. unsere rekalamation wurde zwar vom restaurantleiter am tag darauf zur kenntnis genommen. er wollte sich wieder melden… wir warten heute noch auf antwort und entschuldigung. so gesehen ist das «spitz» tatsächlich «typisch zürcherisch»!

  • Franz Rosenkohl sagt:

    22 + 12.50 + 46 + 37 + 82 = 199.50
    Hier sind Zürcher am Werk. Man erkennt das nur schon am Preis.

    • Philipp M. Rittermann sagt:

      bin bei ihnen. natürlich (weil in züri) preislich überrissen, wie fast immer. und ein merlot, egal welcher qualität für 82 franken ist – gelinde gesagt – eine frechheit.

  • Philipp M. Rittermann sagt:

    sie, herr sarasin. „freundlich, professionell und zurückhaltend“ beisst sich aber völlig mit „zürcherisch.“ aber die foodkritik ist gelungen. 🙂

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