Es sind Details! (4)

In heutigen Beitrag dieser städtischen Gebrauchsanleitung geht es um Prinz Harry und Robert Seethaler, um Nudisten und eine Schlägerei – vor allem aber gehts um die Welt da draussen.

Via Treppe zum Stufenschnitt: Dieser Wiener Frisör, der gemäss einem Kunden, der kurz nach der Entstehung dieses Bildes den Laden verliess, erheblich mehr drauf hat als bloss den Stufenschnitt, befindet sich unweit der Maria-Hilfer-Strasse. Foto: Thomas Wyss

Im Big Apple hadern sie grad mit gravierenderen Verspätungen bei der Subway. Besonders ärgerlich: Das Problem sei eine Folge von Fehlentscheidungen der Metropolitan Transportation Authority, also quasi hausgemacht (was in diesem Kontext übrigens nicht mit «homemade» übersetzt werden kann), wie die «New York Times» gestern schrieb.

In Washington wiederum, so war gestern in der «Post» zu lesen, wurde eine Pop-up-Bar eröffnet, deren Hauptraum eine präzise Nachbildung der St. George’s Chapel auf Schloss Windsor ist (dem Designteam stand, Google sei Dank, eine 360-Grad-Ansicht der Kapelle zur Verfügung), wo sich am 19. Mai Prinz Harry und Meghan Markle das «Yes»-Wort geben werden, was in der Bar trotz Zeitverschiebung selbstverständlich live zu sehen sein wird.

Zeitgeistig gings auch in Paris zu: Im Palais de Tokyo, einem Museum für kontemporäre Kunst, fand eine Führung statt, bei der die Herumgeführten – attenzione! – nudo (nackig!) waren. Gleichwohl seien die 150 Tickets im Nu weg gewesen, schlimmer noch, es gebe jetzt eine Warteliste von Hunderten Personen, die meisten 20- bis 30-jährig.

Warum der italienische Einschub? Weil das weder im «Figaro» noch im «Le Parisien», sondern in der Rom-Ausgabe der «Repubblica» stand! Ausgerechnet, dabei haben die eigentlich genug Probleme, zum Beispiel einen falsch parkierten Smart vor der Bar Pompi, der den Bus 649 an der Weiterfahrt hinderte, was in eine dramatische Schlägerei ausartete, mit blutenden Helden, azurblau geschlagenen Augen und weinenden Diven.

Anders gesagt: Da draussen ist der Teufel los, und dieser Gebrauchsan­leitung fällt nichts Schlaueres ein, als genüsslich zu schildern, warum Wien tatsächlich die bessere Lebensqualität hat als Zürich – anhand von Details! Sachen gibts, die gibts gar nicht. Seis drum, jedenfalls: Nach den Punkten 1 bis 6, dargelegt an den letzten Samstagen, folgen nun die Aspekte 7 bis 11.

7. «Ein Walzer für die Liebe: Wien in der Weltliteratur» zeigt auf 191 packenden Seiten auf, in welchen relevanten Roman, Erzählungen usw. die Donaumetropole eine Haupt- oder Nebenrolle spielte (mein Favorit: «Der Trafikant» von Robert Seethaler). In Zürich würde dasselbe Buch magersüchtig wirken, nicht mal die Dadaisten hatten ja gross Lust, das Limmatstädtchen abzufeiern.

8. Im Wiener Leopold-Museum hat auch schon mal eine Nudistenführung stattgefunden. Bei uns dagegen wartet man noch immer sehnlichst darauf (und nicht nur die 20- bis 30-Jährigen).

9. Derweil man es bei uns gern mit «Gschpürsch mi?» und mundartlichem Anheimeln versucht («Kafi dihei», «Kafi für dich», «Huusmaa», «Huus-Beiz»), setzt man in Wien auf (tief)sinnigen Humor. Wie heisst der Coiffeur am Ende einer Treppe? «Stufenschnitt».

10. Unser soziales Strassenmagazin heisst «Surprise», es ist gesellschaftlich konform. Dasjenige von Wien heisst «Uhudla», es ist «die älteste und rebellischste Strassenzeitung Österreichs».

11. Ohne die Darsteller oder deren fiktive TV-Figuren zu kennen, ist klar: Der künftige Zürcher «Tatort» wird niemals die absurde Originalität seines Wiener Pendants aufweisen können.

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