Sommerwahn & südländische Unsitten

Unser Autor kommt aus den Ferien zurück und kann es nicht fassen: Der Sommer bringt das Schlimmste in den Zürchern zum Vorschein.
Jaja, da wird mancher Zürcher einen Herzinfarkt kriegen: Ein feminines Lächeln in freier Wildbahn.

Jaja, da wird mancher Zürcher einen Herzinfarkt kriegen: Ein feminines Lächeln in freier Wildbahn.

Gerade bin ich dem Flugzeug aus Thailand, dem Land des eeeeeewigen Lächelns, entstiegen und freue mich so richtig auf daheim. Die unerträglich netten Thais können einem schon nach kurzer Zeit auf die Nerven gehen. Und dazu sind sie auch noch so unanständig entspannt. Genauso wie die meisten Touristen da, die sich von dieser tropischen Paradiesatmosphäre haben weichkochen lassen.

Da bin ich also am Zürcher Flughafen und freu mich so richtig auf schlechten Service, überteuerte Kaffees und griesgrämige Pendler. Man will ja schliesslich spüren, dass man wieder zuhause ist und dass das Heimweh gerechtfertigt war.

Und natürlich werde ich enttäuscht. Die Wettervorhersage für Zürich hätte mir eigentlich einen Hinweis bieten sollen. „26 Grad“ stand da. Und aus bitterer Erfahrung weiss ich, dass die Zürcher bei über 25 Grad völlig ausflippen und ihr hart erarbeitetes, cooles und unfreundliches Wesen einfach über Bord schmeissen, als hätten sie schon zum Frühstück karibischen Rum und Salsa gehabt.

Kaum scheint die Sonne in der Stadt mal so, dass man keinen Ersatzmantel mittragen muss, denken die Städter, sie seien auch ein wenig mediterran, sie seien auch ein wenig „loco“ und alles sei „mai pen rai, ka“. Die anständige, zwinglianische Arbeitsamkeit und die liebenswerte, herablassende Arroganz ersticken in einer Flut südländischen Schlendrians.

Leute, die auf den Türknopf drücken, damit andere es auch noch ins wartende Tram schaffen. Pfui Teufel, wie schleimig ist das denn? Eine Bedienung im Hipster-Café, die nicht versteckt vor den Gästen von ihrer Karriere an einem Berliner Theater träumt, sondern dem Gast ein ehrliches Lächeln schenkt, während sie den Kaffee in rekordverdächtiger Zeit serviert – als hätte sie WIRKLICH Spass an ihrem Job. Und die bei einem Trinkgeld unter fünf Stutz nicht die Augen verdreht, sondern sich bedankt.

Männer am Paradeplatz, die mit gelockerten Kravatten miteinander und anderen plaudern, anstatt finster in ihre Handys zu starren, oder besser, laut über Bluetooth-Headset Business zu talken, wie es sich gehört. Es ist eine Schande. Das Image der harten Finanzstadt leidet darunter. Unser Standortmarketing sollte eine Kampagne gegen solches Verhalten in der Öffentlichkeit lancieren.

Und am schlimmsten sind die Frauen! Ist man sich als Mann doch gewöhnt, veritable Frostbeulen auf den Augen zu kriegen, wenn man versucht, einer typischen Zürcher Szenetussi in die Augen zu flirten, sind diese bei den jetzigen Temperaturen alles Löv änd Piiis. Sie lächeln zurück! Ich bin heute beinahe tot umgefallen, als mir ein übrig gebliebenes Feriengrinsen mitten zwischen die Morgenpendler fiel, und gleich ZWEI FRAUEN nett darauf reagierten.

Wozu soll man überhaupt noch in die Ferien gehen? Man geht schliesslich weg, um da zu sehen, dass da alles viel schlechter ist, und man sich wieder auf zuhause freuen kann. Und dann sowas.

Ich bin jetzt daheim und hab die Rollläden unten. Nach meiner Wetter-App soll es ja bald wieder regnen. Dann getrau ich mich auch wieder aus dem Haus.

Dieses übertriebene Sommergefühl ist sicher nicht gesund.

34 Kommentare zu «Sommerwahn & südländische Unsitten»

  • Pete sagt:

    Also ihr Artikel hat mir den Tag vergoldet. Sie sind mir irgendwie symphatisch. Aber ich bin nciht schwul 🙂 Danke

  • Penumbra Noctis sagt:

    Also ich werde in Zuerich ja immer skeptisch, wenn jemand uebertrieben hoeflich und nett ist zu einem. Meistens wollen solche Leute einem Geld, die Seele oder schlimmstenfalls sogar beides abknoepfen! Da schellen bei mir halt sofort die Alarmglocken. DER Zuercher/DIE Zuercherin ist nicht gut gelaunt, laechelt nicht und ist schon gar nicht nett und hoeflich! Ausser er oder sie will etwas von einem.

  • Beat sagt:

    Gibt es DEN Thai oder DEN Zürcher? Wahrscheinlich gibt es ihn aber ich selber möchte lieber nicht in irgendeine Schachtel geworfen werden.

  • Roland K. Moser sagt:

    Ist Reda immer noch in seiner Endlosschlaufe „Ich armer alter Hund werde älter, heueueul“?
    oder klappt es jetzt mit älter werden?

  • Mara Keller sagt:

    Jeder muss sein Geld verdienen, und grad die freien Journis haben es schwer, also vollstes Verständnis auch für weniger gewichtige Themen. Aber eine so klischierte Zeilenschinderei – ist doch ein bisschen gar billig.

    • Réda El Arbi sagt:

      Danke für den netten Kommentar. Nach meinen Ferien hatte ich keine Lust, gleich wieder in die politische Arena zu steigen. Deshalb freu ich mich jetzt an den vielen Leuten, die über den Beitrag schmunzeln und nicht mit typisch Zürcherischer Griesgrämigkeit reagieren. Schönen Tag noch. Geniessen Sie das Wetter. Es regnet so schön.

      • Mara Keller sagt:

        Als Nicht-Zürcherin kann ich gar nicht mit zürcherischer Griesgrämigkeit reagieren… und ohnehin: ich kenne so viele reizende ZürcherInnen. Obs was mit dem Wald und dem Hineinrufen zu tun hat?

        • Réda El Arbi sagt:

          Googeln Sie doch mal « ironische Überzeichnung » bzw. « selbstitonische Betrachtung » oder klicken Sie einfach weiter, wenn Ihnen was nicht passt. Der Beitrag ist nun wirklich nicht von so relevanter Tragweite, dass Sie ihm zwei absolut humorallergische Kommentare widmen müssten. Sie scheinen auch die Metaironie in meiner vorherigen Anwort nicht erkannt zu haben. Jänu.

  • Hanspeter Niederer sagt:

    Die ernste Zivilisationserkrankung Snobismus witzig umschrieben, welche speziell in der Region Zürich epidemiemässsig auftritt. Dieser Snobismus tritt übrigens meistens zusammen mit Griesgrämigkeit und chronischem Beleidigtsein auf, weil die Krankheit Snobismus irrtümlich als Heilmittel gegen Griesgrämigkeit eingesetzt wird.

  • Jacques Möbius sagt:

    Kein Angst, Herr El Arbi. Im Burghölzli kann man sich solche Attacken der „SAD-Manie“ (euphorische Dissonanzen) wegtherapieren lassen (KK bezahlt). Die klassisch-zwinglianisch ausgebildete Oberschwester Gertrude von P7 weiss Bescheid. Sie wird Ihnen diese ‚Kuckucksnester“ schon wieder austreiben. Empfohlene Lektüre bei diesem Wellness-Aufenthalt: „Die Physiker“ von Dürrenmatt. Damit auch das Physische mitkommt.

  • Philipp M. Rittermann sagt:

    auf den punkt gebracht und ins schwarze getroffen! das ganze jahr sonnenschein und 26 grad c – und sogar die zürcher wären mehrheitlich geniessbar. bei unseren meteorologischen bedingungen ist das natürlich illusorisch und die bornierten züzis werden mehrheitlich so bleiben wie sie sind. unbeliebt, aber wenigstens authentisch.

  • Claude Fontana sagt:

    lassen sie diese Fältchenverstärkende Mundwinkelverzieherei bloss sein.Sonst kommt ein SVP-Polizist. und schreibt ihnen ein ticket für „erregung öffentlichen Neids.“ und die lächelnden Augen würde ich mir für den Starbucks aufbewahren, wenn sie wieder mal 9-10 Fr. für Braunes Wasser ausgegeben haben, ihnen aber die bedienung Gefällt.
    Ich hoffe der leise neid und der laute Sarkasmus sind aufgefallen. ansonsten: welcome back.

  • maria sagt:

    ich musste so lacheeeeeeeeeeeeeeeeeeen : )

    danke : )))

  • maria sagt:

    genau so ist es in Zürich !! ich musste so lacheeeeeeeeeeeeeen !
    danke : ))

  • geezer sagt:

    sommer in der stadt! ich freue mich auch jetzt schon auf juli/august, wenn, bedingt durch die ferienabwesenheit von krethi und plethi, alles zusätzlich noch entschleunigt wird. züri (für einmal) total relaxed, sozusagen……:-)

  • Andrea sagt:

    Hahaha, herrlich geschrieben! 🙂

  • klaus estermann sagt:

    Der Himmel blaut, die Sonne schreit,
    ach mir graut vor dieser Zeit!

  • tina sagt:

    :))))))) „als mir ein übrig gebliebenes Feriengrinsen mitten zwischen die Morgenpendler fiel“

  • jane marple sagt:

    diese fröhlichkeit ist eben künstlich (aufgesetzt), sonst gäbe es ja diesen kontrast nicht, der da beschrieben wird. ich dachte früher nur die engländer verlieren jegliche kleidungsmässige contenance wenn das thermometer über 22 grad steigt, aber die zürcher und zürcherinnen übertreffen alles, was „dinge-zeigen-die-man-lieber-nicht-sehen-will“ angeht.

  • Hans Peter Graf sagt:

    555 – nach ein paar Tagen in Thailand weiss man, dass die Zahl 5 in Thailand mit „ha“ ausgesprochen wird und „555“ folglich im Social App Slang „ha ha ha“ heisst.
    Ende der Durchsage aus dem Paradies, wo ich für 91 Baht Nudelsuppe und eine Flasche Sprudel (Nam Soda) genehmige. (CHF 2.90).

  • Danny K. sagt:

    Sorry, aber this is mischt.

  • Roger sagt:

    Wunderbar auf den Punkt gebracht. 🙂

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.