Es sind die Details! (2)

Im heutigen Beitrag dieser städtischen Gebrauchsanleitung geht es um Sophie Rois und Mo Salah, um Ampeln und Schnitzel – vor allem aber geht es um feine kleine Unterschiede.

Statt Konsum an jeder Ecke und Unterführung gibt es in Wien auch Passagen, die einfach mal was zum Nachdenken liefern. Foto: Thomas Wyss

Man kann es nicht besser sagen: Die Hochform, die Sophie Rois derzeit auf die Bühne brettert – unter anderem in Polleschs Ausser-Rand-und-Band-Stück «Hello, Mister MacGuffin» (bei dem man sich das Unmögliche wünschte, also dass es niemals enden täte, weil man sich beim Zuschauen wohlig derangiert fühlt wie der Moudi, dem der Bauch gekrault wird, bloss halt nicht unten, sondern oben, im Intellekt) –, macht sie zu einer Art Mo Salah der Zürcher Theaterszene!

Wie der ägyptische Starstürmer des FC Liverpool, der intuitiv weiss, wann er den Torschuss suchen und wann er einen seiner kongenialen Partner Firminio und Mané lancieren muss, hat es auch die gefitzte österreichische Mimin im Gefühl, wann Wahn und wann (Un-)Sinn gefragt ist; wann sie als Commander die namhafte Crew um Inga Busch, Marie Rosa Tietjen, Jirka Zett und Hilke Alterfrohne beherrschen und wann sie sich im Kollektiv mittreiben oder -reissen lassen muss.

Ich bezweifle aufrichtig, dass das theatralische Wien grad was ähnlich Originelles zu bieten hat, weder inner- noch ausserhalb der «Burg». Ebenso bezweifle ich, dass jemand ernsthaft anzweifeln könnte, solche Komödienkunst nicht der Sparte Lebensqualität zuzuschreiben. Gleichwohl, wir wissen es, steht Österreichs Kapitale laut der Mercer-Studie in diesem Contest einen Rang vor Zürich – auf Platz 1.

Wie letzte Woche berichtet, fuhr ich nach Wien, um zu prüfen, ob trotz dem merklich pseudowissenschaftlichen Approach dieser Studie Anhaltspunkte für Wiens nunmehr neunjährige Dominanz existieren. Dass das der Fall ist, vorab im Bereich der adretten Details, ward in Teil 1 bereits verraten. Nun folgt eine erste Auslegeordnung dieses Funds, der Rest wird dann nächsten Samstag nachgereicht, wiederum am gleichen Ort zur gleichen Zeit.

1. Wie geht ein souveräner Konter gegen gesellschaftliche Intoleranz? Indem man Lichtsignale mit Ampel­pärchen ausstattet, notabene in den Varianten Frau/Frau, Mann/Mann und Frau/Mann. Diese in Wien 2015 anlässlich des Eurovision Song Contest eingeführte Verkehrsaufhübschung ist (ausser bei den populistischen Dummbeuteln) heute derart populär, dass man in Mariahilf unlängst sogar den ersten Ampelpärchen-Shop eröffnete.

2. Derweil man sich bei uns vor dem Konsumgott so devot in den Staub wirft, dass jede Unterführung und Schaufensterzone mit Shops und Shops in the Shops gefüllt wird, gönnt sich Wien auch Passagen, die ganz umsonst zum Denken und Nachdenken anregen – mit Scheiben, auf den Sachen stehen wie «Zeitraum bis zur Wiederbewohnbarkeit Tschernobyls (in Tagen)» oder «Verzehrte Schnitzel in Wien seit 1.  Jänner», und den entsprechenden LED-Ziffern, die sich laufend anpassen.

3. In Zürich wünschen sich die Fans vom FCZ und von GC gegenseitig sehnlichst den ultimativen Untergang, in Wien jedoch drehen sie vor den Glotzen beinahe durch vor Freude, wenn der Konzernclub Red Bull Salzburg in einem dramatischen Match Lazio Rom aus dem Europacup wirft.

2 Kommentare zu «Es sind die Details! (2)»

  • Roberto De Tommasi sagt:

    Grande Herr Wyss!
    Wie immer!
    Ich schlage vor, dass Sie in Baelde auch Napoli und vor allem auch Marseille besuchen. Denn auch dort gibt es sehr feine und wirklich schöne Unterschiede, die ich jüngst erlebt habe und Sie vermutlich aber kennen.
    Bei Bedarf stehe ich fuer ein „Briefing“ gerne zur Verfuegung.

    • Thomas Wyss sagt:

      Auf das charmante Angebot Ihres „Briefings“ komme ich bestimmt gerne mal zurück, Herr De Tommasi, beide Städte interessieren mich sehr, mässi villmal.

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