Es sind die Details! (1)

Im heutigen Beitrag dieser städtischen Gebrauchsanleitung geht es um Ampeln und Konsum, um Tradition und Verschwendung, vor allem aber geht es um Lebensqualität.

Ja, die Wiener Donauinsel ist toll, vor allem bei schönem Wetter … aber gegen den Sommer am Zürichsee und an der Limmat ist das nix, das müssten doch die Leute der Mercer-Studie einfach begreifen. (Foto: Keystone)

Ich war in Wien. Und zwar mehrheitlich für Sie, werte Leserinnen und Leser. In Details, sprich Facts & Figures: 50,3 Prozent Arbeit, 49,7 Prozent Freizeit, 0 Franken Spesen; berufliche Trips von Lokalressortmitarbeitern, die über die Innerschweiz oder eine normale Portion CBD-Hanf hinausgehen, seien angeblich sonderbewilligungspflichtig, hab ich gehört, und für solchen Schreibkram hab ich neben all dem andern Schreibkram schlicht keine Zeit …

Nur damit niemand meint, wir würden hier das Geld zum Fenster rauswerfen, das machen wir nicht, ehrlich – ich erachte es nämlich als städtischer Gebrauchsanleiter, der demnächst a. D. sein wird, als meine heilige Pflicht, bis zum Ruhestand noch möglichst Fälle zu klären, Fragen zu beantworten, Probleme zu lösen.

Und eines, das mich so sehr plagt, dass ich seit längerem nur noch oblatendünnen Schlaf finde und stante pede hellwach bin, wenn am Uetliberg drüben (und er ist von meiner Wohnung aus gemessen viele, viele Hundert Meter weit «drüben») ein morscher Baum mitten in der Nacht das Zeitliche segnet, ist das Thema «Mercer-Studie», also dieser Lebensqualitäts-Check in Grossstädten, in der uns Wien nun zum neunten Mal in Serie geschlagen hat! Dabei haben die nicht mal einen See! Und die Manifesta hatten sie auch noch nie! Oldtimer-Vespas und -Lambrettas, Secondhand-Design-Läden? Gibt es bei uns wie Sand am Meer (okay, sehr grober Sand), dort drüben indes entdeckt man beides ähnlich selten wie Kiwi-Vögel in freier Wildbahn. Und fraglos bereitet jede zweite Wiener Traditionsbeiz das «beste Wiener Schnitzel» zu – aber was, wenn man, wie bei uns easy möglich, mal afghanisch, sri-lankisch, peruanisch oder modern bayerisch essen will? Tja.

All dies unterstreicht, was man eigentlich längst weiss: Dieser «Mercer Quality of Living Survey», so der offizielle Name, erfüllt allerhöchstens populärwissenschaftliche Kriterien; bei nachhaltig seriöser Abklärung sähen die Top 10 womöglich ein wenig anders aus. Aber das ist egal – wie es auch egal ist, dass der Sommerhit «Ketchup Song» eine akustische UND intellektuelle Beleidigung ist, oder dass man jedes Gericht von Bestsellerautor Jamie Oliver nachkochen kann und danach trotzdem nicht weiss, wie feines Essen schmeckt. Solange sich der Massenmensch arglos an Hitparaden orientiert, sind Hitparaden nun mal der heisse Scheiss (das war früher, als ich noch jünger war, Slang für «relevante Sache»; nicht dass es da jetzt zu fundamentalen Missverständnissen kommt).

Seis drum, jedenfalls: Ich war also in Wien. Um dort mit fachmännischem Blick zu prüfen, ob sich der löchrigen Studie zum Trotz womöglich doch Indizien finden lassen, die Wiens unangefochtenen Spitzenplatz in diesem «Mercer Quality of Living Survey» erklären könnten. Und ich darf beruhigt verkünden: Ich hab einiges gefunden! Notabene, wen überraschts, im Bereich der Details! Mehr dazu nächsten Samstag, gleicher Ort, gleiche Zeit.

3 Kommentare zu «Es sind die Details! (1)»

  • Anton Schneider sagt:

    Ja, Zürich den See, aus dem er/sie Wasser schlucken (trinken) kann, ohne zu erkranken. Das ist es denn aber mit dem See als Erholungsraum. Jeder öffentlich zugängliche Bereich ist an „schönen“ Tagen sehr gefragt. Frei sein für Zürich heisst: Jeder nutzt die Plätze wie es gefällt: Lärm, Musik, Saufgelage, Abfallberge auf Wiesen und bei überfüllten Eimern, alle 20m ein rauchender Grill und zerstörter Rasen. Keine Chance für Ruhe Suchende. Um den See endloser Indiviudal-Verkehr und es donnern im 1/4 Stunden-Takt die Züge. Für das Auge bleibt nurmehr der Blick für interessante Mitmenschen, denn die ganze Landschaft ist mittlerweile von „moderner, lichtdurchfluteter“ Architektur für immer zugebaut. Jammern auf hohem Niveau? Wer aber ein lauschiges Plätzchen kennt… für sich behalten.

  • marsel sagt:

    Machen Sie mal richtig FERIEN in Wien, dann sehen Sie, warum die Stadt Nummer 1 ist! Ja, Wien kann man nicht nur besuchen, man kann da locker 2 Wochen Ferien machen, Strandferien sogar, mitten in der Stadt. Gegen die alte Donau zum Beispiel ist der Zürichsee ein (vom Verkehr umtobter) Dreck. Kein Mensch würde in Zürich zwei Wochen Ferien machen, und die auch noch durchgehend in der Stadt verbringen. Und wenn dann auch noch grad das Musikfilmfestival läuft…
    Aber nichts gegen Zürich, ich komme da auch ganz gerne hin. Für ein paar Stunden.

  • Rolf Hefti sagt:

    Was Züri leider &dringend fehlt, ist das ständige und dauerhafte Zulassen der „grosszügigen, lebensfrohen Gelassenheit“ von gewöhnlichen Weltstädten. In Basel kann man das neuerdings, sogar für die Schweiz als möglich, erahnen : Schon Bald stehen dort Wolkenkratzer, mit immerhin 200 Meter Höhe. Man liess auch, als der gestreng regierende Basler – SPler, das gigantische Fussballstadion, sehr gelassen zu ! Was ist aber der Normalfall für unser arme Züri? Man nehme als Paradebeispiel den Migro an der Löwenstrasse ! Früher war dort ein ansatzweise grossstädisch anmutender Innenhof vorhanden, welcher vor kurzem, dem gnadenlosen „Schnöden Zürcher Renditedenken“ geopfert wurde ! Das Ergebnis für mich ist :Dort ist keine „Landmarke“ mehr vorhanden, warum einen Umweg durch diese Ödnis marschieren ?

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