Datingtipps für Zürcher Männer

In Zürich gelten zum Glück nicht diese unsäglichen Datingregeln, die in den USA zu einem dogmatischen Ritual verkommen sind. Hier ein paar Basic-Tipps, die Männern helfen.
Wir leben weder in den 50ern noch in den USA.

Wir leben weder in den 50ern noch in den USA.

Meine Kollegin Wäis hat diese Woche einige Datingtipps – hauptsächlich für Männer – zusammengestellt. Dafür habe sie sich international schlau gemacht. Leider führten sie ihre Recherchen offenbar nicht nach Zürich, da man hier als Mann mit ihren Tipps wohl alleine und einsam sterben würde. Ich hab mich deshalb erbarmt und hier eine kleine Liste mit Tipps für das lokale Daten zusammengestellt.

  1. Jedes private Treffen, das unter vier Augen und mit einer Grundstimmung der gegenseitigen Anziehung stattfindet, ist ein Date. Wir haben hier keine US-amerikanische Datingkultur. Wir sind easy.
  2. Sowohl Mann wie auch Frau können so ein Treffen vorschlagen. Wir sind nicht mehr in den 50ern.
  3. Dates sind keine Machtspiele. Es geht nicht darum, sich keine Blösse zu geben. Im Gegenteil: es geht darum sich zu öffnen und sich ehrlich und auch verletzlich zu zeigen.
  4. Ein Date kann überall stattfinden. In der Öffentlichkeit, bei ihm, bei ihr, an jedem Ort. Die Örtlichkeit bedeutet weder eine Einladung noch eine Vepflichtung. Der Ort wird nach dem Wohlfühlfaktor des Gegenübers gewählt. So findet man gemeinsam einen Ort, der stimmt. Man fragt das Gegenüber, wo man sich treffen könnte und hat selbst einige Vorschläge bereit.
  5. Dates können zu jeder Tages– und Nachtzeit stattfinden. Je interessierter man ist, um so früher am Tag trifft man sich. Ein Date zum Brunch signalisiert: Ich mag dich, ich könnte den ganzen Tag mit dir verbringen. Und ich will sicher nicht versuchen, dich nach drei Drinks ins Bett zu bringen. Du hast alle Zeit der Welt.
  6. Man drängt eine Frau nicht mit anerkennendem Blick auf die Figur und einem «Aber du kannst es dir doch leisten» zum Essen. Wenn sie nur was trinken oder einen Salat will, ist das ihre Sache.
  7. Sie bestimmt, was sie trinken will. Keine grosskotzigen Weinempfehlungen. Wenn sie fragt, und du eine Ahnung hast, kannst du was empfehlen. Wenn du keine Ahnung hast, nicht.
  8. Man teilt die Rechnung. Wenn das Lohngefälle gross ist, darf der/die Mehrverdienende die Getränke übernehmen. Niemand fühlt sich gerne durch eine beglichene Dinnerrechnung zu irgendwas verpflichtet.
  9. Männer sprechen mit Worten und nicht mit den Händen. Angrabschen ist nicht. Man kann vielleicht nach der Hand fassen oder eine (imaginäre) Strähne aus dem Gesicht wischen. Thats it.
  10. Will man intimeren Körperkontakt, fragt man. «Jetzt würde ich dich gerne küssen/in den Arm nehmen/whatever». Sie hat so die Möglichkeit, «NEIN» zu sagen. So vermeidet man gröbere Missverständnisse im Lesen der Situation.
  11. Ein Nein ist ein Nein ist ein Nein ist ein Nein. Keine Diskussion, kein Zwängeln, kein Ignorieren.
  12. Wir brechen den Abend nach einem NEIN nicht ab, ausser wir sind notgeile, stillose Möchtegern-Casanovas.
  13. Wir bieten NIEMALS an, sie mit dem Taxi nach Hause zu begleiten. Wir begleiten sie zu ihrem Velo, und, falls sie nicht gleich aufsteigt und abhaut, gehen wir den ganzen Weg bis zu ihr neben ihr her und plaudern. Erst wenn sie sicher durch die Haustür ist, ist das Date beendet. Ausser eben, wenn sie sofort losbraust.
  14. Wir fordern oder drängen nicht auf einen Abschiedskuss. Falls irgendwas Körperliches passieren soll, geht die Einladung von ihr aus.
  15. Wir melden uns zehn oder fünfzehn Minuten nach dem Date über Messenger und bedanken uns für den schönen Abend.

Wenn du dich als Zürcher Mann an diese Regeln hälst, wirst du vielleicht nicht gleich beim nächsten Date zu sexuellen Aktivitäten kommen. Aber vielleicht beim Übernächsten. Und das, ohne dass du dich zum Idioten gemacht oder alle Selbstachtung verloren hast.