«Jung, dumm, ungef****»

Die beiden antisemitischen und sexistischen Clowns Farid Bang und Kollegah sind nicht das Problem. Ihre Fans sind es. Auch in Zürich. Ein Diss.
Ein süsses Pärchen: Farid Bang und Kollegah.

Ein süsses Pärchen: Farid Bang und Kollegah.

Dieser Text lehnt sich in Wortwahl und Aggression an der Kultur des Battlerap an und ist deshalb für Kinder unter acht Jahren ungeeignet.

«Chumm, mir gönd ufd Chinawiese, det hätts die geilere F****», meint am Bellevue ein 15-jähriger Teenager zu seinen Homies. Eine junge Frau verzieht über die Aussage das Gesicht, als sei sie barfuss in einen Hundehaufen getreten. Sie geht schon lange nicht mehr an Hiphop-Anlässe. Aus dem Handy des jungen Sprechers bechert blechern Farid Bang & Kollegah mit ihrem Track «0815».

Die beiden rappenden, deutschen Hohlköpfe Farid Bang und Kollegah haben gerade den deutschen Musikpreis «Echo» bekommen und damit eine Debatte über ihre antisemitischen (Liedzeile: «Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen»), sexistischen (Liedzeile: « … und ich ficke deine schwangere Frau. Danach fick‘ ich deine Ma, die Flüchtlingsschlampe») und homophoben (Liedzeile spar ich mir) Texte ausgelöst.

Dabei sind die beiden kurzschwänzigen, hirnamputierten Mittelstandsbubis nicht das Problem. Sie posen ihre provokative, erbärmliche Attitüde nur, um trotz ihres Mainstream-Konserven-Flows und ihrem ungelenken Diss im Gespräch zu bleiben.

Eigentlich brünzeln sie regelmässig Kaufhauspop für Pubertäre, sorgfältig mit allem gespickt, was irgendwen aufregen könnte. Nicht mal ihr rebellisches Statement, sie seien imfall «Muslime», ist ernst zu nehmen: Sowohl gemässigte wie auch salafistische Imame würden ihnen für ihr Auftreten so hart in den Hintern treten, dass die Zehen am Halszäpfchen kitzeln.

Aber ich verstehs schon. Für 30-jährige, zwangspubertäre Berufsjugendliche ist es wirklich hart zu rebellieren, wenn man bedenkt, dass meine Generation in Sachen Drogen, Gewalt und Exzess eigentlich schon alles besser, grösser und geiler abgefeiert hat. Da bleibt nur noch, mit Nazis oder Salafisten zu sympathisieren – was eigentlich das Gleiche ist.

Das wahre Problem ist, dass der «Echo» für die meistverkauften Einheiten vergeben wird. Das heisst, die Zielgruppe der 12 bis 16-jährigen pubertären Jungs (und die älteren, aber in ihrer Entwicklung zurückgebliebenen) kaufen den Müll wirklich und singen mit finsterer Miene und aufgesetzter Gangsta-Attitüde die strunzdummen Lyrics mit. Und hier haben wir das wahre Dilemma.

Wenn diese Bubis, die meist eben nicht «Jung, brutal, gutaussehend» (Albumtitel), sondern eher «Jung, dumm, ungef****» sind, sich mit solcher sexistischer, antisemitischer und gewaltverherrlichender Sch**** identifizieren, handeln sie auch danach. Vielleicht nicht so explizit, aber tendenziell.

Und da müsste man einhaken. Was macht man mit einer Generation, deren Eltern und Grosseltern alles schon viel krasser auslebten? Nun ja, man kann es über-30-jährigen Jurastudenten mit gekünstelter Badboy-Attitüde überlassen, ihnen für eine aufgesetzte Retortenrebellion das Taschengeld abzuknöpfen. Oder aber man gibt diesen Jugendlichen die Möglichkeit und Anreiz, sich was eigenes zu schaffen. Dann würde Jugend Kultur machen. Dann müssten sie nicht diese Billigst-Provokation aus den Charts kaufen.

Natürlich kann man mir vorwerfen, ich würde als alter Sack Jugendkultur und Battle-Rap nicht verstehen. Ja, sorry. Es geht nicht um Jugendkultur. Die beiden Typen sind vielleicht geistig noch Kinder, aber «Jugendliche» sind sie nicht. Und Battle-Rap sollte sich (soweit ich das verstehe) durch guten Flow und eleganten Diss auszeichnen. Nicht durch aufgesetzte Provokation.

Was die beiden Laferis machen, ist aber eigentlich nur eins: Sie rufen wie Dreijährige «Kacka» am Erwachsenentisch und lassen sich von den frustriertesten und dümmsten jungen Buben dafür feiern.

Und mit durch den ganzen Skandal verkaufen sie ihren Mainstream-Popmüll gleich nochmals so gut.

Sex, Drogen und Gewalt waren schon immer ein Teil der Popkultur. Ab und zu sind die Themen sogar intelligent umgesetzt.

9 Kommentare zu ««Jung, dumm, ungef****»»

  • Réda El Arbi sagt:

    Ich schliesse hier die Kommentare, ich musste zu viel wirklich übles Zeugs löschen.

    Alle, die sich gerne über Kunst und deren „Freiheit“ auslassen wollen, dürfen das. Sie sollten aber vielleicht erst schnell dies hier schauen:

    https://www.youtube.com/watch?v=tckFSHh35FA

    Schönen Abend.
    Der Autor

  • Armin sagt:

    Obwohl Sie sehr beleidigend waren, werde ich jetzt Ihnen konstruktiv etwas rückmelden:
    Diese Meinung ist sehr weit verbreitet und zwar unter den Ausenstehenden, der Unterschied zwischen Pop und Rap ist folgender: Rap ist eine Insidersprache (Slang), welche schwer zu verstehen ist, wenn man eben die Witze dahinter nicht kennt. Pop drückt hingegen viel mehr Gefühle aus.
    Wenn Sie nicht wissen wer Kollegah und Farid Bang sind, was sie vor dem Album angekündigt haben und was ihr Motto ist…naja dann wird es schwierig die Situation zu verstehen.
    Ich empfehle Ihnen das neue Video von MrWissen2go über Battlerap und das JBG 3 Interview bei rap.de.

    • Réda El Arbi sagt:

      Ja, der Code ist mir völlig egal. Wenn er Holocaust-Opfer als Figurvergleich bringt und Frauen in die Fresse schalgen lassen, ist der Slang kaputte Kacksch****.

      Dass die beiden wiederholt antisemitischen Brunz rauslassen, ist dokumentiert. Da reicht mir ein „aber sie meinen das ganz anders“ nicht.

      Und die „Situation“ messe ich an den Aussagen und deren Bedeutung, nicht an deren Slang.

  • Jürg sagt:

    Es wird nie einen objektiven Bericht über diese Künstler geben, diese Künstler stumpf zu beleidigen hilft der Sache dabei nicht. Diese Berichte sind alles nur Hochziehen an berühmten Persönlichkeiten, ein Monolog in einer Diskussion. Schade, dass man vielen Journalisten nicht mehr trauen kann, da ihre Arbeit nicht mehr aus Recherchen besteht, sondern aus dem, was beliebt ist und Erfolg bringt. Nun ja, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen fordert anscheinend Kopfarbeit, welche viele nicht leisten können. Kollegah zum Beispiel ist sehr bekannt dafür, dass seine Texte und Rhymes höchstes Niveau erreichen, sehr schlechte Arbeit!

    • Réda El Arbi sagt:

      Sein Texte sind unter aller Sau. Und sein Flow ist holprig wie ne Schoterpiste. Und ich schreibe nicht über Musik, ich bin kein Kritiker.

      Ich schreibe über menschliche Abgründe, wie wenn man seine Figur mit AUsschwitzopfern vergleicht. Dafür gibts keine Entschuldigung. Und jeder, ders versucht, macht dabei seine Seele dreckig.

    • Réda El Arbi sagt:

      Ich bin übrigens der Meinung, dass jeder, der das „Kunst“ nennt, sich zwanzig Stunden Ausschwitz-Filmmaterial der Befreiungstruppen ansehen sollte.

  • Fabian sagt:

    Kolle & Farid sind die besten❤

    • Réda El Arbi sagt:

      Danke für den hübschen, ausführlichen und sorgfältig formulierten Kommentar! Er belegt meinen Blogpost aussergewöhnlich gut!

    • Achermannn Guido sagt:

      Bravo Fabian. Du hast alles begriffen! Absolut das Beste was Du posten konntest. Wirklich aufschlussreich.

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