Dieses Restaurant überfordert

Irgendwie wimmelt im Widder Bar & Kitchen alles. Und doch: Wir kommen wieder. Nur schon, um ein Geheimnis zu lüften.

Doch doch, diese Kritzel-Wand ist tatsächlich im Widder. (Bild: Doris Fanconi)

An diesem Montag ist in Zürich das 20. Restaurant eröffnet worden, das Tilla Theus gestaltet hat. Das Ornellaia an der St. Annagasse. An diesem Montag essen wir an dem Ort, der in meinem Kopf für das Werk der bekannten Architektin steht: Widder = Theus = Widder. Der Umgang mit dem Alten, das Überführen ins Jetzt, gilt als eine der Qualitäten Theus’. Ihr ist es sogar gelungen, im Clipper ein Fastfood-Restaurant unterzubringen, ohne dass dem Clipper sein Charakter abhandengekommen wäre.

Der Widder am Rennweg ist ein Ensemble denkmalgeschützter Gebäude, in die ein Fünfsternhotel gebaut wurde. Es versucht, trotz historischer Bausubstanz nicht verstaubt zu wirken. Und so begegnet man in diesem Labyrinth altem Gemäuer ebenso wie Glas und Chromstahl. Wir wollen in die Widder Bar & Kitchen, die gerade eine Auffrischung erhalten hat.

Als Non-Habitués überfordert uns der Widder. Wir stehen vor einer langen offenen Küche, daneben steht ein kleiner Schalter, und wir wissen nicht, an wen wir uns wenden sollen. Von allen Seiten strömen Kellner mit psychedelisch gemusterten Hemden auf uns zu. Wir werden schliesslich an unseren Tisch geführt, setzen uns auf eine weich gepolsterte Bank, kommen aber dennoch nicht zur Ruhe.

Das Restaurant selber überfordert uns auch. Irgendwie wimmelt hier alles. Da ist viel Verschiedenes in einem historischen Raum, da ist nervöse Musik, da ist trotz wenig Gästen eine Hektik. Das geht bei der hyperventilierenden Menükarte in Rot weiter. Darauf gibt es zum Beispiel eine «Gentrified Currywurst», die Menüpunkte «Wine not?» und «Say cheese!».

Auffällig: Die lange offene Küche. (Bild: Urs Jaudas)

Wir entscheiden uns für die Business Luncheons, davon gibt es drei Kategorien: Business Attire, Business Casual und Smart Casual. Entscheidungshilfe bietet klein gedruckt die Zeit, die der Gast hier je nach Wahl verbringen kann, bis er wieder im Büro sein muss: 30, 45 oder 60 Minuten. Wir haben 30 und 45 Minuten Zeit, essen einen Zwei- und einen Dreigänger zum Preis von 35 respektive 55 Franken. Das ist fair: Das Essen ist sehr fein, wird in angenehm kleinen Portionen serviert, Mineralwasser und Espresso erscheinen auf der Rechnung nicht separat.

In der vegetarischen Variante (Attire) gibt es Rucola mit Datteltomaten und Parmesan sowie ein Risotto mit gebratenem Gemüse und Fetakäse. Der Dreigänger (Business Casual) ist heute asiatisch: Sashimi vom schottischen Lachs in japanischem Reisessig; Dim Sum mit Nordsee-Crevetten, in einem Tomaten-Sojafond; Curry mit Rind mit Erdnüssen und Reis.

Wir kommen wieder. Nehmen uns nochmals 45 Minuten Zeit und schauen, ob wir auch ein zweites Mal überfordert sein werden. Und wir lüften dann noch dieses Geheimnis: Weshalb ist das Wasser in diesen Metallbechern immer so eiskalt?

Widder Bar & Kitchen
Rennweg 7
8001 Zürich
So bis Mi, 11.30 bis 1 Uhr, Do bis Sa, 11.30 bis 2 Uhr
Website

2 Kommentare zu «Dieses Restaurant überfordert»

  • urs sagt:

    Erinnert mich irgendwie an die Globus Essbar am Bellevue. Pseudo chick, abgehoben und snobistisch. So what – lieber ein normales Lokal ohne den stetigen Hype etwas ganz Besonderes zu sein. Meistens stellt sich nach einem Besuch heraus, dass man von der Restaurant Dekoration nicht gegessen hat. Und das auf dem Teller kann des öftern auch nicht zufrieden stellen.
    Aber solange genug Geld zum verpulvern vorhanden ist, kann man getrost alle gefühlten 5 Jahre umbauen. Mit etwas Glück wirds nach dem 10 Umbau ein Volltreffer.

  • Claude Fontana sagt:

    Another Americanobar? Trumptastic.

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