Der beste Thai ist nicht gut genug

Das Restaurant Jao Praya in Oerlikon gilt für viele als das beste thailändische Lokal in Zürich. Ein Besuch hinterlässt allerdings einen zwiespältigen Eindruck

Der Papaya-Salat mit den fermentierten Krebsen hat überzeugt. Bild: Thomas Zemp

Die Frage kommt immer wieder, und sie ist ja auch verständlich: Welches ist der beste und authentischste Thai in Zürich? Doch die Frage ist zweifach falsch. Zum einen: Wenn selbst in Bangkok die gleichen Gerichte auf unterschiedlichste Art serviert werden, was ist dann authentisch? Zum anderen ist nicht die Frage nach dem besten thailändischen Restaurant interessant, sondern ob es überhaupt ein wirklich gutes gibt.

Das versuchen wir beim Besuch des Oerliker Lokals Jao Praya zu beantworten, das der Blog «Züri isst» von «Gault Millau» als das «beste» Thai-Restaurant der Stadt bezeichnet. Als wir unsere Bestellung aufgeben, konfrontiert uns die Bedienung mit durchaus berechtigten Fragen. Den Som Tam (23 Fr.), also den Papayasalat, wünschen wir scharf und mit den kleinen, fermentierten Krebsen. Ob wir uns bewusst seien, was wir da bestellten, wollte sie wissen, denn genau diese Order mache den Weg oft ungegessen zurück in die Küche. Ja, wir kennen die Viecher, deren Geruch viele Westler zum Würgen bringt. Die Krebse im Jao Praya sind recht milde gestimmt, geben dem Salat aber doch einen vollmundigen Geschmack. Ohne Zweifel: Einen solchen Som Tam erhält man in Zürich selten, er ist grossartig.

Durchschnittlich bis gut finden wir zwei weitere Gänge. Beide sind ebenfalls nicht oft auf Karten von hiesigen Thai-Lokalen: Krebse in gelber Curry-Sauce (30 Fr.) und fermentierte Schweinswürstchen aus dem Isaan-Gebiet (25 Fr.). Auch hier serviert die Küche zwei eher milde Varianten: Das Curry ist würzig und nur wenig scharf. Die Würstchen, die das Jao Praya nicht selber herstellt, aber aus Schweizer Produktion bezieht, halten sich in der Säure sehr zurück – wohl wiederum ein Eingeständnis an westliche Gaumen, dem der Geschmack von so fermentiertem Fleisch völlig fremd ist. Wer die Sai Korg E-Sarn auf der Strasse in Bangkok oder in der Ursprungsregion im Nordosten Thailands kauft, muss sich auf etwas ganz anderes gefasst machen.

Den frittierten Fisch mit Knoblauch (29 Fr.) können wir leider nur als misslungen bezeichnen: Der Fisch ist durch und durch trocken und hart – er ist im Frittieröl leider einen zweiten Tod gestorben.

Das Fazit des Abends ist durchzogen. Für uns heisst das: Es ist besser, sich daheim selber in die Küche zu stellen und den Rezepten von guten Kochbüchern zu folgen. In den vergangenen Monaten sind ein paar empfehlenswerte und schöne Exemplare erschienen, zum Beispiel «Night + Market» von Kris Yenbamroong, «Hawker Fare» von James Syhabout oder «Bangkok» von Leela Punyaratabandhu (alle nur in Englisch erhältlich). Gute Zutaten zum Kochen findet man im Sala Thai an der Zwinglistrasse in Zürich. Thomas Zemp

Jao Praya
Tramstrasse 19
8050 Zürich
Tel. 043 540 28 08
Fr 11–2 Uhr, Sa 12– 2 Uhr, So 12–22 Uhr, Mo–Do 11–22 Uhr
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