Brot und Spiele

Wer den ZSC im Fernseher ansehen möchte, muss zahlen. Da hilft nur eins: Boykott.

Sie brauchen kein Pay-TV: Fans im Hallenstadion begrüssen die Spieler der ZSC Lions vor einem Playoff-Halbfinalspiel gegen Bern. (Foto: Keystone/Melanie Duchene)

Ostern fiel dieses Jahr zusammen mit den Playoffs im Eishockey. Das Fernsehen SRF überträgt jeweils ein Spiel der Halbfinals, wir hatten ausgerechnet, dass am Ostersamstag der ZSC wieder an die Reihe kommen würde. Tagsüber war es garstig, und wir freuten uns auf den Match; am nächsten Morgen gab es keine Schule, keine Sitzungen, nur Ausschlafen und Eiersuchen. Doch das Fernsehen übertrug aus unerfindlichen Gründen Biel gegen Lugano, uns interessiert nur der ZSC. «Dann schauen wir halt einen Film», meinten die Kinder.

«Nein, wir streamen», sagte ich trotzig. Ich mag es nicht, das Gefühl des Verlierers, wenn man ohne Ticket vor dem ausverkauften Stadion steht und das Raunen des Publikums hört. So ging ich ins Internet, und tatsächlich, eine britische Firma für Sportwetten und der Bezahlsender Mysports hatten das Spiel im Programm. Die englische Gamblerbude schien mir zu riskant, Mysports kann ich nicht empfangen, weil ich Kunde von Swisscom bin.

Mysports gehört der Firma UPC, die beiden Anbieter liefern sich einen gnadenlosen Konkurrenzkampf auf dem Rücken von uns Konsumenten. UPC trumpft mit den Rechten für Schweizer Eishockey, daher fällt fürs Billag-Fernsehen nur ein Match an einem Playoff-Abend ab. Wer mehr Spiele will, muss ein UPC-Abo lösen. So viel zum Service public.

Dabei: Was gibt es Schweizerischeres als Eishockey? Arosa, Ajoie, Ambri Piotta, Friedrich ufs Iis, isch Örlike im Huus? Das alles gehört jetzt einer englischen Firma. Und es wird noch schlimmer kommen. Amazon, Facebook, Twitter wetzen die Messer, habe ich gelesen. Die kaufen auf der halben Welt Übertragungsrechte für Sport, weil sie an unsere Daten wollen.

Das gibts nicht, dachte ich, beugte mich über den Computer. Irgendwo müssen die Eishockey-Piraten sein. Bern gegen den ZSC, den ewigen Klassiker, muss man doch herunter­laden können. Gratis! Vielleicht bin ich zu blöd und habe die Piraten nicht entdeckt. Vielleicht ist das Interesse zu klein, weil die Fans alle ihre Abos gekauft haben, um Eishockey zu sehen. So ein kleines Abo wie für Spotify, für Netflix und die «Republik».

Ich starrte auf den leeren Bildschirm. Es ist immer dasselbe, dachte ich, früher waren es die Konzertver­anstalter, Good News und die anderen, die Vermarkter, die Verpacker, sie bestimmten die Regeln. Manchmal haben wir protestiert, indem wir die Konzerte stürmten, an den Kassen vorbei in den Saal drängten, während am Eingang die Rausschmeisser auf uns eindroschen. Es war ein Protest gegen den Kommerz und das grosse Geld, gegen die Eintütung der Welt. Unsere Aktionen trafen manchmal die Falschen, kleine Konzertveranstalter – aber das ist eine andere Geschichte.

«Brot und Spiele», sagte ich gedankenverloren mit österlichem Pathos. Die Kinder blickten mich ratlos an. Dann schoben wir eine DVD rein und schauten alle «Lola rennt». Was für ein cooler Film! Es geht auch ohne Mysports. Es muss.