Wie man die Krawatte liest

Im heutigen Beitrag dieser städtischen Gebrauchsanleitung geht es um einen Bärenkopf und eine Hellebarde, um ein Jobprofil und Volkes Zorn – vor allem aber geht es um Kadermitglieder.

Die Krawatte, die sich hier SVP-Nationalrat Alfred Heer am 18. Juni 2013 während einer Debatte in Bern zu binden versucht, hat mit ihren weissen Quadraten auf blauen Grund einen Code, der praktisch unlesbar ist. Das ist aber nicht weiter schlimm, da Heer ja als Politiker und nicht als Kadermitglied im Rat sitzt. Foto: Keystone

«Zwischen eisernen Panzermodellen und Soldatenhelmen prangt ein ausgestopfter Bärenkopf an der Wand, der eine Polizeimütze trägt und dem eine Polizeimarke zwischen den Zähnen steckt»: So sah es (gemäss der WOZ) im Januar 2016 im Büro eines Mannes aus, der für die Zürcher Staatsanwaltschaft arbeitet, in dieser Funktion aber gern politisch Stimmung macht – was unseres Wissens weder im Kern noch an den ausufernden Rändern zu seinem Jobprofil gehört.

Zuletzt verspürte der Mann dieses Verlangen am Donnerstag, als er die Stadtpolizei anwies, ein Video zu veröffentlichen, auf dem als «Vorspiel» des Zürcher Cuphalbfinals vermummte FCZler auf vermummte GCler einprügeln und -treten; die wüsten Bilder vom Prime-Tower-Areal zeugen von kranker Gewalt. Da aber alle Beteiligten etwa dieselbe «Uniform» tragen – Kapuzenpulli, Jeans, Sneakers – sind die Aufnahmen für die Täterfahndung nutzlos. Was diesem Staatsanwalt aber piepegal ist. Er will des Volkes Zorn spüren, verbalen Radau hören oder wie es im offiziellen Weichspülsprech heisst: Er hofft, dass «die Diskussion um Fangewalt entfacht wird». Tatsächlich ist die bereits vor ganz langer Zeit entfacht worden, doch ein bisschen frisches Öl kann diesem Feuerchen kaum schaden, gerade im Hinblick auf die anstehende Stadionabstimmung.

Ein Befund, der natürlich die Frage aufwerfen könnte, ob besagter Jurist – er heisst übrigens Edwin Lüscher, und wir haben gerüchteweise gehört, dass in seinem Büro inzwischen noch eine Zinnsoldatenarmee einmarschiert sei und beim Schirmständer neuerdings eine stolze Hellebarde stehe, mit der er einen ledernen Fussball aufgespiesst habe (angeblich eine Art Symbol für seinen Kampf), doch eben, alles unbewiesenes Gemunkel – in seiner Funktion als «Leiter Krawallgruppe» eigentlich schalten, walten und zeuseln dürfe, wie er wolle. Da jedoch weder ein «Aberschosicher!» noch ein «Hmm, glaub nöd, aber bliibet Sie draa, ich tuen schnäll naafrööge» wirklich weiterhelfen würden, lassen wir das.

Stattdessen gibts eine Information, die wir aus zuverlässigster Quelle (vom RAV!) haben, und die im Gebrauchsanleitungssinn echt nützlich sein kann. Es geht nämlich um das in Zürich Ende 2017 in Kraft getretene, ungeschriebene und branchenunabhängige Gesetz, dass alle Kadermitarbeiter auf der sogenannten «Bändelstufe» ihren aktuellen beruflichen Status offenlegen müssen – anhand der Krawatte! Zeigen deren Streifen von links unten nach rechts oben, sitzt die Person fest im Sessel; ist in der Seide ein Schimmern auszumachen, steht wohl eine Beförderung an. Ein monochromer Schlips – ob knallbunt oder trist, ist einerlei – bedeutet «weiss nichts Konkretes». Verläuft die Streifung der Halsbinde allerdings von links oben nach rechts unten, wird der Träger demnächst seinen Abschiedsapéro organisieren.

PS: Angeblich sind Herrn Lüschers Krawatten derzeit noch von links unten nach rechts oben gestreift . . . aber auch hier gilt: bloss unbestätigtes Gerede.

4 Kommentare zu «Wie man die Krawatte liest»

  • Asta Amman sagt:

    Guter Artikel, getoppt nur durch das Bild von Alfred Heer. Diese Dynamik, diese wilde Entschlossenheit – das soll ein Linker erst mal nachmachen. Als Sujet für ein Wahlplakat? Unbezahlbar.

  • hanspeter heid sagt:

    So ein Müll habe ich schon lange nicht mehr gelesen….

  • André Kaufmann sagt:

    Dieser Artikel hat mich und sicher auch viele Zürcher Staatsangestellte der Bädelstufe sehr verunsichert. Gelten „rechts“ und „links“ hier aus der Sicht des Krawattenträgers oder aus der Sicht des Krawattenträgerbetrachters? – Ich bitte um Klärung, damit ich allenfalls den Champagner noch rechtzeitig bestellen kann.

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