Was kostet eigentlich ein Graffito? (3)

Im heutigen Beitrag dieser städtischen Gebrauchsanleitung geht es um donnerlose Blitze und ein Wrack, um Quadratmeterpreise und Indoor-Banksys – vor allem aber gehts um viel Geld.

Was aussieht wie ein eher monochromer, aber mit viel Schwung kreierter Graffito, ist in Tat und Wahrheit die mittels Schrubber vorgenommene Entfernung einer solchen Sprayerei von der Scheibe eines S-Bahn-Waggons. Foto: Keystone

Als Fernsehserien noch nicht so raffiniert gedacht und gemacht waren wie heute, konnte man oft folgendes Schema erkennen: In Teil 1 weckte der Regisseur Erwartungen, stimulierte Lüste, erzeugte Spannung. In Teil 2 schlug dann aus quasi­heiterem Himmel ein donnerloser Blitz in den Plot. Dieser fing Feuer, und selbst die wenigen noch brauchbaren Ideen loderten bald sterbend dahin wie ein aus fassungsloser Enttäuschung ins Cheminée geschmissenes Testament – worauf das Publikum (auf anständige Weise!) reklamierte. Um den Totalabsturz zu verhindern, strich der panisch gewordene Produzent die Teile 4 bis 10 ersatzlos raus und wies die Regie an, in Teil 3 alles Unbeantwortete zu beantworten und ein Ende zu basteln; ästhetische Kriterien und ähnlicher Quatsch seien nicht mehr wichtig.

Genau, die Parallelen zu dieser Graffito-Serie sind – die Tonart der Beschwerden einmal ausgenommen – wahrlich verblüffend. Darum wird jetzt zwangsläufig auch hier auf alles Manierierte verzichtet, es geht allein noch ums Klären offener Fragen (es sind, wie zu Beginn der Serie, drei) und somit darum, einigermassen heil aus diesem Wrack (des ja eigentlich interessanten Themas) herauszukommen.

1. Was kostet das Graffito den Künstler? Geht man von vier bis fünf Schichten pro Quadratmeter aus – dafür benötigt der geübte Sprayer je nach Dichte und Sprühkopf («Cap», «Nozzle») vier bis fünf Standarddosen (400 bis 500 ml) zum Preis von 7 bis 9 Franken, ausser er ist gut im «Bogarting», sprich dem geschickten Klauen –, kostet ein durchschnittlich grosses Gemälde von fünf Quadratmetern 130 bis 160 Franken.

Will ein Hauseigentümer seiner trist-grauen Fassade durch Graffiti-Kunst ein wenig Originalität verschaffen, berappt er neben den Materialkosten auch die Kreativität (Sujetentwurf) plus die Arbeitszeit – der Quadratmeterpreis kann dann schon mal gegen 200 Franken tendieren. Die Stadt bietet auf ihrer Homepage unter «Legal Sprayen» durch ein Vertragsdokument Hand zu solchen Deals, zudem gilt in der Szene, dass eine Auftragsarbeit in der Regel von der Konkurrenz nicht «gecrosst» wird (also unangetastet bleibt).

2. Was kostet das Graffito den Betrachter? Sofern er nicht grad in einem Kunstmuseum Indoorwerke von Street-Art-Ikone Banksy bestaunen geht (was derzeit im «Moco» in Amsterdam möglich ist), kostet es ihn nichts. Anders als in der Musikbranche und im Journalismus, wo die Etablierung einer Gratiskultur markant negative Folgen hatte, leidet die Qualität der Graffiti bis dato glücklicherweise nicht darunter.

3. Was kostet das Graffito den Immobilienbesitzer, der sich einfach nicht daran erfreuen mag (also die Schmiererei «asap!» weghaben will)? Die städtische Abteilung «Schöns Züri» offeriert die Abos «Gelb» (Graffiti überstreichen, 580 Fr./Jahr) oder «Grün» (Graffiti entfernen, 1070 Fr./Jahr); Vertrags­details findet man auf der Website.

Und noch die übliche Schlussfrage, wozu man diese Gebrauchsanleitung brauchen kann? Ist glaub geschenkt.

3 Kommentare zu «Was kostet eigentlich ein Graffito? (3)»

  • Peter Müller sagt:

    In Zürich mag das ja so sein, aber in Basel ist das Entfernen pubertären Unsinns weit günstiger zu kriegen.
    Da treibt sich zwar hundertfach ein „TRZ“ rum, der nicht mal diese Buchstaben elegant darstellen kann. Aber immerhin hat er sie neben drei frühe Banksy und nicht darauf gesetzt. Diese waren während einer sehr frühen ArtBasel aufgetaucht und sind kaum bekannt.

    • Thomas Wyss sagt:

      Banksy in Basel? Das ist wirklich interessant – und offensichtlich tatsächlich unbekannt, im Netz fand ich spontan nichts … und klar, die Säuberungskosten sind nicht überall gleich hoch, ich wollte in erster Linie aufzeigen, wie involviert die Stadt Zürich in Sachen Graffiti ist …

  • stiller Beobachter sagt:

    Lieber Thomy, nur ist dieser Städtische Service nur in der Innenstadt verfügbar. In den äusseren Stadtkreisen muss dies immer mit Direktaufträgen korrigiert werden. Du schreibst ein wenig allgemein über Graffitos. Was ist mit den pubertären Schmierereien welche meistens den Inhalt ‚K und eine Nummer‘ haben. Wo diese einzuordnen sind wissen wir Alle. Auch das diese einer pupertären ‚wer hat den grösseren‘ entspringen. So kann ich Dir sagen dass diese Korrekturen in einem 5-stelligen jährlichen Betrag zu suchen sind. Und ja diese müssen immer asap korrigiert werden. Manchmal verirren sich die Buben bei den gesprayten Zeichen, in früheren nicht sehr sympathischen Symbolen. Ja lieber Thomy leider entspringt das ‚K-Nummer‘ Zeichen von Zuschauern unseres Lieblingsklubs. gruess ernst

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