Eine Rose aus WC-Papier

Unsere erste legale, Englisch sprechende Putzfrau ist da. Sie heisst Christina.

Das Reinigen des Klos gehört zu den Pflichten der Putzfrau. (Foto: iStock/no_limit_pictures)

Ich darf berichten: Wir haben eine Putzfrau. Sie heisst Christina und kommt aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Sie ist unsere erste legale, Englisch sprechende Putzfrau. Christina ist verdammt teuer. 35 Franken pro Stunde. Dafür muss sie eklige Dinge tun, zum Beispiel das Klo putzen.

Ich habe noch nie im Leben das Klo geputzt. Ich wüsste gar nicht, wie das geht. Immerhin: Einmal habe ich meiner Frau zwei Klosteine geschenkt. Das ging so: Meine Schuhe stinken doch immer. Da habe ich in der Migros zwei Urinalsteine gekauft und sie in die Schuhe gelegt. Am nächsten Morgen rochen meine Treter herrlich nach Lavendel. Beide Klosteine warf ich hernach in die Toilette. Mit der Einstellung einer Putzfrau habe ich nun eine Angestellte. Das macht mich zu einem Chef. Ich bin für die Finanzen, meine Frau ist für das Human Resources zuständig. Sie ist ziemlich streng. Ich kann mich noch gut erinnern. Die erste Putzfrau kam aus Osteuropa. Meine schlimme Schwiegermutter war zu Besuch.

Die arme Putzfrau hatte gerade ihren ersten Probeputztag. Die böse Schwiegermutter und meine liebe Frau sassen im Wohnzimmer bei einer Tasse Tee und beobachteten kritisch die Putzfrau. Die Frau aus dem Osten hat es leider nicht ins Recall geschafft.

Dass wir nun so eine teure Putzfrau haben, erfüllt mich mit Stolz. Ich frage alle Bekannten: «Habt ihr auch eine Putzfrau? Wie viel bezahlt ihr in der Stunde?» Die meisten haben eine illegale Putzfrau und rücken nur 20 Franken heraus. Das finde ich schäbig. Schwarzarbeit ist nicht okay. Das schädigt unsere Volkswirtschaft. Was macht ihr, wenn sich eure illegalen Putzfrauen bei der Arbeit verletzen? Christina könnte zum Beispiel über diese verdammten Legosteine stolpern, die bei uns in der ganzen Wohnung herumliegen; sogar im WC.

Damit das nicht passiert, muss ich am Vorabend alles aufräumen. Meine Frau, der ich immer gehorche, nötigt mich dazu. Das nennt man übrigens weibliche Logik: Ich muss die Wohnung aufräumen, damit Christina putzen kann! Leider habe ich Christina noch nie gesehen. Und leider habe ich meine Frau gefragt, ob Christina hübsch aussehe. «Du Schwein.» Meine nächste Frage wäre gewesen, ob sich Christina bei uns wohlfühlt. Jetzt darf ich zu Hause nichts mehr über Christina sagen. Sonst erlebe ich wieder ein Donnerwetter.

Ich denke aber, dass Christina ziemlich hübsch ist. Wenn ich nach Hause komme, sieht die Wohnung sehr schön aus. Auch in dieser Situation, liebe Männer, gibt es viele Fallstricke. Man sollte nicht zu sehr hervorheben, dass die Wohnung endlich einmal ordentlich aussieht. Andererseits sollte man auch nicht lügen: «Du kannst eigentlich viel besser putzen als die Neue.» Am besten, man sagt gar nichts. Dieser Ratschlag ist meistens der richtige. Ich vermute übrigens, dass unsere Putzfrau ursprünglich aus dem Hotelgewerbe stammt. Das Ende der Toilettenrolle faltet sie immer so schön. Es sieht aus wie eine Rose. Ich möchte so gerne Christina einmal kennen lernen.

18 Kommentare zu «Eine Rose aus WC-Papier»

  • Barbara Marion sagt:

    Ich zahle auch 35.- Franken dazu noch 4 Wochen Ferien und einen 13. Monatslohn habe meine Putzfrau auch angemeldet sie bekommt AHV und Pensionskasse finde dies mehr als recht, sie erleichtert uns mit ihrer Arbeit das Leben, nicht nur wegen WC putzen, da ich gesundheitlich angeschlagen bin ist dies für mich eine grosse Hilfe. Die meisten sein ja nicht ungelernt, da sie die Arbeit schon länger machen lernen sie ja auch dazu. Ob man den Dreck sieht oder nicht hat nichts mit Ausbildung zu tun. Fände aber einen Lehrgang für das nötigste auch nicht so schlecht, einmal konnte ich eine meine Putzfrauen grad noch stoppen, bevor sie ein Ölgemälde poliert hatte.
    Eine Haushaltausbildunglehre oder Kurs, damit der Lohn auch gerechtfertigt ist.Konnte auch schon selber viel lernen wie man etwas einteilt

  • Jacques Zimmer sagt:

    Ich finde, es grenzt schon an Wohlstandsverwahrlosung, einer Putzfrau fast 40 Franken Stundenlohn zu zahlen. Das gäbe ja einen Monatslohn von fast Fr. 8000.– für ungelernte Arbeit, die jeder kann und sooo streng nun auch wieder nicht ist. Es ist auch nicht wirklich schlimm, ein WC zu putzen, mit oder ohne Handschuhe. Sollte jeder mal machen, vor allem der Autor dieses Blogs.

    • M.M. sagt:

      Sorry das kann nicht jeder Beni Frenkel z.B. nicht! Der ist anscheinend zu doof dazu?

    • Hans Hasler sagt:

      Im Gegensatz zu Handwerkern, Juristen etc. wird der Putzfrau nur gerade die Zeit angerechnet, die sie im Haus mit putzen verbringt. Die Zeit für die Wege oder halt einfach Stunden, in denen die Putzfrau keine Kunden hat sind komlett unbezahlt. Damit kann keine Putzfrau auf eine 40 Stunden Woche kommen, auch wenn sie gerne mal 60 Stunden pro Woche beruflich ausser Haus ist. 40 Franken sind nicht viel.

  • René Sollberger sagt:

    Die Schweiz(erInnen) könnten Putzleute wirklich etwas besser bezahlen. In der San Francisco Bay Area sind rund 50 Franken/Dollar pro Stunde (brutto) absolut normal, obwohl die Löhne nicht das (hohe) Schweizer Niveau haben.

  • Karl Hugentobler sagt:

    Warum schädigt Schwarzarbeit unsere Volkswirtschaft? Das stimmt überhaupt nicht. Die Putzfrau kann so einen grösseren Teil ihres Lohnes eigenverantwortlich sparen. So bauen sich viele Osteuropäer Häuser in ihrer Heimat. Dies ist schon mal eine sinnvollere Investition als ein Beitrag in die Schweizer Schneeball-Vorsorgesysteme. Wenn sich die Putzfrau verletzt, ist nur massgeblich, ob sie versichert ist. Man kann ja auch eine „illegale“ Putzfrau versichern. Also hören Sie doch auf von wegen Schwarzarbeit. Lieber illegal putzen als legal Fake News verbreiten!

    • Monique Schweizer sagt:

      Hugentobler: Dass Sie als strammer Rechtsbürgerlicher eine Schwarzarbeiterin als Putzfrau haben könnten, würde mich jetzt überhaupt nicht überraschen zumal Ihr Kommentar schon in die Richtung deutet!
      Vermutlich zum halben Preis von Herrn Frenkel – für 17.50 und dazu vermutlich noch eine illegale Sans-Papiers, die kann man noch besser einschüchtern!
      .
      Aber ansonsten vordergründig immer einen auf Law and Order machen!
      Das kennt man doch langsam aus Ihren Kreisen diese Doppelmoral, wenn ich da an Alt-NR Hans Fehr etc. denke!

      • Karl Hugentobler sagt:

        Falls Arbeitgeber und Putzfrau freiwillig einen Vertrag eingehen, wird dadurch niemand geschädigt. Sonst würden sie ja nicht unterschreiben. Niemand, der rechnen kann, würde freiwillig in unsere Schneeballvorsorge einzahlen. Diese sind genauso konstruiert wie die Systeme von Behring und Madoff. Die Putzfrau verstehts, aber Sie offenbar nicht.

    • Philipp M. Rittermann sagt:

      nein, herr hugentobler. faire löhne sind nur garantiert mit legalen anstellungen und den entsprechenden versicherungsleistungen des personals. der arbeitgeber – speziell im sektor „reinigung“ muss aber auch bereit sein einen vollkostensatz von chf 35/h aufzubringen.

      • Karl Hugentobler sagt:

        Eine legale Anstellung garantiert keinen fairen Lohn, denn dieser wird ja frei festgelegt. Es sind keine GAV mit Mindestlöhnen anwendbar.

  • Peter Meier sagt:

    Wer noch nie geputzt hat ist weder witzig, gnadenlos noch provokativ sondern bestätigt lediglich das Klischee aller verwöhnter Zürcher.
    trotzdem gratulation zzm Schritt in die Legalität.

  • Mia Meyer sagt:

    Ich zahle auch 35. Netto sogar. Ich finde, unter 30 soll niemand eine derart strenge Arbeit verrichten müssen. Illegal schon gar nicht. Aber ich fand noch nie ein gefaltetes WC-Papier-Ende vor. Da werde ich mal mit meiner Putzfrau reden müssen.

  • Christina Bachmann sagt:

    Lieber Beni

    man kann auch eine schwarz arbeitende Putzfrau gegen Unfall versichern. Die Versicherung fragt nämlich weder nach Namen noch nach Arbeitserlaubnis. Allerdings weiss ich nicht, was passiert, wenn die illegal putzende Arbeitskraft tatsächlich einen Unfall hat.
    Jedenfalls mein Rat, Putzfrau immer gegen Unfall versichern – kostet 100.- im Jahr.

  • david mercier sagt:

    🙂 und auch ich frage zurück, wieviel bezahlst du? ich CHF 37.50 brutto die stunde…

  • jane marple sagt:

    ich bin sicher, herr frenkel, ihr stundensatz ist höher, als lächerliche 35 franken. ich hoffe sehr, sie haben sie selber eingestellt und nicht über eine agentur, denn dann sieht die gute – wenns hochkommt grad mal noch 20 franken netto!

  • Michael sagt:

    Die richtige Putzfrau zu finden ist sehr schwierig. Wir haben eine ordnungsgemäss angemeldete Perle ! Wir müssen ihr nicht sagen was zu tun ist, sie sieht es. Und ist gründlich. Das hat natürlich auch seinen Preis und wenn ich hier von den geizigen – eventuellen – Schweizer lese hoffe ich inständig, das sie mal verpetzt werden und ordentlich nachzahlen müssen.

  • KMS a PR sagt:

    ode an die putzfrau
    sie wieselt flink von raum zu raum,
    sie saugt, sie wischt, sie schlägt den schaum,
    sie ist des mannes güldner traum,
    sie kniet, sie schrubbt die böden rein,
    ach wäre sie doch nur ganz mein,
    die holde maid von niedrem stand,
    in ihrem schicken putzgewand,
    und ist sie heute nicht gestorben,
    kommt sie wieder – morgen!

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