Alles andere ist langweilig

Vor dem Besuch im Misoga war die Begleiterin noch traumatisiert, aber nach dem Hauptgang lächelt auch sie.

Haufenweise nicht verderbliche Nahrungsmittel hat die Olympiadelegation für ihre Athleten per Container nach Südkorea schicken lassen. Etwa drei Brotbackmaschinen, Brotbackmischungen, 200 Kilogramm Müesli und Dörrfrüchte.

Wenn Klima und Kultur schon ungewohnt sind, so soll zumindest die kulinarische Tradition bewahrt werden, scheint das Credo bei Swiss Olympic zu sein. Jeder Athlet soll sein Wettkampfmahl bekommen. Gewohnheiten wollen gepflegt sein, Langeweile für den sportlichen Erfolg. Am Essen soll diese Mission auf keinen Fall scheitern.

Für Menschen wie mich, die die koreanische Küche nicht kennen, erweckt das den Eindruck, diese sei alles andere als bekömmlich. Vielleicht zu eintönig. Zu schwer für die westlichen Mägen. Oder zu abführend.

Ganz unerwartet zeigt die Begleiterin ein gewisses Verständnis für die Vorsichtsmassnahmen der Olympiadelegation. Kimchi, ein Must für jedes koreanische Mahl, sei wirklich eklig. Sie war vier Jahre lang mit einem Halbkoreaner liiert und hat den fermentierten Kohl der Schwiegermutter in spe noch heute nicht verdaut. Doch sie ist gewillt, ihr Trauma zu überwinden. Im Misoga am Zeltweg, dem Haus des Lächelns.

Im kleinen, einfachen Lokal werden auch wir mit einem Lächeln empfangen, dazu gibts Olympiaprospekte. Nebenbei: Ein Ticket für die heutige Eröffnungsfeier in Pyeongchang hätte 1500 Franken gekostet. Die Gäste, die sich an diesem Abend im Lokal auf den 35 Plätzen drängen, scheinen zu wissen, dass sie den kulinarischen Höhenflug mitten in Zürich haben können.

Nach einer Portion Gun Mandu – mit Rindfleisch und Tofu gefüllte Teigtaschen (18 Fr.) – können wir dem noch nicht beipflichten. Besser als Kimchi sei es alleweil, findet die Begleiterin. Ganz angenehm dezent schmeckt das Hite-Bier (5.50 Fr.). Als die beiden Hauptspeisen, die wir auf Empfehlung geordert haben, serviert werden, lächeln auch wir. Über das Dak Bulgogi, die marinierten und gegrillten Pouletbruststreifen (32 Fr.), und die vielen dazu gereichten fermentieren Gemüse – unter anderem Kimchi. Und über das Sogogi Bibimbap, gehacktes Rindfleisch an Barbecuesauce mit Roter-Pfeffer-Sauce, sautiertem Gemüse und einem Spiegelei im heissen Steineintopf (35 Fr.). Eine Frage bleibt: Mischen oder nicht? «Klar, sonst ist es mega langweilig», sagt die Kellnerin unverblümt.

Wahrhaftig. Beide Gerichte gleichen einem geschmacklichen Feuerwerk – selbst Kimchi. Alles sättigend, aber nicht schwer. Die ideale Sportlernahrung. Und: Das Reiskonfekt mit süsser Bohnenpaste-Füllung (12 Fr.) könnte es mit den Dörrfrüchten allemal aufnehmen. Bleibt zu hoffen, dass die Athleten zumindest nach den Wettkämpfen die koreanische Küche kosten dürfen.

Misoga
Zeltweg 12
8032 Zürich
044 251 99 90
Mo und Sa 18 bis 22.30 Uhr,
Di bis Fr 12 bis 14.30 Uhr,
18 bis 22.30 Uhr
Website

 

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