Trump in der Agglo

Sehnsucht und Realität liegen in der Agglo ziemlich weit auseinander. Ein Grund ist ihr hybrides Wesen.

Die Air Force One, mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump an Bord, landet in Kloten. Bild: Samuel Schalch

Die Agglo ist, politisch gesehen, so etwas wie ein Reduit – also eine Zone, in der man mit dem Stimmzettel für das Bekannte und gegen das Unbekannte votiert. Geht es nach der Agglo, ist Abschottung das bessere Rezept als Öffnung – auf dass nicht der letzte Rest an Gewohntem auch noch wegmodernisiert werde.

Nun darf man mit Fug und Recht einwenden: Wer die Agglo so beschreibt, pauschalisiert, klischiert und urteilt folglich unfair. Indes: Masseneinwanderungs- und Minarettinitiative erreichten Mehrheiten, weil sie in der Agglo viel Resonanz fanden. Die Diagnose, dass man es in der Agglo tendenziell lieber national als international, lieber mono- als multikulturell hat, ist also nicht bloss eine Kopfgeburt urbanistisch imprägnierter Theoretiker.

Sagen wir es so: Die Agglo ist eine Sowohl-als-auch-Zone. Es gibt hier den Hang zur Reduitromantik. Aber nicht nur ihn. Und darum soll es hier gehen: um das hybride Wesen der Agglo. Zu diesem gehört, dass die Agglo schon seit Jahrzehnten ein Innovationslabor ist. Hier, in den Vororten, entstanden Shoppingmalls, Ikea und andere Fachmärkte – gigantische Einkaufstempel mit ebenso gigantischen Parkieranlagen. Von Brüttisellen bis Spreitenbach weht ein Hauch von USA.

Hinzu kommt: Die Agglo hat sich rasend schnell entwickelt. Im Nu verschmolzen die Vorstadt-Gemeinden zu einem einzigen Siedlungsteppich. Wie im Zeitraffer schossen die Glaspaläste aus dem Boden. Multinationale Unternehmen und ihre Expat-Manager zogen ein. Die Agglorealität: Das ist Modernität und Internationalität.

Die agglotypische Skepsis gegenüber der politischen Öffnung, die sich in den letzten zwei Jahrzehnten akzentuiert hat, ist also sozusagen das Gegenstück zur sehr internationalen Agglorealität. Falls jemand diese Realität einmal in geradezu hochprozentig symbolischer Verdichtung erleben möchte: Ende Januar bietet sich jeweils Gelegenheit dazu.

So auch in diesem Jahr: Donald Trump landete und startete – in der Agglo. Er betrat nicht Stadtzürcher Boden. Er betrat Klotener Boden. Ob er das dann auch gleich an Melania getextet hat – «My dear; I’m arriving in Kloten. Nice place!» – wir wissen es nicht. Wir wissen aber doch immerhin, dass auch andere Grössen der Weltpolitik dieser Tage ihre fein besohlten Schuhe auf Zürcher Aggloboden gesetzt haben, um sich von hier aus weiterzubewegen. Man könnte so weit gehen und sagen: Wenn Davos das Zentrum des Weltwirtschaftsforums ist, dann ist die Zürcher Agglomeration doch immerhin dessen Dépendance – der Weg nach Davos führt über die Agglo.

Dass Sehnsucht und Realität in der Agglo ziemlich weit auseinander liegen: Das liegt womöglich auch daran, dass wir die Agglo kleinerreden und denken als sie ist. Niederhasli, Volketswil, Regensdorf oder Dällikon – das klingt alles so niedlich und nach bluemete Trögli.

Das ist auch dem Agglo-Jungvolk aufgefallen. Und es hat Abhilfe geschaffen: Birmensdorf heisst in diesen Kreisen nicht mehr Birmensdorf – sondern Birmingham. Und Langnau am Albis? Kurz und bündig: L.A.

7 Kommentare zu «Trump in der Agglo»

  • Paolo Jaeger sagt:

    Sehnsucht und Realität liegen leider in der Stadt noch viel weiter auseinander…

  • harybo sagt:

    das beste was diesen velogenen und arroganten politikeradel scheinbar ganz gut zu bekommen scheint, und das ist USA präsident donald trump,super politiker.

  • Lichtblau sagt:

    Langnau am Albis L.A? Nice one! Passt aber gut, wenn man weiss, dass bereits Wollishofen schon mal als Wollywood bezeichnet wurde. Auch wenn mir die Agglo ein bisschen unheimlich ist, dieser Text bringt sie mir erstmals etwas näher.

  • Lüthi sagt:

    Was für eine Arroganz. Von einem Tagi Redaktor. Wo lebt er? Vermutlich Seefeld, Langstrasse, Motorenstrasse?
    Ich lese auch den TA und wohne in der Agglo!!!!

  • Domenico sagt:

    Was ist das Gegenteil von „Aglo“? Im Sinne des Autors wohl „urban“. Wenn sich der „moderne“ und „ urbane“ Linke solcher einfachen Worthülsen bedienen muss, um sich selber überlegen zu fühlen, dann darf er das natürlich. Fie Frage ist nur, ob man mit solchen simplen Ergüssen die Abonennten einer überregionalen Zeitung belästigen muss, oder ob man sich unter seinesgleichen austauscht.

  • Kurt Bachstett sagt:

    Ist es eigentlich nötig überall das Adjektiv Trump in jeden noch so belanglosen oder eher sinnfreien Gonzo zu pflastern?

  • Rolf Hefti sagt:

    Immerhin ! Schöne und gute LINGGÄ Texte sind möglich. Gruss aus Niederglatt.

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