Eine Glacegeschichte (Ende³)

Im heutigen Beitrag dieser städtischen Gebrauchsanleitung geht es um Zwangsjacken und Entfesselungen, um Berna und Berna – vor allem aber geht es um Ein- und Aussichten.

Das Logo der 1902 in der Hauptstadt von Joseph Wyss gegründeten Autofirma Berna. Zwecks besserer Infrastruktur zügelte er das Unternehmen zwei Jahre später nach Olten. Foto: N-Lange.de

Moll, ein bisschen wehmütig ist es schon, dass jetzt endgültig der Moment des letzten Kapitels gekommen ist (obwohl es ohne den eben gemachten Hinweis wahrscheinlich nicht mal jemand bemerkt hätte) – aber ein viertes Ende dieser Glacegeschichte wird es definitiv nicht geben; eigentlich waren ja bereits die bisherigen drei eins oder zwei zu viel.

Weiterhin erscheinen wird jedoch diese städtische Gebrauchsanleitung – was da und dort sicherlich ungläubige Runzeln in die Stirnen furchen dürfte (zumindest mir erging es so) –, fortan allerdings immerhin mit dem hehren Anspruch (meines Arbeitgebers!), dass das Vermeldete, nomen est omen, tatsächlich «irgendwie im Alltag zu gebrauchen sein sollte». Anders gesagt: Thematische Zwangsjacke, liebe Leserinnen und Leser, da dürfte demnächst eine Lawine an Sachlichkeit, Sinn, Stringenz und Struktur auf Sie zurollen!

Allerdings: Harry Houdini wurde mit geklickten Handschellen in einen Sack gesteckt, der Sack in eine massive Holzkiste gelegt, die Kiste durch mehrere Vorhängeschlösser verriegelt – und doch stieg er nach wenigen Minuten triumphierend aus der Kiste… es wäre also gelacht, würde ich mich nicht auch aus dieser misslichen Lage befreien können (oder um bereits den heutigen Beitrag «nützlich» zu gestalten: «… if I wouldn’t be able to houdinize», wie man auf Amerikanisch sagt).

Aber das ist Zukunftsmusik, zuerst wird jetzt der Glacegeschichte noch der krönende Rahmgupf aufgesetzt (wobei die Nummerierung von letzter Woche fortgeführt wird):

8. Den Rekord für die längste jemals in einer unabhängigen deutschsprachigen Publikation veröffentlichten Glace(kultur)geschichte hatten wir bekanntlich bereits nach Teil 9 inne. Womit klar sein dürfte, dass die inzwischen gültige Bestmarke – 23 reguläre Beiträge plus 3 Enden – bis zum Verschwinden des letzten Printprodukts von der Erde kaum mehr gebrochen wird. Was man daraus lernen kann? Ist die goldene Nische mal gefunden, ist es bis zum Olymp ein relativ kurzer Weg.

9. Trigger für diese Glacegeschichte war ja letztlich das Gstürm um die Anfang Mai am Brupbacherplatz eröffnete Gelateria di Berna, das bald die Züge einer Endemie aufwies. Und obwohl es von meiner Wohnungstür zum Gelateria-Eingang keine Gehminute dauern würde, und obwohl mein Urgrossvater Joseph 1902 die Autofabrik Berna gegründet hatte – wodurch ich allein aus familiären Gründen Sympathie für den Namen hege –, war ich bis zum Saisonende am 17. November kein einziges Mal dort! (als einer von geschätzten vier Prozent aller Wiediker). Ich könnte jetzt behaupten: «‹Don’t believe the hype›, so bin ich nun mal!» Aber das wäre glatt gelogen, so bin ich nämlich ganz und gar nicht.

10. Obwohl in der Glacegeschichte unzählige tolle Protagonisten vorkamen – mit Brad Butterworth, Burial, Tyler Brûlé, den Beatles, den All Blacks oder Lukas Bärfuss hatten es nur schon die «Bs» in sich –, erkor die angefragte Leserschaft mit fast einem Drittel der Stimmen den grässlichen Zmorgebüffet-Tubel aus Teil 10a zu ihrer Lieblingsfigur. Unverständlich, aber interessant; ich werde das Tubel-Phänomen alsbald weiterfolgen und vertiefen.

So, basta et fini, mässi villmal fürs Dranbleiben.

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