100 Jahre alte Ratschläge

Es gibt ein altes Buch mit dem Titel «Ratgeber für das jüdische Haus». Die Tipps darin haben nach wie vor ihre Gültigkeit.

Der «Ratgeber für das jüdische Haus» von Salomon Carlebach. (Foto: Beni Frenkel)

Das Wissenschaftsmagazin «20 Minuten» ist der Frage nachgegangen, wie Schweizer Männer zu den Frauen stehen; nach all diesen Vergewaltigungsvorwürfen. Jeder 25. Schweizer hat in der Studie zugegeben: «Weiss nicht.» Fast jeder dritte Teilnehmer sagte: «Ich bin eine Frau und will nur die Resultate sehen.» S. (31) geht aber noch weiter: «Ich helfe Frauen nicht einmal, den Kinderwagen aus dem Zug zu tragen.» S. hat jetzt die Konsequenzen gezogen: Er liess sich sterilisieren.

G. (38) hat im Jahr 2005 komplett mit Frauen abgeschlossen. Seit 13 Jahren pflegt er keinen intimen Kontakt mehr mit Frauen. Er ist jetzt ein Migtow (Men Going Their Own Way). Und M. (34) hat eine üble Scheidung hinter sich. Das hat Folgen: «Ich esse beinahe jeden Tag Nudeln mit Aromat, um durchzukommen.»

Diese drei Schicksale beschäftigen mich sehr. Ich denke mir manchmal, wen es am schlimmsten erwischt hat: den Kastrierten, den Abstinenzler oder den Nudelfresser.

Nudeln haben viele Kohlenhydrate. Meine Ernährungsberaterin – ich habe ja Diabetes – erlaubt mir höchstens eine Handvoll Nudeln. Über die Festtage habe ich vor allem Möhren, Käse und Fisch gegessen.

Ich habe aber einen lieben Kollegen, der hat nach der Scheidung seinen Samenleiter durch eine Operation unterbrechen lassen. Wir waren gerade beim Mittagessen, als er mir ausführlich von seiner Vasektomie erzählte. Dabei kam es während der Operation zu Komplikationen, leider auch danach. Der Kollege redete und redete. Ich wollte ihn nicht unterbrechen, da man Trauernden nicht ins Wort fallen soll.

Kommen wir zum Abstinenzler. Ich wage nicht, die wissenschaftliche Studie von «20 Minuten» anzuzweifeln. Aber ich möchte doch ein Fragezeichen zur Verlässlichkeit der Aussagen von G. setzen. Seit 2005 enthaltsam? Noch seltsamer ist eine weitere Aussage von G. Gemäss den Studienautoren besucht G. auch kein Puff mehr, und das, obschon er das nötige Geld dafür habe.

Ich verstehe diesen Nebensatz nicht. Roger Federer oder Christoph Blocher sagen doch auch nicht: «Wir gehen nicht ins Puff, obschon wir das Geld dafür haben.» Am Geld scheitert ein Bordellbesuch sicher nicht. Es gibt in der Schweiz auch günstige Puffs. Meiner Meinung nach sollte man aber jedes Puff meiden.

Ich lese gerade den «Ratgeber für das jüdische Haus», verfasst von Rabbiner Dr. Salomon Carlebach. Das Buch ist erstmals 1918 im Berliner Hausfreund-Verlag erschienen. Die 100 Jahre alten Ratschläge haben wenig von ihrer Richtigkeit verloren. Der Rabbi bringt es auf den Punkt: «Ein nicht seltener Grund zu Misshelligkeiten besteht im Benehmen des Mannes. Jede Frau hat ein gewisses Bedürfnis nach Liebenswürdigkeiten, Aufmerksamkeiten, Liebkosungen, Neckereien, Zeichen der Liebe und der Zuneigung. Und der Mann lässt es an alledem fehlen.»

Für S., G. und M. kommt diese Mahnung zu spät. Aber für uns hoffentlich nicht.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.