«Bussi, Bussi»

Die Münchner Nightlife Awards sind ähnlich aufgebaut wie der SNA. Trotzdem könnte man hier was von den Münchnern lernen.
Mit rotem Teppich und allem Schickeria-Pipapo. Münchner Nightlife Awards.

Mit rotem Teppich und allem Schickeria-Pipapo: Münchner Nightlife Awards.

Selbst wenn die hiesigen Nachtlebenden gerne Berlin wären sind sie nur allzu oft München. Sprich: Zum hinterhofig Subkulturellen gesellt sich nur allzu oft das Bussi Bussi.

In Zürich ist die Schickeria vielleicht nicht so dominant wie in der freistaatlichen Hauptstadt, aber auch hier gibt es Clubs wie Icon, Jade, Gallery und Vior, Clubs in denen sich die Musik die Hauptrolle mit Selbstdarstellung und dem Vorzeigen von Luxusmarken teilt.

Und das ist gut so, da ehrlich: Der Zürcher schwimmt im Geld. Auf undergroundige Off Location-Gegenkultur zu machen trägt hier deshalb stets das selbstironische Grinsen des Wissens um die eigene Heuchelei. Wir gehen an der Illegalen feiern und nächstentags ins Schober auf ein Katerfrühstück. Wir feiern im entkernten ehemaligen Kino zu Tech House, waren vorher aber noch im Kropf essen, weil’s da mit das beste Siedfleisch gibt. Wir sind (auch) ziemlich Bussi Bussi. Wir sind ziemlich München. Wir sind gar pro Kopf-reicher als die Münchner.

Der Munich Nightlife Award (MNA) ähnelt bezüglich seiner Machart, seiner Kategorien und seiner als Bewertung auf Fakten getarnten Bauchpinselei dem SNA. Er ehrt ein Umfeld, das zu einem sehr grossen Teil gar nicht geehrt werden möchte, und das mit Vergleichen nicht wirklich umgehen kann. Auch bei den MNA gibt es DJ-Kategorien, auch da gibt es Awards für den besten Grossevent und die beste Nightlife Bar. Und wie bei den Swiss Nightlife Awards steht hinter den MNA ein Medienunternehmen und bei beiden Preisverleihungen bestimmt ein Public Voting wer einen Preis kriegt.

Der Gipfel der Gemeinsamkeit ist, dass auch am sehr breit aufgestellten (und wohl auch in der Münchner Subkultur von vielen belächelten) MNA die subkulturell orientierten Locations den Preis für den besten Club des Jahres abräumen. Also jene, die Preisverleihungen gemeinhin am kritischsten gegenüberstehen. Das Harry Klein hat in diesem Jahr zum zweiten Mal hintereinander den MNA für den besten Club gewonnen, derweil an den bisherigen SNA das Hive, die Zukunft, die Friedas Büxe und der Nordstern in dieser Kategorie obsiegten.

Die Clubkategorien sind das Eine, bei dem der SNA vom MNA lernen kann, andererseits sind sie auch ein Indiz dafür, dass viele Münchner Hipclubber auf ihren Award ebenfalls pfeifen dürften: Da gibt es nämlich eine Kategorie «Flirtfaktor» – gottseidank bleibt einem das am SNA erspart. Jedoch gibt es am MNA auch die Kategorien Musik, Booking, Service, Preis/Leistung und Ambiente/Ausstattung und die machen wiederum sehr viel Sinn, weil sie das Geleistete in den Vordergrund stellen.

Sprich: Es wird nicht nur einfach der beste Club oder der beste grosse Club prämiert, sondern ein Bereich der Nachtgastronomie, in dem sich die Lokale innerhalb eines Jahres hervortun können. Im Bereich Bookings wurde beispielsweise ebenfalls das Harry Klein prämiert, was man bestimmt durchwinken kann. Bei den SNA wird es hingegen weiterhin sein, als ob man an den Oscars Martin Scorsese einen Preis überreicht, selbst wenn er im abgelaufenen Jahr keinen Film gedreht hat. Bloss weil er Scorsese ist.

3 Kommentare zu ««Bussi, Bussi»»

  • MONOKULTUR München sagt:

    Solidarisches Beileid von uns hier aus München! Immerhin haben wir es geschafft dieses Negativimage zuerst zu besetzen, mit aller Wucht und Kreativwirtschaftlicher Kompetenz: Brand Marketing, Strategic Positioning & Lose-Lose-Partnerships.

    Deswegen werden wir wohl auch für immer München sein, und Züri ist “nur” ziemlich München, aber München ist nicht ziemlich Züri! Da kann Züri immerhin nochmal ein Re-branding vornehmen, einen Re-launch, so to speak.

    Und so freut euch, wir haben das schon für euch erledigt, so sagt man NICHT zu allen übergentrifizierten Glitzer-Fassaden-Städten deren (Sub-)Kultur entweder irrelevant, völlig vereinnahmt oder nach aussen hin nicht mehr sichtbar ist: “Das ist wie Zürich”, sondern “Das ist wie München”. Glück gehabt und gern geschehen,

    Euer München

  • Andi Stoller sagt:

    Mich fasziniert der musikalische Output aus München von Labels wie Illian Tapes, Permanent Vacation, Gomma&Toy Tonics, Disco B, Gigolo Records, Public Posession, Prologue, etc. Find ich persönlich erstrebenswerter als Clubkategorien bei deren Awards..

  • Pietro Specogna sagt:

    Die Münchner sind auch lustiger und besser drauf als unsere Langweiler.

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.