Ich hoffe auf Jesus – oder wenigstens Hausbesetzer

Ein Schauer lief über meinen Rücken, als ich am Morgen das leere Haus sah. Da wurde ich aktiv!

Einblicke in das abgerissene Haus mit den leeren Zimmern. (Foto: Beni Frenkel)

Bald ist Weihnachten, und wir feiern die Geburt von Jesus Christus. Wer kennt sie nicht, die wundersame Krippengeschichte? Die drei Könige bringen Jesus schöne Geschenke. Das Jesuskind hat nämlich gerade die Welt erblickt und erhellt seitdem unsere Geschichte. Dutzende Maler der Renaissance haben die heilige Maria nackt und in Öl festgehalten. Im Arm hält die Muttergottes ihren Erlöser. Seitdem sind 2017 Jahre vergangen.

Was haben wir seitdem gelernt? Sind wir weiser geworden? Führen wir weniger Kriege? Die Antwort ist leider nein. Noch immer gedeihen Hass und Zwietracht in unserer Mitte. Die zärtliche Pflanze «Liebe» durchbricht nur selten unser eisernes Brustschild.

Ich, also Beni Frenkel, durfte auch einmal in einem Krippenspiel mitmachen. Ich war damals acht Jahre alt und besuchte eine ADHS-Schule in Klingnau. Im Internat lebten etwa 200 Problemkinder aus dem gesamten Kanton Aargau. In den Pausen herrschte eine Stimmung wie zwischen GC- und FCZ-Anhängern. Trotzdem gelang uns eine wunderschöne Aufführung, meinte meine Mutter. Ich war einer der drei Könige.

Nun, vor zwei Wochen haben die letzten Mieter das Haus vis-à-vis verlassen. Ein Schauer lief über meinen Rücken, als ich am Morgen das leere Haus sah. Hat nicht Jesus in einem Stall das erste Erdenlicht erblickt? Ich zog meinen Sohn an mich heran und sprach: «Lass uns da eindringen, denn leer sind die Wohnungen.» Der Sohn aber fragte: «Vater, ist das nicht Diebstahl?» «Nein», erklärte ich ihm, «das nennt man Hausfriedensbruch.»

Die Kellertür war nicht abgeschlossen. Ich entdeckte einen Kühlschrank und ein kaputtes Mountainbike. Enttäuscht wollten wir wieder weggehen, da entdeckte ich in einer Ecke viel Unrat. Wir stopften Turnschuhe, eine Angelrute, Klebeband in unsere Tüten und schlichen glücklich von dannen.

Dann wartete ich. Von meinem Schlafzimmer kann ich direkt in die Zimmer des leeren Hauses gucken. Einerseits hoffte ich auf Jesus, andererseits wäre ich auch mit Hausbesetzern glücklich geworden. Denn in Wollishofen gibt es zurzeit nur ein besetztes Haus. Leider leben diese Hausbesetzer nicht direkt in unserer Nähe. Am Sonntag muss ich mit der Tochter lange laufen, bis wir vor diesem Ekelhaus stehen. «Schau», motiviere ich meine Tochter, «das ist die Sek B.»

Denn die Tochter nimmt die Schule nicht so ernst. Das stimmt mich sehr wütend. Ohne adäquate Ausbildung kommt man in der Schweiz nicht weit. Wir Schweizer verfügen über kein Erdöl oder Erdgas in unseren Böden. Wissen ist unser einziger Rohstoff!

Jugendliche «Künstler» direkt vor unserer Haustür wären eine sehr gute Abschreckung für unsere Kinder. Solche Frauen und Männer, die keinen Lebensplan haben und am Abend hemmungslos Liebe machen: entfesselte Leidenschaft, zügelloses Verlangen und/oder ekstatische Begierde.

Einmal mit dieser Partnerin, dann mit einer anderen. Die Frauen würden laut stöhnen. Natürlich würden diese «Künstler» keinen Vorhang besitzen. Ohne Scham würden sie sich vor dem Fenster ausziehen.

Leider ist das Haus jetzt abgerissen worden.

12 Kommentare zu «Ich hoffe auf Jesus – oder wenigstens Hausbesetzer»

  • Rolf sagt:

    Dieses Haus stand so kurz wie möglich leer.
    Alle Mieter bekamen das Angebot, in den Neubau wieder einzuziehen.
    Einige nahmen diese Möglichkeit mit Freude an.
    Eine Sanierung lehnte die Bank ab.
    Der Architekt bekam die Auflage, günstige und funktionelle Wohnungen zu
    realisieren und Familienfreundlich zu bauen.
    Und nun macht dieser verwirrte Schreiberling mit seinem Sohn einen Hausfriedensbruch mit Diebstahl.
    Sollte man anzeigen.
    Vielleicht kommt er auch nicht mit der Realität zurecht und sollte sich dringend Hilfe suchen!

  • Spina sagt:

    Vielleicht könnte man diese leerstehenden Häuser über die Wintermonate für einen guten Zweck einsetzen und Obdachlose beherbergen. Musste letzte Woche mit ansehen, wie ein älterer Herr, frierend und hungrig die Mülltonnen am HB nach essbarem absuchte. Dann hab ich ihm etwas zum Essen spendiert. Klar, dieses Glück war nur von kurzer Dauer, doch er hat für einen kurzen Augenblick gestrahlt. Man sollte sein Glück teilen und ich bin weder Christ noch religiös. Frohe Festtage!

  • Marco sagt:

    Ich bin selber Vater von zwei Kindern. Ist nicht immer einfach. Als ich im Alter meines Sohnes war, hatte ich mit den Junkies am Platzsptitz, das heisst mit den Drogenopfer in Schwamendingen, vornehmlich mit Real-Hintergrund und einzelne ehemalige Gymischüler, eine echte Abschreckung. Zum Glück war ich ein sek Schüler und lernte darum, mit Drogen dosiert vernünftig umzugehen. Und zum Glück lebe ich heute nicht wollishofen. Darum Beni, such dir eine neue Wohnung in altstetten.

  • Pesche sagt:

    Ich wohne vis-à-vis vom Kochareal und bei uns wird seit Monaten alles geklaut: Velos, Pakete und sogar der geschmückte Weihnachtsbaum der Kita. Da kommt nicht wirklich Adventsstimmung auf.

  • Bernhard Schlegel sagt:

    Also ich muss sagen, der Text lief an mir vorbei wie eine graue Katze im Nebel. Er bedeutet mir nichts. Er hat mir nichts gesagt. Da waren nur diese Sätze. Aneinandergereiht. Sinnlos. Keine Ahnung, was sowas soll.

  • Annika sagt:

    Flaute im Ehebett oder wie? Die eigene Frustration über das persönliche Spiesser-Leben auf Leute zu projizieren, von deren Lebensumstände und -welten Sie keine Vorstellung haben, ist nicht gerade vornehm, Herr Frenkel.

  • Peter Werkman sagt:

    Ich wäre auch freundlich, wenn ich kostenlos wohnen würde. Studieren und keine Miete bezahlen klingt sehr spannend und ist auch wirklich fair gegenüber all diejenigen die Miete zahlen. Sind Sie wirklich so naiv?

    • Theresa Meier sagt:

      Mit naiv sein hat das nicht viel zu tun. Wem schadet es denn, wenn die jungen Leute ein Haus bewohnen, das sonst ungenützt leer stehen würde? Ich finde es eine Schande, dass Häuser in dieser Stadt leer stehen gelassen werden, wenn man sich die hohen Mietpreise und die Schwierigkeiten eine Bleibe zu finden anschaut.

  • Theresa Meier sagt:

    Also ich muss sagen ich wohne gleich neben diesem besetzten Haus in Wollishofen und kann mich nicht beklagen. Ich bin sechzig Jahre alt und habe mit Hausbesetzungen auch nicht viel am Hut. Aber die jungen Leute sind freundlich und anständig. Sie fallen nicht negativ auf im Quartier und hinterlassen auch keine Berge von Müll wie es gerne dargestellt wird. Einige von denen arbeiten und studieren auch.

    • Peter sagt:

      Schöner Kommentar. Danke. Ich hab mir beim Durchlesen auch gerade vorgestellt wie die jungen des Autors sich mit den neuen Hausbesetzern nebenan anfreunden und bei denen einziehen, zur Freude des Vaters natürlich.

      • Asta Amman sagt:

        Kann man wirklich überlesen, dass Frenkels Spiesser-Attitüde ironisch gemeint ist? Ich möchte seine hintergründigen Beiträge nicht missen. Mein Lieblingssatz im aktuellen Blog: „Am Sonntag muss ich mit der Tochter lange laufen, bis wir vor diesem Ekelhaus stehen. «Schau», motiviere ich meine Tochter, «das ist die Sek B.»

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