Swissness vs. teure Import-DJs

Teure, internationale DJ-Namen füllen die Clubs - oft ohne die versprochene Qualität zu liefern. Die Schweizer Musikhandwerker gehen leer aus.
«Aufhören, dem Hype hinterher zu rennen» - DJ Matija Weiss.

«Aufhören, dem Hype hinterher zu rennen» – DJ Matija Weiss. Foto von Tobias Siebrecht.

Matija Weiss ist seit 20 Jahren DJ und am Anfang seiner Liebe zum Nachtleben steht eine Lüge. Damals, George Bush Senior war Präsident und an der Berliner Loveparade sind kurz zuvor erstmals Raver durch die Strasse gezuckt, fragt der 14jährige Matija seinen Vater, ob er bei seinem Bruder übernachten darf – und geht stattdessen an seinen allerersten Rave.

Es war Liebe auf das erste Stroboflackern: Er war Stammgast im Rohstofflager auf dem Steinfelsareal, hat im Oxa neben dem legendären Helikopter gefeiert und dabei hunderte Shirts nassgetanzt. Erst später wurde Matija vom Tänzer zum Hive- und Kiste Baden-Resident DJ und einem der meistgebuchten House- und Techno-Spieler der Schweiz, Bookings aus dem benachbarten Ausland inklusive.

In zwei Matija-Dekaden hat sich viel getan. Aus Plattenkoffer schleppenden Keller-Jukeboxen mit Drall zum Alkoholismus wurden globalisierte Celebs mit fünfstelligen Gagen. Nicht zur Freude aller: Insbesondere die Clubbesitzer ächzen unter dieser Entwicklung die sie selbst befeuert haben und zwar indem sie sich immer wieder auf Line Up-Battle mit ihren unmittelbaren Konkurrenten einlassen.

Ihr gegenseitiges Übertrumpfen hat zu bisweilen lächerlich hohen DJ-Gagen geführt. Denen haben sie nun den Kampf angesagt und ihre effizienteste Gefechtswaffe seien die vielen talentierten inländischen DJs: Die würden nämlich meist kein Deut schlechter auflegen als ihre teuren ausländischen Kollegen. Zudem würden sie über ein Gespür für die musikalischen Wünsche der Regional-Clubber verfügen das vielen Ausländern halt abgehe.

Matija: «Es gibt da viele schwarze Schafe. Die kommen unmittelbar vor ihrem Set in den Club, spielen zwei Stunden lang an den Leuten vorbei, krallen sich die Gage und fliegen dann wieder davon. Klar sind da auch Leute wie DJ Hell, Profis, die schon zu Partybeginn in den Laden kommen, die Atmosphäre aufsaugen und dann ihr Set nach ihr ausrichten. Aber die Hells sind klar in der Unterzahl».

In Zürich kann man immer noch an einem einzigen Abend zwischen Sets von Grössen wie Maceo Plex, Rodhad und Erol Alkan wählen. Es kann also keine Rede davon sein, dass sich die Clubs, wie selbst verkündet, aus dem Gagen-intensiven DJ-Namedropping verabschieden.

Auch die lokalen DJs spüren nichts von der prognostizierten Aufwertung ihrer Position. Matija: «Ach woher auch. Das gilt natürlich nicht für alle Clubs, aber in den letzten zehn Jahren haben die Gagen für Schweizer DJs mehrheitlich stagniert. Insbesondere die angesagten Locations, also jene für die alle spielen möchten, lassen ihre regionalen Jockeys oft für 300 oder gar nur 200 Franken antraben».

Damit sich das ändert, müsse sich erst bei der Einstellung der Clubgäste etwas tun: «Die Leute müssen aufhören, Hypes hinterher zu rennen, irgendwelchen Verpackungen ohne vor dem Hingang deren Inhalt zu kennen. Sie sollten sich zuhause die Musik der DJs anhören, die an den Partys spielen, die für sie in Frage kommen. Auch jene der Locals. Erst dann werden DJs von den Clubs und Veranstaltern irgendwann für das honoriert, was wirklich zählt: Ihr Können».