Wie bei James Bond

Plötzlich summt es, als würde sich ein aggressiver Hornissenschwarm in Angriffstellung bringen.

Von wegen langweilige Agglo: Auch ohne Daniel Craig gibts Action. (Bild: Keystone)

Das Leben in der Agglo ist langweilig. Bunte Vorstadtgärten, spiessige Reihenhäuschen. Zwar rundum grün, dafür eintönig. Das könnte man verleitet sein zu glauben, so vom (Züri-)Schiff aus betrachtet. Bis man dort wohnt und erlebt, dass es in der Agglo zugehen kann wie in einem James-Bond-Film.

Kürzlich stand vor dem Haus so eine Drohne. Sie sah aus wie alle diese riesigen Plastikdinger, aber irgendwie auch unheimlich. Ein paar Tage stand sie da, unberührt. Und auf einmal war sie weg. Bubenzeugs, dachte die Ex-Städterin und hakte das Thema ab.

Bis sie ein paar Tage später – sie wollte es sich gerade auf der Terrasse gemütlich machen – über ein Geräusch erschrak, das den Anschein machte, als bringe sich gerade ein aggressiver Hornissenschwarm in Angriffsstellung. Der Schwarm entpuppte sich als Drohne, und diese flog über ihren Kopf hinweg Richtung Tal und weiter. So weit, bis sie und der herbeigeeilte Gatte das Flugobjekt nicht mehr sehen konnten. Dieser bezweifelte allerdings die Drohnengeschichte seiner Gattin. Frauen haben von solchen Dingen sowieso keine Ahnung, schien er zu denken. Bis keine zehn Minuten später erneut das laute Surren des vermeintlichen Insektenschwarms zu hören war, noch bevor die Drohne hinterm Hausdach über ihre Köpfe wieder Richtung Tal steuerte. Als ob das unidentifizierte Flugobjekt selbstständig denken könnte, machte es flugs rechtsum kehrt und flog direkt auf die Terrasse der Ex-Städter zu, die blödere Gesichter machten als zwei staunende Lemuren in der Zürcher Masoala-Halle.

Keine zwei Meter über ihren Köpfen blieb die Drohne in der Luft stehen. Der Frau stockte der Atem, als sie die Kamera sah, deren Objektiv direkt auf sie gerichtet war. Der Gatte blieb nach aussen hin gelassen. Sie aber kam sich vor wie in einem Spionagefilm. Gedanken über neue Überwachungsmethoden der hiesigen Gesetzeshüter für private Hanfgärten schossen ihr durch den Kopf. Schon wollte sie mit dem Besenstiel nach der Drohne schlagen, als diese auf einmal abdrehte – und auf der Terrasse der Nachbarin landete.

Noch schlimmer, dachte die Gattin. Sie befürchtete, die ältere Dame könnte ob der Drohnenlandung vor Schreck einem Herzschlag erliegen, und darum schickte sie den Gatten zu ihr rüber. Nach zehn Minuten kam dieser lächelnd zurück und gab Entwarnung. Die Drohne gehöre einem Bekannten der Nachbarin, der gerade auf Besuch weile. Beide hätten sich mit Entschuldigungen überboten, es war ihnen hinten und vorn nicht recht, ihre neuen Nachbarn derart in Angst und Schrecken versetzt zu haben.

Das Paar diskutierte gerade über den Unsinn solcher Fluggeräte, als es an der Tür klingelte. Die Nachbarin wollte dem Gatten die Ergebnisse des Drohnenflugs präsentieren. Der liess sich nicht zweimal bitten und verschwand für die nächste halbe Stunde. Wieder zurück, war seine Haltung zum Thema Drohne eine ganz andere. Das sei doch eine lustige Sache, so ein lustiges Spielzeug, sagte er. Und überhaupt, man hätte auf den Aufzeichnungen nicht einmal erkannt, dass die Gefilmte beide Stinkefinger Richtung Kamera gehalten habe. Bubenzeugs, dachte die Ex-Städterin und setzte sich endlich in den Liegestuhl.

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