«Keine Kanaken, Inder oder Türken…»

In Zürich begegnet man Rassismus an Ecken, an denen man ihn nicht erwartet. An der Szene-Clubtür zum Beispiel.
Rassismus da, wo man ihn nicht erwartet.

Rassismus da, wo man ihn nicht erwartet.

Der Rassismus mag Verkleidungen, liebt es sich in den unterschiedlichsten Outfits zu präsentieren. Manchmal tritt er brüllend auf, mit Bomberjacke über den Schultern und Springerstiefeln an den Füssen. Ein andermal tarnt er sich und versteckt sich hinter gönnerischem Gewäsch und falschen Fakten («Menschen mit dunkler Hautfarbe sind nicht so intelligent wie die mit heller, dafür verfügen sie über eine bessere Motorik»). Dann wieder hüllt er sich ins Mäntelchen vermeintlich persönlicher Erfahrungen („Einige meiner besten Freunde sind schwarz, aber es ist halt schon so, dass die Leute aus Afrika aggressiver sind“).

Das untergegangene Memphis lag in Afrika und war im Ägypten der Pharaonen über Jahrtausende der härteste Konkurrent Thebens um den Status der wichtigsten Metropole am Nil. Von Memphis sind nur Ruinen übrig geblieben, sowie eine österreichische Zigarettenmarke, ein Modetanz und diverse Städte in den USA gleichen Namens. Das Zürcher Memphis ist eine Bar an der Langstrasse und ist im Laufe der Jahre vom Milieu- zum Szenelokal geworden. Heute finden dort Konzerte statt, das Publikum ist jung und urban. Der gut laufende Betrieb scheint ein quirliges Mitglied der alternativen Langstrasse-Szene zu sein, ein hipper Kulturbetrieb mitten im weltoffenen Chreis Cheib.

Diesen Eindruck kann P.V., ein Schweizer mit tamilischen Wurzeln, nicht bestätigen: «Ich und meine Mitstudentin wollten am Wochenende in Memphis. Wie stets mussten wir am Türsteher vorbei. Vor dem Eintritt wollte er unsere IDs sehen. Wir haben ihm diese ausgehändigt und er hat unsere Daten kontrolliert. Danach gab er uns die Karten zurück, sagte meiner Kollegin sie darf rein und mir, dass ich draussen bleiben muss.»

Auf Nachfrage habe der Türsteher geantwortet: «Der Inhaber ist ein wenig ein Rassist und will keine Kanaken, Türken oder Inder in seinem Lokal». Wir waren geschockt und ich habe den Türsteher nach seinem Namen gefragt, doch er hat ihn mir nicht gegeben. Daraufhin sind wir ins Klaus». Sajib Barua, der Betreiber der Memphis Bar, kann sich nicht vorstellen, dass sein Security-Mitarbeiter P.V. mit exakt diesen Worten abgewiesen hat: «Immerhin gibt es in diesem Land Gesetze».

Er fügt aber an, dass es früher immer wieder mal Ärger mit Dunkelhäutigen gegeben habe – und, dass er ‚diese Leute‘ nur ungern in seinem Lokal habe. Er müsse schliesslich schauen, dass sich seine Schweizer Gäste wohl fühlen. Sajib Barua stammt aus Bangladesch und liebt die Schweiz. Ganz anders als die Menschen, die er nicht in seiner Bar sehen möchte, denen er pauschal unterstellt, das Land das ihnen Essen und ein Obdach gebe nur auszunutzen.

Der Rassismus schätzt den überraschenden Auftritt, liebt es zu überrumpeln. Darin hat er es zur Meisterschaft gebracht. Es gelingt ihm immer wieder, jenen die Sprache zu verschlagen, die ihm nicht gewogen sind. Und wenn man denkt, man kenne seine Wirkungsstätten, taucht er in einer angesagten Langstrasse-Bar auf. Geführt von einem Gastronomen, dessen Hautfarbe den meisten Schweizer Rassisten suspekt sein dürfte.

24 Kommentare zu ««Keine Kanaken, Inder oder Türken…»»

  • Dingsdö sagt:

    Momentan treibt eine Menschenrechtsgruppe mit dem Feindbild „alte weisse Männer“ ihr unwesen. Das üble daran ist, es ist sogar salonfähig! 8)

  • Simon sagt:

    Wo wird hier etwas von Nazi geschrieben? Was heisst hier Keule? Zum Ersteren gibt es absolut keinen Zusammenhang und zum Zweiten: Der Clubbesitzer gibt zu, dass er Rasssist ist und das wird im Blog geschrieben.. Also nichts mit Keule!
    Würde ein Club so offensichtlich wie das Memphis von dir erwähnte Personen ablehnen, gäbe das genau gleich Artikel darüber. Im Falle des mehrheitlich von Dunkelhäutigen (es gibt auch weisse Afrikaner) besuchten Clubs wäre der Aufschrei riesengross, vorallem von einer ganz bestimmten Seite her.
    Also lass bitte das Rechtfertigen von etwas, das nicht zu rechtfertigen ist.

  • Georg sagt:

    Ich frage mich, wie man sich so erniedrigen kann, um in Züri in der Kälte in einer Warteschlange zu stehen, um in einen „Club“ eingelassen zu werden. In einen Club, wohlstanden, nicht in einem von Hungersnot gebeutelten Land in eine Bäckerei.

    • Roland Koch sagt:

      Masochismus ist nicht so selten wie Sie glauben. Im Fall der Clubs hängt es aber mehr damit zusammen, dass Menschen gerne das Gefühl haben etwas Besseres zu sein. Sie holen sich den Kick, wenn sie tatsächlich rein dürfen. Solche Clubs gepaart mit Rassismus passt da wie die Faust aufs Auge.
      Der Check an der Türe lautet ganz einfach:
      – Bist du weiblich und hübsch genug.
      – Bist du männlich und egozentrisch/egostisch genug.
      – Trägst du deine Hochnässigkeit genügend zur Schau.
      – Stinkst du nach Geld.
      – Schaffst du es der Geltungssucht des Türstehers zu entgehen.
      – Passt du ins Klischee das sich der Club auf die Fahnen geschrieben hat.

      • Alex Flach sagt:

        Bei solchen Kommentaren finde ich immer schade, dass sie eigentlich ein paar gute Diskussionspunkte zu bieten hätten, die dann aber von einem Haufen Vourteile, persönlicher Abneigung und Aversion aus irgendwelchen Gründen (man ist mal abgewiesen worden, andere wurden bevorzugter behandelt als man selbst, etc.) zugedeckt werden, sodass man sie nicht mehr sieht (in diesem Fall Gründe für Rassismus an Clubtüren). Deshalb findet die Diskussion dann auch nicht statt sondern einfach nur ein gegenseitiges Austauschen von Feindseligkeiten, das am Ende keinem was bringt. Und zudem wirkt man nicht wie jemand der was zu sagen hat, sondern einfach nur wie Troll der die Anonymität solcher Kommentarspalten nutzt. Egal zu welchem Thema, egal ob man tatsächlich was zu sagen hätte. Ganz übel wird es dann, wenn man seine eigenen Kommentare unter einem anderen Pseudonym beantwortet um seiner ursprünglichen Aussage mehr Gewicht zu verleihen (soll ja vorkommen…): Das ist dann nicht nur ein bisschen erbärmlich. Hier geht so viel Zeit verloren die auf jeden Fall sinnvoller genutzt werden könnte.

        • Roland Koch sagt:

          Mein Pseudonym ist jedes mal ein anderes, da haben Sie recht und zwar um wie Sie richtig vermutet haben und wofür ein Pseudonym nämlich ist, um anonym zu bleiben. Das ist auch völlig legitim, da die Welt nicht nur lieb und nett ist. Sie mögen das vielleicht als paranoid einstufen, hat aber tatsächlich nichts mit Anfeindungen oder Trollen zu tun sondern mehr mit einem Versuch zu tun, nicht kategorisiert und und katalogisiert zu werden. Im übrigen wechsle ich den Namen nicht innerhalb eines Artikels, das wäre kontraproduktiv.
          Sie mögen meine Auflistung ja vielleicht als Vorurteil einstufen, aber wieso Sie dabei angeblich Zeit verlieren ist mir unklar. Es steht ihnen schliesslich frei den Teil zu ignorieren oder ihn nicht zu veröffentlichen.

          • Alex Flach sagt:

            Ich veröffentliche alles, das nicht Irgendjemanden persönlich verleumdet oder beleidigt, egal wie unsachlich es ist. Scusi (wgen des Pseudonyms) und ja: Man wird mit der Zeit etwas paranoid.

  • Der Ausländer sagt:

    Ich mein ja nur, der Clubbesitzer ist auch ein „Ausländer“ und er verbietet ihnen den Einlass. Und wie will ef behaupten, dass alle Ausländer genau gleich sind! Es sind auch nicht alle Schweizer genau gleich! Gibt auch nette und dankbare Ausländer hier in der Schweiz und genau das Gegenteil der Schweizer. Undankbare!

    • Müller sagt:

      ah man müsste ganz einfach mal ne Statistik machen wie viele Afrikaner, Albaner und Türken während einem Jahr nicht ins Hive, in die Büx oder ins Klaus rein kommen. Bestimmt mehr Personen als Anzahl Tage eines Jahres (Und ja, jetzt kommen natürlich bald der Hive Promoter und die Szenis, und die sagen: bei uns ist es aber ganz was anders).

      • Alex Flach sagt:

        Der Hivepromoter hat entschieden auf doofes Forengetrolle und lahme, unfundierte Unterstellungen in Endlosschleife nur noch hiermit zu reagieren: 🙂 …wenn überhaupt

      • Urs sagt:

        An Herr Müller. Es war mal wirklich so dass bei den dir genannten Clubs streng selektiert wurde. Kann dir aber klar sagen es hat sich gewaltig verändert. Einige der genannten Clubs lassen nun wirklich alles rein.Hauptsache der Laden ist voll. Das Publikum hat sich in einigen Clubs gewaltig verändert. Die grosse Konkurrenz lässt keine andere Wahl zu. Ansonsten geht ein Club unter.Also somit kein Rassismus dort vorhanden.

        • Müller sagt:

          @ Urs. (PS an Flach, ich bin nicht R. Koch), also für mich sind Clubs wie Hive, Büx, etc. auf jeden Fall nicht rassistisch (Rassismus ist nichts Gutes). Aber ja, kann denn ein Ort wie das Memphis, welches Bilder von Südamerikanern, Brasilianer, Thailänder und so weiter auf seiner Facebook-Seite hat (Jahr 2016), echt rassistisch sein? Was mich einfach an vielen Berichten vom Hive-Promoter stört: Da die Guten, dort die Schlechten. Bezüglich lahme Troll-Beiträge: Wäre doch besser gewesen, mal ein Bericht zu machen, ob Menschen aus dem Kosovo sich in serbischen Clubs in Zürich wohlfühlen? Oder wie es ist, wenn 2 Guys sich an einer Disco-Party im Kauf küssen bzw. knutschen? Aber egal jetzt, ich habe fertig, falsche leer.

          • Alex Flach sagt:

            🙂 Es gibt selektiven Rassismus, teilweise mit katastrophalen Folgen wie beim Völkermord in Ruanda. Oder etwas weiter zurück… die NSDAP war auch nicht allen ausländischen Ethnien gegenüber feindlich gesinnt und auch Stalin hatte Vorlieben bei der Wahl welche Volksgruppen er in den Gulag schickt. Und anscheinend hat der Rassismus im Memphis schon länger ein Zuhause: https://noisey.vice.com/alps/article/vb7kqm/die-memphis-bar-hat-schon-lange-ein-rassismus-problem

          • Alex Flach sagt:

            Was Balkanclubs in ZH anbelangt gibt‘s leider auch unschöne Beispiele: http://www.tilllate.com/de/mobile/story/club-jil-rassismusvorwuerfe#1

          • Alex Flach sagt:

            Sajibs Misstrauen bestimmten Nstionalitäten oder Ethnien stammt rührt gemäss Aussage offenbar daher, dass früher im Memphis geklaut und Unruhe gestiftet haben und er ist offenbar der Ansicht, dass das Problem in der Mentalität von gewissen Ethnien oder eben Nationalitäten zu verorten ist. Das Problem mit den Indern (wobei ja nicht er den Titelsatz zum Besten gegeben hat) könnte eventuell daher rühren, dass Bangladesch historisch doch viel eher Pakistan zugetan ist. Tendenziell und auch aus religiösen Gründen.

  • Röschu Cohn sagt:

    „Sajib Barua, der Betreiber der Memphis Bar, kann sich nicht vorstellen, dass sein Security-Mitarbeiter P.V. mit exakt diesen Worten abgewiesen hat“
    Interessant, dass der Betreiber sich nicht gegen den Rassismus-Vorwurf an sich zur Wehr setzt, sondern lediglich dagegen, dass sein Mitarbeiter dies als Begründung für den Nicht-Einlass anführen…

  • B.Ould Yali sagt:

    Ich bin sprachlos…..

  • Roman sagt:

    tja nun wirds schwierig für den türsteher – keine zu jungen, nicht zu viele männer, keine nicht szenies (je nach club, wo man hin will), keine besoffenen, keine anzügig gekleideten damen … und keine dunkelhäutigen Ausländer (von denen wird hier wohl berichtet). meine erfahrung beschränkt sich darauf mal nicht reingekommen zu sein, weil ein mann, obwohl schon um 10 vor dem eingang (als einzige) (dafür danach eine geile party im spidergalaxy) und darauf angesprochen worden zu sein, etwas konsumieren zu müssen (weil mit der töffjacke in der bar gestanden) Schade, dass es diese unterscheidungen an der tür gibt. man sollte lieber mal schauen, wer sich wie im innern benimmt und dann die entsprechenden personen an der tür nicht mehr rein lassen….

  • geezer sagt:

    das im oben beschriebenen club derart offensichtlich rassistisch gehandelt wird, erstaunt. ich könnte mir aber gut vorstellen, dass es andernorts einfach schnell ‚wir sind voll‘, ‚zu viele männer im club‘ etc. heisst, falls ‚ungewünschte‘ ethnien vor der türe stehen….oder irre ich mich da?

    • Müller sagt:

      Es ist eben schon korrekt so, dass der Besitzer des Clubs entscheiden darf, wen er in seinen Hallen möchte und welche Personen nicht. Ist ja ganz normal so. Würde man immer gleich mit Rassismus-Nazi-Keule kommen, dann wär so mancher Club in Zürich Homophob, intolerant (Anti-Pelz-Leder-etc.) oder sexistisch (Bevorzugung von Frauen bei den Eingängen). Und würde es dann auch sofort einen Artikel geben, wenn ein Schweizer in einem Club mit 99 Prozent afrikanischen Gästen (gibt es ja auch in Zürich) abgewiesen werden würde, da dieser Club kein Klientel mit weisser Hautfarbe ansprechen möchte?

      • Alex Flach sagt:

        Ich denke schon, dass ein Club in den explizit keine Weissen gelassen werden eine Geschichte abwerfen würde, ja. Und was heisst „Rassismuskeule auspacken“… die wurde vom Mempfhis nicht nur bereits ausgepackt, sondern auch geschliffen und poliert.

  • Hans Nötig sagt:

    Das kommt häufig vor in unserem schönen Lande! Wenn man nich weisshäutig ist, ist es sehr schwer in Clubs zu kommen! Als Schweizer (oder ums in Wutbürgersprache zu sagen: reiner Eidgenosse) wurde ich, weil schneller braun als der 0815 Schweizer, mir von Türstehern vom Balkan oder der Türkei sagen lassen „wir woolle kein Usländer ims Club, hau ab du“ oder so ähnlich….

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