Abstimmung leicht verdaut

Das Stimmvolk sagte Ja, wo es doch Nein hätte stimmen müssen! Und Nein, wo Ja! Tipps, wie man damit umgeht.

 

Vielleicht war ja der vergangene Sonntag so einer. Das Stimmvolk sagte Ja, wo es doch Nein hätte stimmen müssen! Und Nein, wo Ja! Oder es hätte sich wenigstens der Stimme enthalten sollen, wenn es von der Sache schon nichts versteht.

War es ein solcher Sonntag? Dann bitten wir Sie an dieser Stelle aufrichtig um Entschuldigung: Dann haben wir von der Gebrauchsanleitung Sie da ein bisschen allein gelassen vergangene Woche. Wir gaben Tipps für einen genussvollen Urnengang und gingen – Optimisten, die wir sind – einfach davon aus, dass das, was wir uns (und Sie sich) wünschen, auch eintreten würde.

Aus zwei Gründen liefern wir Ihnen heute die entsprechende Gebrauchsanleitung noch nach: Nächstes Jahr sind – erstens – wieder zahlreiche Wahlen und Abstimmungen. Der Stadtrat! Das Parlament! All die Politbeobachter können schon heute kaum mehr still sitzen. Und manchmal – zweitens – hallt so ein Ergebnis eine Woche und mehr nach.

Folgende sechs Tätigkeiten/Tipps könnten Ihnen bei der Verarbeitung helfen.

1. Geben Sie Ihren Gedanken Auslauf. Zum Beispiel in der Altstadt. Am Sonntag ist sie nämlich angenehm leer. Flanieren Sie an die Limmat runter. Schwelgen Sie in Nostalgie – früher war alles besser, alles schöner, alles einfacher. Irgendwann dreht sich vor Ihrem geistigen Auge der Hafenkran übers Wasser, dieser rostige Koloss. Spätestens hier wird Ihnen bewusst, dass Sie wegen eines falschen Resultats, seis bei der AHV oder beim Dada-Haus, nicht allzu lange zürnen sollten. Das Wichtige nämlich ist schon richtig in dieser Stadt. So einen Hafenkran etwa wird es nie mehr geben. Steht im Gesetz.

2. Fokussieren Sie auf das Licht am Ende des Tunnels. Gehen Sie in einen Escape Room. Dort müssen Sie Rätsel lösen, um sich aus der Gefangenschaft zu befreien. Das wird Sie vor allem eines lehren: Es gibt immer einen Ausweg – je aussichtsloser die Situation scheint, desto hüpfender lässt sich diese begehen.

3. Verbünden Sie sich im Geiste mit den anderen Nicht-Gewinnern. Stehen Sie mit einem zerfetzten Sonnensegel oder einem billigen Sonnenschirm auf den Sechseläutenplatz. Werden Sie sich gewahr, dass Sie nicht der Einzige sind, der in letzter Zeit hat Niederlagen einstecken müssen.

4. Verschaffen Sie sich Luft. Kaufen Sie einen Laubbläser. Online. Nächste Woche zahlen Sie es den Nein-/Ja-Sagern frühmorgens heim. Am besten an einem Sonntag.

5. Trainieren Sie Verdrängung. Gehen Sie nach Bern oder Basel. Fahren Sie Flexity. Die befreiende Wirkung setzt dann ein, wenn es Ihnen gelingt, den Gedanken zu verdrängen, dass diese Dinger dereinst auch auf Zürcher Schienen verkehren werden.

6. Fahren Sie mit einem O-Bike vom See in den Zoo. Dann fehlt Ihnen der Sauerstoff im Hirn, um weiter über etwas Gewesenes nachzudenken.

3 Kommentare zu «Abstimmung leicht verdaut»

  • tina sagt:

    ich denke dann öfter „scheiss direkte demokratie, man sollte den leuten das stimmrecht entziehen und die schweiz in ein königreich umwandeln. so ein könig hätte vorteile“. früher oder später fallen einem dann schon wieder die guten gründe für direkte demokratie ein.

  • Martin O sagt:

    Es tut mir leis es sagen zu müssen aber solche Artikel sollten in einer seriösen Zeitung nicht sein. Auf dies eArt eine Propaganda für die linke Regierung in ZH zu machen ist plump. Was den Kran angeht, die werden sich schon irgendein teueren Unsinn ausdenken, welchen man unter Kunst dem Volk verkaufen wird.

    • Kusi sagt:

      @Martin O.
      Mir tut es leid sagen zu müssen, dass in einer seriösen Zeitung Leute zu Wort kommen lassen, die weder richtig schreiben können noch Ironie verstehen auch nicht sein sollte.. Aber so haben Sie und ich beide auch unsere Last zu tragen, gell!

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