Zum Glück wurde das Rind nur einmal getötet

Der Abend in der Osteria Centrale wird von Diskussionen über Vegetarier, Veganer und blutige Filetstücke begleitet.

Zuerst bekomme ich einen skeptischen Blick des coolen Typen hinter der Bar. «Schorle?», fragt er. Ja, Apfelschorle. Immer noch der skeptische Blick. «Also keine Schorle?», fragen wir verunsichert. Aha, es gibt auch Rhabarberschorle. Gut, dann die. Dafür will man uns draussen auf der Terrasse der Osteria Centrale in Wipkingen, wo wir beim Apéro auf die Jungmannschaft warten, grad nochmals etwas zu trinken servieren. Die Karte ist mediterran und relativ fleischlastig. Das gefällt dem Karnivorensohn: Ein Angus-Filet (46 Fr.) muss auf den Teller. Mit Süsskartoffeln garniert. Es gibt in der Folge eine kleine Diskussion mit dem Kellner, weil der junge Mann das Filet «well done» ordert und der Connaisseur weiss: «Well done wäre, als würde man das Rind zweimal töten.» Der Sohn blickt den Kellner erstaunt an, lenkt aber ein und gibt der Küche grünes Licht für «medium». Zur Vorspeise ordert er ein Parmesantörtchen mit Salat (13.50 Fr.). Das Filet kommt schliesslich doch ziemlich blutig auf den Tisch, wird vom Karnivoren aber ohne Murren zügig verspeist und hoch gelobt. Seine Elfe entscheidet sich für die Pasta fatta a mano, Tagliatelle mit hausgemachtem Sugo (28 Fr.) und etwas Burrata obendrauf. Das schmeckt ihr ganz besonders gut. Aber auch die Hauspasta lässt sie schwärmen.

Der Spaghetti-Liebhaber hat ausnahmsweise Lust auf Riesencrevetten (41 Fr.), aufgespiesst auf einem Zitronengras-Stängel, serviert mit Fenchelstreifen an einer Pastissauce. Diese schmeckt unerwartet saugut und erinnert ihn an seine Ferien in Frankreich. Zur Vorspeise gibt es einen Salat, garniert mit Feigen und ausgezeichnet gewürzten Pilzen (11 Fr.).

Am Tisch bricht derweil eine hitzige Diskussion über Vegetarier und Veganer aus, inklusive deren inkonsequente Haltung, insbesondere was die Kleidung und das Schuhwerk betrifft. Darum sind alle am Tisch froh, als das Essen aufgetischt wird.

Das Interieur der Osteria Centrale nahe der Nordbrücke ist sehr gemütlich, fast schon familiär. Alte, aber gut erhaltene Secondhand-Möbel, die Wände voller Bilderrahmen, die mit den historischen Fotos die Geschichte des Quartiers erzählen und zu allerlei Spekulationen verleiten, wo und wann was aufgenommen wurde.

In der Osteria Centrale, dem ehemaligen Café Letten, sind auch an einem gewöhnlichen Mittwochabend alle Tische besetzt. Das Restaurant besteht aus zwei Räumen, die von einer durchlässigen Säulenwand getrennt werden. Im etwas erhöhten Teil des Lokals wird fein gespeist. Im vorderen Raum treffen sich im Lauf des Abends Leute aus dem Quartier zu einem Gläschen irgendwas. Dienstags und mittwochs wird über Mittag in der Osteria frische Pasta direkt vor den Gästen fabriziert – das erfahren wir per Zufall.

Für die gute Stimmung gibts noch etwas Süsses. Das Zitronen-Tiramisù (11 Fr.) mundet so gut wie die Zwetschgenstrudel-Stückchen mit Sauerrahmglace (12.50 Fr.). Es war gemütlich im Centrale, das Essen vorzüglich. Wir kommen wieder.

Osteria Centrale, Nordstrasse 205, 8037 Zürich
Montag bis Freitag 10 bis 00.00 Uhr,
Samstag 11 bis 00.00 Uhr
Tel. 044 370 20 86
Website

1 Kommentar zu «Zum Glück wurde das Rind nur einmal getötet»

  • Josipovic Zlatko sagt:

    Wissen sie was in all diesen Restaurants gibts überall das gleiche, das Ambiente muss schön sein und die Dekoration um die Speisekarte zu übertreffen,
    also gibt es
    Angus-Filet, ein normales Filet, Vaguebeef, ein normales Filet,Entrecote,Kalbsschnitzel,Kalbskotelett,Geschnetzeltes, sowie Cordon Bleu dies alles zu horrenden Preise, nichts aufregendes, einmal im Leben war ich im CASA FERLIN, einmal in der Kronenhalle und einmal beim EMILIO auch in der Food Fabrik Zeughauskeller, Schweinshaxe ohne Schwarte damit es die Küche leichter hat, dort bekommen sie das Essen und das Bier sozusagen im „gleichen Augenblick“ wie sie es bestellern…..jetzt kann ich auch mitreden…

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