Geiz ist geil

Handlungen haben Konsequenzen. Immer. Und in diesem Fall gilt meine Hauptsorge nicht den Flüchtlingen.
Diese Familien gehen sicher wieder aufs Boot, weil sie vom Sozailhilfestopp erfahren haben.

Sie gehen sicher wieder aufs Boot, weil sie vom Sozailhilfestopp erfahren haben. Bild: Aris Messinis

Haben Sie heute schon einen Kaffee getrunken? In Zürich, einen Latte für 6.70 Franken? Nun, dann haben Sie all das Geld, das Sie als Kantonszürcher durch den Sozialhilfestopp für vorläufig aufgenommene Flüchtlinge in einem Jahr eingespart haben, bereits ausgegeben. 10 Millionen Einsparungen bei 1.5 Millionen Zürchern. Rechnen Sie selbst.  Für diese 6.70 Franken haben Sie in einem der reichsten Ländern der Welt eine Gruppe von Menschen unter das Existenzminimum gedrückt.

Letztes Wochenende entschieden sich die Zürcher dafür, es den Schwächsten in unserer Gesellschaft noch etwas schwerer zu machen. Anstatt mit 900 Franken müssen die Menschen mit Status F jetzt mit mit 360 Franken pro Monat auskommen. Für Kleider, Toilettenartikel, Essen, soziale Interaktion. JOBSUCHE, etc. Das sind 12 Franken am Tag.

Nein, ich jammere nicht über einen demokratischen Entscheid. Ich bin überzeugter Demokrat. Ich will nur die Konsequenzen aufzeigen, die dieser Entscheid mit sich bringt. Denn Handlungen haben Konsequenzen. Immer. Und in diesem Fall gilt meine Hauptsorge nicht den Flüchtlingen. Für die werden sich wohl Freiwillige und NGOs finden, welche die Pflicht übernehmen, allen Menschen in unserem Land ein einigermassen würdevolles Leben zu ermöglichen.

Ich mache mir Sorgen um das Seelenheil der Menschen, die aus Angst, Neid, Geiz oder Unwissenheit entschieden haben, dass ein Flüchtling F weniger wert ist als ein Mensch mit einem anderen Status. Denn genau das ist die Aussage dieses Entscheids. Sozialhilfe wurde als Minimum für ein menschenwürdiges Leben für eine Person berechnet. Mit dem Entscheid steht die Aussage, dass diese Menschen mit dem Status F entweder kein menschenwürdiges Leben führen sollen, oder aber keine richtigen Personen sind.

Und Sie, falls Sie für den Sozialhilfestopp gestimmt haben, müssen jetzt jeden Morgen in den Spiegel schauen, an Ihrer Zahnbürste für acht Franken vorbei, und damit leben, dass sie in Ihren Handlungen Menschen auf den Status von Untermenschen degradiert haben. Handlungen haben Konsequenzen.

Natürlich haben Sie irgendwelche Ausreden. Dass diese Leute sich um einen Job bemühen sollen und deshalb so motiviert werden müssten. Hm, dann sollten wir wohl allen Arbeitslosen das Geld streichen und sie so motivieren. Nicht? Weil das nicht «solche» Menschen sind?

Und Sie wollten der Signalwirkung der Sozialhilfe auf Flüchtlinge entgegenwirken, damit die nicht hierherkommen und es sich gemütlich machen. Hm, weil die Menschen vor ihrer Flucht schnell im «20 Minuten» nachschauen, ob die Zürcher ihnen die Sozialhilfe gestrichen haben, bevor sie sich auf eine lebensbedrohende Reise begeben?

Und wahrscheinlich wollten Sie ein Zeichen für irgendwas setzen. Nun, das haben Sie. Ein Zeichen für den Zustand Ihrer Empathie.

Egal, was Sie für eine Ausrede haben: Sie müssen mit Ihrem Entscheid leben. Sie müssen weder mir noch sonstwem Rechenschaft dafür ablegen. Aber Sie müssen sich Ihrem eigenen Gesicht im Spiegel stellen. Sie müssen vor Ihrem eigenen Gewissen bestehen.

Viel Spass bei Ihrem nächsten Kaffee für 6.70 Franken.

Für einmal hab ich die Kommentarfunktion geschlossen. Ich will mir diese Woche keine Rechtfertigungen anhören.

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