Eine Glacegeschichte (10a)

Kapitel 10a der (spät-)sommerlichen Glacégeschichte.

Einfach mal den Materazzi machen. Bild: Pixabay

Nun gibt es keine Ausrede mehr. Nichts kann jetzt noch verhindern, was wir schon zweimal versprochen (aber keinmal eingelöst) haben – dem Zmorgebüffet-Tubel gehörig die Kappe zu waschen. Beziehungsweise: dem Zmorgebüffétubel, wie es unser Korrektorat am 14. Juli 2006 noch für korrekt hielt, als die Zeilen, die wir nun für diese Sache einsetzen, erstmals erschienen – in meiner «La Dolce Vita»-Kolumne.

«Plagiat!» ist also der falsche Vorwurf, «faule Sau!» passt schon eher, ich glaub, ich würde es Müdigkeit nennen. Mal abgesehen davon: Ist es nicht total interessant, wenn man die Möglichkeit erhält, quasi in den früheren Maschinenraum zu blicken und (mit etwas Fantasie) die alten Denkdiesel krampfen zu hören? (Mich jedenfalls würde das interessieren, aber mich interessiert ja auch die Biografie von Johann Gottlieb Benjamin Siegert, ich bin da wohl kein Massstab). So, und hier ist es, das originalgetreue Original von 2006 (die Ratschläge kann man ja dann in den Herbstferien anwenden): «Rechtzeitig vor dem grossen Zürcher Exodus in andere Kantone oder fremde Länder schiebe ich hier noch die längst versprochene Episode ‹Der Zmorgebüffétubel› nach. Zum Apéro ein bisschen Urlaubsstimmung.

Stellen Sie sich vor, Sie stehen nach ausgiebigem (Bei-)Schlaf am Frühstücksbuffet, fühlen sich verzückt wie beim Anblick eines Matisse-Gemäldes, picken zaghaft einige Tranchen Lachs, löffeln ein wenig Meerrettichschaum auf den Teller, pflügen das Messer durch crèmigen Taleggio, zapfen Ananassaft, inhalieren den Odeur frischer Croissants… doch plötzlich – igitt! – scheinen die Croissants zu stinken. Der Zmorgebüffétubel (ZBT) steht direkt hinter Ihnen!

Duschen am Morgen? Kennt er nicht. Sein Parfüm ist der Nachtschweiss, allenfalls kombiniert mit fischelnden Spermarückständen, die seinen klebrigen Johann zieren. Dem adäquaten Flüstern zieht er das informative Schreien (‹Hey guys, have you already been to the old town? It’s gorgeous!›) oder das giftige Motzen (‹Pardon monsieur, mais ça c’est mon croque-monsieur!›) vor.

Während er mit seinen dreckigen Schlarpen andern Touris auf die Latschen tritt, versucht er, seinen essbaren Pisaturm an den Tisch zu balancieren. Hat er, was keine Ausnahme darstellt, als Fundament Rührei gewählt, ist es wahrscheinlich, dass der Food unterwegs auf den Boden klatscht. Locker lächelnd baut er sich kurz darauf einen neuen Turm.

Wollen Sie die Ferien geniessen, müssen Sie den ZBT sabotieren. Ein paar Ideen. Machen Sie den ‹Materazzi› (werfen Sie ihm eine deftige, aber nicht rassistische Beleidigung an den Kopf ).

Machen Sie den ‹Cristiano Ronaldo› (steht Ihnen der ZBT auf den Füssen, lassen Sie sich theatralisch fallen und beginnen Sie mit schmerzverzerrtem Gesicht zu kreischen). Machen Sie den ‹Beckenbauer› (labern Sie den ZBT rund zehn Minuten lang mit totalem Nonsens voll). Nützt alles nichts, machen Sie halt noch den ‹Zidane›. Ab dem dritten Tag wird der ZBT freiwillig aufs Frühstück verzichten.»

Tipptopp. Und damit geht meinereiner in die Spätsommerferien, Kollege Brusa übernimmt. Ich bin im Oktober zurück, um diese Glacegeschichte ins Ziel zu bringen, bevor sie wegen Frosts noch auf halber Strecke zufriert.

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