Super Abend!

Sardinen, Wein, Artischocken, Wein, Entrecote, Wein. Und zum Schluss die Frage: Wie könnte dieser Zürcher Abend nun weitergehen? Ein Besuch im Schnupf.
Bild: Facebook/Schnupf

 

Ein Abend im Schnupf beginnt an der Bar. Wo er endet, ist offen. Dies galt auch am vergangenen Donnerstagabend. Mit dabei waren eine Freundin und zwei Freunde. Da sich zwei von ihnen verspäteten, mussten die anderen warten. Und dafür eignet sich eben diese schmucke, dunkelholzige Bar direkt beim Eingang. Das Lokal, das ehemals Rangierbahnhof hiess und von einigen als «ältestes Restaurant der Stadt» apostrophiert wird – was natürlich Unsinn ist, aber etwas über den Stolz und die Fantasie der ehemaligen Stammgäste aussagt –, entfaltet seinen Charme schon beim Eintreten: Holzverkleidung, verwinkelte Räume, gedämpftes Licht. Eine Art Bähnler-Romantik macht sich breit, denn die junge Crew, die seit diesem Jahr das Schnupf führt, hat vieles noch so belassen, wie es einst war. Und wie einige es vielleicht noch aus den Filmen von Kurt Früh kennen – der Regisseur hat hier «Hinter den sieben Gleisen» gedreht.

Das Schnupf liegt nicht nur etwas zurückversetzt in einem ruhigen Winkel des Kreises 4, es ist selber wie eine Höhle, in die man sich verkriechen kann. Lange Zeit war nicht klar, was mit dem Restaurant geschehen soll. Nachdem der vormalige Besitzer Blacky – eine eindrückliche Figur übrigens, wie ein Clip auf der Streamingplattform Vimeo zeigt – im letzten Jahr aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste, war für die Vermieter klar: Sie wollten keinen der Zürcher Gastro-Platzhirsche im Schnupf, sondern eine frische Crew. Okay, Dieter Meier hat auch irgendwie seine Finger im Spiel, zumindest gibt es hier sein Fleisch und seinen Wein.

Der Barkeeper im weissen Hemd mixt Drinks. Zwei Suze Tonic, und schon sind die restlichen Gäste eingetroffen. Einer, von Beruf Weinhändler, bestellt eine Flasche Châteauneuf-du-Pape (87.-), der sich aber als zu schwer herausstellt für die Vorspeise, also ordert der Weinkenner zusätzlich einen Pinot noir (76.-). Wir setzen uns an den Tisch direkt am Fenster, den besten Platz des Restaurants, mal abgesehen vom Garten. Vor uns auf dem Tisch steht bald eine grosse Artischocke (17.-), die wir teilen. Und ein Teller mit Sardinen (15.-), die in der Dose serviert werden und tipptopp schmecken. Der Pinot passt auch. Als dann das Entrecote (45.-) serviert wird – es ist das Einzige, was man im Schnupf als Hauptgang bestellen kann – mit einer heftigen Béarnaise und zwei Schüsseln Pommes frites, kommt der Franzose wieder ins Spiel. Und irgendwann noch ein Flasche Château D’Angles (55.-), ebenfalls schwer. Ebenfalls fein. Eine andere Flasche offeriert der Weinhändler in einer grosszügigen Geste nicht uns, sondern den Frauen am Nebentisch. Der Pegel steigt.

Bei einer Zigarette vor dem Haus bespricht man schliesslich…Ja, was bespricht man eigentlich? Egal. Die Stimmung stimmt. Das Lokal wird immer voller und lauter. Viele Junge, die zwar nicht essen, aber trinken, bevölkern den Raum. Ah ja, genau, was man bespricht: Wie könnte dieser Zürcher Abend nun weitergehen?

Schnupf, Neufrankengasse 29, 8004 Zürich
Dienstag bis Samstag, ab 16 Uhr
Tel. 044 291 92 73
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