Eine Glacegeschichte (10)

Der zehnte (etwas düstere) Teil der sommerlichen Glacegeschichte.

Klar, die Perspektiven von Journalisten um die 50, ich glaub, das darf man getrost so neutral formulieren, sahen schon mal pittoresker aus – der Weg bis zur Pensionierung ist unheimlich lang, derjenige bis zur Arbeitslosigkeit womöglich unheimlich kurz; dagegen sieht selbst schwarzer Humor noch kunterbunt aus.

In solchen Momenten kann es nun helfen – ach ja, dies als Warnhinweis: Diese Gebrauchsanleitung begibt sich jetzt dann tatsächlich grad zum ersten Mal auf das perfide Terrain der pseudopsychologischen Lebenshilfe; wer uns diesen gewagten Schritt nicht zutraut, soll hier aus-, und beim überübernächsten Abschnitt (und dem Wort «Jedenfalls») wieder einsteigen –, dass sich betroffene Journalisten die eine oder andere «innere Streicheleinheit» verabreichen. Eine relative simple Methode: Man sucht in der Mediendatenbank nach Zeitungsartikeln, die man zu einer Zeit schrieb, als die Branche noch einigermassen gesund und man selbst noch einigermassen gefragt (und entsprechend unbeschwert und stark) war.

Bei mir hats bestens funktioniert, ich hab zufällig gar grad doppelt ins Schwarze getroffen (was besagte Streicheleinheit natürlich massiv übersteigt, da müsste man wohl eher vom inneren Oo… ooookay, lassen wir das).

Zuerst entdeckte ich eine Kolumne, die ich 2008 in New York verfasst hatte. Und darin einen Satz, der zumindest von der Logik her so verflucht smart ist, dass ich ihn a) dreimal lesen musste, bis ich ihn vollends checkte, weshalb ich b) nun ein wenig unsicher bin, ob er wirklich von mir sein kann.

Jedenfalls geht er so: «Wenn mein Flugzeug nicht vor Kloten runtergeht, werde ich am Mittwochmorgen in Zürich in der Zeitung lesen können, dass ich am Montagabend in New York geschrieben hatte: ‹Wenn mein Flugzeug nicht vor Kloten runtergeht, werde ich am Mittwochmorgen in Zürich in der Zeitung lesen können, dass ich am Montagabend in New York geschrieben hatte…›. Schon verrückt, diese Zeitverschiebung.»

Ja, und dann hatte ich doch letzten Samstag versprochen, dass der «Zmorgebüffet-Tubel», dieses jüngst von Zigtausenden Zürchern zum Teufel gewünschte Sommerferienphänomen, hier und heute sein Fett abkriegen würde. Also dachte ich (notabene ohne viel Hoffnung auf Erfolg), wenn ich da schon im Archiv rumstöbere, kann ich ja auch mal diesen Trottel recherchieren. Und siehe da – ich wurde fündig!

Erstaunlicherweise hatte am 14. Juli 2006 schon mal ein Schreiberling über die asoziale Type doziert. Mehr noch, er hatte das mit identischer Bezeichnung (die aber als «Zmorgebüffétubel» geschrieben wurde) und ebenfalls im «Tages-Anzeiger» getan. Das Überraschendste überhaupt jedoch war: Dieser Journi – Grundgütiger! – war ich selbst gewesen! Ich hatte das schlicht vergessen! Die totale Brainfinsternis!

Irgendwie ist das ja ordeli witzig, selbst für einen Direktbeteiligten wie mich. Handkehrum aber auch saublöd, da es Wasser auf die Mühlen jener Manager bedeutet, die in Ü-50-Journis vorab teure (und offenbar nicht mal mehr einwandfrei funktionstüchtige) Auslaufmodelle sehen. Sorry, Kollegen.

PS: Und nochmals sorry: Die versprochene «Zmorgebüffet-Tubel»-Attacke gibts erst nächsten Samstag – dafür aber mit dem Originaltext von 2006!

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