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Am Menschen vorbei

Réda El Arbi am Montag den 28. August 2017
«Dini Mueter ihrems Tanga» sollte den Platz für Menschen irgendwie erträglich machen.

«Dini Mueter ihrems Tanga» sollte den Platz für Menschen irgendwie erträglich machen.

«Urbane Weite» und «moderne Perspektive in die dritte Dimension» und anderen architektonischen Wortmüll müssen wir uns anhören, wenn wieder ein Freund eines Freundes oder ein «grosser Name» irgendeinen Teil der Stadt umgestalten durfte.

Supergeile Projektstudien werden den Journalisten per PDF zugestellt und an der öffentlichen Vorstellung bröseln den Lokalredaktoren die Lachshäppli von den fettverschmierten Fingern in ein extrem cooles 3D-Modell des zu bauenden Projektes – der Legofantasie einer zukunftsweisenden Stadt. Aber was auf dem digitalen Reissbrett gediegen aussieht, ist im realen Alltag oft total unbrauchbar.

Natürlich kichern wir, wenn Filippos Sonnenschirme auf dem Sechseläutenplatz und der «Dini Mueter ihrems Tanga» auf dem Münsterhof vom Winde verweht werden. Aber die verblasenen Stofffetzen sind eigentlich nur ein Symptom für das elementare Problem der Stadtplanung: Es wird am Menschen vorbei gebaut.

Ob man nun einen Platz rund um den Prime-Tower entwirft, der so hässlich ist, dass selbst die Obdachlosen und die Partybesoffenen ihn nur als Toilette benutzen, ob man mit der Europaallee einen tiefen Steinkrater ins Herz der Stadt reisst oder ob man eine Wiese in einen heissen Stein verwandelt, auf dem am Sechseläuten dann ohnmächtige Pferde grilliert werden, ist egal. Es ist nur ein stummes Zeugnis dafür, dass die Planer sich nicht eine Sekunde mit dem Nutzungsverhalten von freien Räumen in der Stadt auseinandergesetzt haben.

Die Menschen verbringen Zeit im Stadtgrün, an Orten, an denen Bäume Schatten spenden, Bänke nicht Zierde, sondern Sitzgelegenheiten sind. Lebende Menschen halten sich gerne in einem lebenden Umfeld auf. Die Leute verbringen ihre Zeit auf der Rentenwiese, in der Bäckeranlage (meist überfüllt und trotzdem begehrt), auf der Josefswiese, am Seeufer, im Platzspitzpark, auf der Chinawiese – muss ich weiter aufzählen?

«La Defense» ist der Inbegriff der lebensfeindlichen Architekturprotzerei.

«La Defense» ist der Inbegriff der lebensfeindlichen Architekturprotzerei.

Es ist eines, ob man irgendwann mal ein Selfie an einem unheimlich krassen Ort schiesst und auf Instagram postet – «Schau, ich bin in der Londoner City!» oder «Grüsse von ‘la defense’!» – oder ob man effektiv da leben muss.

Fehler in der Stadtplanung wurden von New York über London bis Paris gemacht. Man hat tolle, tote Plätze geschaffen. Und natürlich muss Zürich in diesem urbanen Schwanzvergleich mitmachen: «Lass uns was Futuristisches machen, irgendwas mit Stahl, Glas, Stein und ohne jegliches Leben. Damit keiner motzt, können wir ja noch fünf Alibibäumchen hinstellen. Das macht sich gut auf der Front eines Tourismusprospekts in der Businessclass der Städteflieger».

Alte Leute schwärmen von urbanen Visionen, die ihre kreativen Freunde in ihrer Jugend von der Zukunft hatten. Die heute umgesetzten Projekte aus ermordeten Stadtbereichen waren die feuchten Träume der Architektur- und Design-Studenten der 80er Jahre. Glaubt mir, ich hab mir in der Kunsti damals solche Skizzen ansehen müssen.

Leider wehren die Leute sich nicht für ihren Raum. Wer sich nicht begeistert zeigt, ist ein Banause. Und sobald das Projekt umgesetzt ist, geht man eben woanders hin, verbringt seine Zeit an Orten, die zum Leben einladen.

Also, liebe Zürcher, wehrt euch für euren Lebensraum. Lasst euch nicht einreden, ihr hättet keine Ahnung. Der Raum gehört euch und soll für euch gestaltet werden. Und nicht, um irgendeinen Wettbewerb zu gewinnen oder das Ego eines alternden Architekten wie Koks aufzublasen.

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58 Kommentare zu “Am Menschen vorbei”

  1. Aaron Morgenstern sagt:

    Danke, Herr El Arbi!

    Sie gehen mir zwar immer wieder auf den Keks, ich mag Sie (ohne Sie zu kennen) aber sehr. Toller Text. Knapp, treffend. Umso schöner, wenn er dann noch meine Meinung trifft! 😉 Dankeschön & bleib am Ball.

  2. ein naturfreund sagt:

    Bin wahrlich kein phippo-fan, aber trotzdem find ich das dauerbashing vom Tagi langsam anstrengend. Die meisten Kommentare und der Autor scheinen sich nach einer Beschaulichkeit zu sehnen, die es gerade in der Schweiz von Appenzell bis Nyon überall gibt. Das Städtische zeigt sich, wo Orte Multifunktionalität efüllen. damit alle Ansprüche unter einen Hut passen, lassen sich nicht in jedes Eckelin Bäume pflanzen und ist “Schönheit” halt nur eines von vielen Kriterien, die ein Ort erfüllen sollte. Das sollten Stadtbewohner aushalten. darum halte ich es für reine Polemik, dem Sechseläuteplatz jede Aufenthaltqualität abzusprechen.

  3. rené-gaston Sauvain sagt:

    Diese teils dümmlichen, primitiven und politisch hasserfüllten Kommentare sollten endlich der Vergangenheit angehören.
    Wem es in Zürich nicht passt und nur meckert soll bitte sofort verschwinden

  4. dr house sagt:

    “urbanen Schwanzvergleich”! dieser ausdruck bringt es defintiv auf den punkt. abgsehen davon, dass der artikel brilliant geschrieben ist, ist es genau das: menschen lernen nicht aus fehlern der anderen! alle die verantworltichen kennen die hässlichen mega-cities wie hong-kong und andere scheusslichkeiten, aber sie machen genau das gleiche. besonders schlimm finde ich, dass es unter dem patronat einer rot-grünen regierung geschieht! wobei “rot” auch historisch immer ein flair für steingewordene hässlichkeiten hatte. dass aber “grün” dabei mittmacht, ist wirklich sehr danaben. mit umweltschutz oder umweltfreundliche keit, geschweige denn “grün” als farbe (pfanzen/bäume) hat das…

  5. susanne g. seiler sagt:

    Hast die Steinwüste über den Viadukt nicht erwähnt. Bin beleidigt 🙂

  6. Esther Hug sagt:

    Schade, ich lese nur Negatives über den Sächsilüüte Platz. Versucht doch auch mal eine andere Blickweise anzuwenden.
    Ich finde den Platz elegant, grosszügig und er harmoniert wunderbar mit dem Opernhaus. Noch nie, vor dem Umbau, wurde und konnte der Sächsilüüte Platz so genützt werden, wie heute. Mit seinem Plattenbelag ist hier etwas sehr Schönes entstanden.
    Nun ist es an den Bewohnern, dem Platz Leben einzuhauchen, was ja offensichtlich auch im Tun ist.
    Also, bitte nicht so Negativ, vorwärts schauen bringt mehr.

    • Réda El Arbi sagt:

      “Schön” ist nicht so relevant wie “lebenswert”.

      • Esther Hug sagt:

        ………..manchmal schon. Wenn die Ästhetik fehlt, wenn etwas als hässlich oder kleinkariert empfunden wird, ist es auch nicht unbedingt lebenswert. Aber die Ansichten über schön oder hässlich sind halt verschieden. Für Michals “alte” Zürcherin bedeutet schön Eleganz, Einfügen in Bestehendes, wobei in der neuen Architektur manches nur Kopf schütteln auslöst. Doch der Bellvue, resp. Sächsilüüteplatz vermittelt Weite und Grosszügigkeit, nicht das Kleingärtli denken

        • tina sagt:

          was daran jedenfalls stimmt, ist: bevor der platz eine steinwüste war, lief man gar nicht darüber. die wiese war potthässlich und nichtmal eine wiese. irgendwas schütteres, das man ncihtmal als abkürzung brauchen wollte. und vor dem opernhaus war ja irgendwie auch nichts. jetzt laufe ich manchmal über diesen wirklich öden platz, immerhin 🙂 und ja, ich freue mich wirklich an den schönen steinen. und an der weite. aber warum dort nicht schöne bäume eingeplant wurden ist mir schleierhaft

          • tina sagt:

            kürzlich sah ich an der ecke sogar mal reda und habe mir echt überlegt, ob ich mich vorstellen soll :). nächstes mal, dachte ich ;-). man will ja keine promis an-groupen wenn diese nur mal eine mittagspause machen wollen

          • tina sagt:

            “hey hallo reda! ich bin “tina” aus dem stadblog, die dich ständig blöd kritisiert”. hust.

  7. Olivia Brunner sagt:

    sagte ein Pendler aus Stein am Rhein bevor er in den Pendlerstrom eintauchte. Hinkende Sprachbilder, die leider nichts mit der Realität zu tun haben. Wenn das Sächseläuten stattfindet ist es kalt und es werden keine Pferde grilliert. Zudem zieht der Platz viel mehr Leute an, als früher als es eine schlichte Wiese war. Das Problem sind die Architekten und die entsprechenden Schulen. Der Kronenwiesen-Klotz ist der Inbegriff eine Trutzburg die sagt, komm’ uns nicht zu nahe. Irgendwann werden wir merken, dass die Blockrandbebauung die beste Lösung war. Zürich will Weltstadt sein, aber bitte nicht höher als fünf Stockwerke, ohne Verkehr, alles mit Naturstrassen und um 10.00 ist Ruhe.

  8. Nick sagt:

    Absolute Zustimmung. Aber das Problem geht ja viel weiter und betrifft nicht bloss die Architektur. Menschen, die sich aus irgendwelchen Gründen dazu berufen fühlen, möchten die Bevölkerung zu einem bestimmten Verhalten motivieren (oder notfalls zwingen): Langsamverkehr und öV statt Auto, Quartierlädeli statt Grossverteiler/Discounter/Internet, Würmer statt Steaks, etc. Dumm nur, dass das Volk wenig Lust hat, sich nach den Ideen dieser Träumer zu richten. Es bleiben Frust und Wut der Möchtegern-Gestalter einerseits sowie Verdruss “der da unten” über “die dort oben”.

    • Réda El Arbi sagt:

      Hm. Die meisten Sachen, die du aufzählst – Verkehr, Grossverteiler, massloser Fleischkonsum – richten Schaden an. Nicht das Gleiche. Einfach nicht.

  9. Immanuel Felder sagt:

    Krass sind Sächsiläuten- und Münsterplatz selten. Sie sind wohltuend weiter als die reklamierten Oasen, je nach Wetter brauchbarer und ziehen keine Laubbläser an. Ein paar Tage Bruthitze im Jahr kann bei angrenzendem See, Limmat und Lindenhof auch als Abwechslung durchgehen, als willkommener Teil der Stadtidentität. Laubdach, Wasservögel und SZU Richtung Üetliberg sind in Gehdistanz. Und die Segel auf dem Münsterhof wären ein nützlicher, schöner, und sogar temporärer Eingriff im Stadtraum, der sich nicht dem Alten anbiedert und die Bewegungsebene nicht zumöbelt. Ärgerlich ist hier höchstens die konstruktive Umsetzung, die pro Saison mehrfach repariert werden muss. Soll?

    • Réda El Arbi sagt:

      Das gleiche könnte man über die Kehrichtverbrennungsanlage Hagenholz sagen.

      • Roman sagt:

        oh wow, wie konstruktiv!

      • Immanuel Felder sagt:

        Also gehört nichtorthodoxes Mitdenken verb(r)annt? Ich war wohl im falschen Blog. Sorry.

        • Réda El Arbi sagt:

          Naja, das Verteidigen einer mittelmässigen Planunsgidee, wie man sie an hunderttausend Orten rund um den Erdball findet, ist nicht gerade elektrisierend innovativ.

          Es ist eher das Verteidigen einer othodoxen Ästhetik, die man bereits seit den 80ern mit “urban” in Verbindung bringt. Selbst in den 30ern hatte man ähnliche Vorstellung von “futuristisch” und “Avantgarde”. Inzwischen einfach zum Erbrechen wiederholt.

          Und natürlich darf man seine Meinung äussern. Aber das bedeutet nicht, dass man keinen Widderspruch einstecken muss.

  10. marsel sagt:

    Bäume stören halt bei kommerziellen Nutzungen, und das ist es doch, was zählt, oder?

    • Hans Müller sagt:

      Seit wann schert sich eine linke Regierung um kommerzielle Interessen? Das ist sich nicht das Hauptargument, eher eine zufällige Begleiterscheinung. Im Vordergrund steht die Verwirklichung feuchter Architekten- und Künstlerträume und natürlich soll der Unterhalt nicht zu viel kosten, damit die Stadt ihr Geld für Sinnvolleres ausgeben kann (Kulturförderung, Ausbau der Verwaltung und Ausbau des Sozialstaates, etc.).

  11. Joel Meier sagt:

    Deine Schreibe ist einfach immer ein Genuss<3

  12. Thomas Kellenberger sagt:

    Hier wird aber viel gegähnt.
    Was wären denn Alternativen? Eine Wiese auf dem Münsterhof? Das würde mit der Tradition des historischen Stadtplatzes brechen, aber easy. Aber ob eine von Einweg-Grills verbrannte Wiese mit Zigarettenstummeln und Plastikmüll so viel besser ins Stadtbild passt?
    Eine Wiese am Sechseläutenplatz hatten wir auch schon. Kein Mensch hielt sich auf diesem Acker gerne auf, ausser der Zirkus war dort. Heute hat’s dank Café und Brunnen definitiv mehr Leute.
    Und man versucht ja durchaus auch andere Wege: Fürs Kasernenareal hat man Workshops mit der Bevölkerung durchgeführt. Bahnbrechende Ideen für attraktive Lebensräume kamen dabei leider auch nicht wirklich heraus.

    • Réda El Arbi sagt:

      Eigentlich würden schon bepflanzte Lauben (Kletterpflanzen an Stahlgerüst zB.) oder Baumbepflanzung reichen.

      Muss kein Bauernhof sein.

      • Thomas Kellenberger sagt:

        Etwa so wie der beliebte MFO-Park in Oerlikon oder der Turbinenplatz in Zürich West?
        Nur mit Bäumen und Stahlgerüsten scheint es nicht ganz getan…

      • Markus Rotkopf sagt:

        Falls das ein Hinweis auf den MFO-Park ist: Der war die ersten Jahre genauso tot wie die Plätze, die du hier kritisierst (wie es heute ist, weiss ich nicht, bin vor langem weggezogen).

        • Sibylle sagt:

          Ich wohne in der Ecke und kann bestätigen, dass die Park- und Rasenflächen in Neu-Oerlikon gut genutzt werden. Es sind zwar nicht die Hipster- und Alternativen-Hangouts, aber man kann da wirklich gepflegt verweilen. Der Marktplatz ist aber immer noch ungeschlagen. Für mich persönlich tragen die Parks in Oerlikon wirklich zur Verbesserung der Lebensqualität bei.

  13. heinz sagt:

    El Arbi: Sie erwähnen Ihre Erfahrung mit der Kunstszene/Kunstschulen. Wie haben Sie es denn geschafft, sich innerlich davon zu befreien? Heutzutage mag das einfacher sein, da deren Kernparadigmen gerade an die Wand fahren, aber zu Ihrer Zeit, wo diese Paradigmen noch mit Sinn aufladbar waren?

    • Réda El Arbi sagt:

      Sinn? Die Kunstszene meiner Zeit hat Sinn genauso vorgeschützt um Ego zu transportieren wie die Kulturfuzzis heute.

      Man muss Narzisst sein, um an eine eigene künstlerischr Botschaft zi glauben.

      Die Frage ist, wie weit einem das bewusst ist und was man dem Ego zu opfern bereit ist.

  14. A. Schmid sagt:

    Ja gähn Zürich. Diese Regierung muss ja schlieslich nicht gerade stehen für den Unsinn den sie veranstaltet. Hauptsache Show veranstalten. Der Steuerzahler blecht ja jeden Unsinn.

  15. Charly sagt:

    So weit ich mich erinnern kann war der Sechseläutenplatz auch vor der “Steinlegung” nicht gerade der Ort um sich zu entspannen. Die Europaallee sieht für mich genau so aus wie das neue ZüriWest – glattpolierte, aseptische Shopping- und Businessmall. Hätte jemand etwas anderes erwartet?

  16. Philipp M. Rittermann sagt:

    nun ja. zürcher halt. prestige und das eigene ego geht vor vernunft. bez. “sechseläuten-platz.” es ist mir ein rätsel, wieso man hier keine natürliche begrünung in betracht gezogen hat. so wie die steinwüste jetzt ausschaut, könnte man genau so gut noch ein paar weisse linien aufmalen und sie als parkplatz unter jahr nützen.

    • tststs sagt:

      Tausendfach im Internet nachzulesen.
      Kurzfassung: Begrünung hiess in diesem Fall 90% der Zeit irgendein plattgetretenes, ausgetrocknetes, braunes wiesenähnliches Ding.
      (Ich fand die Idee auch lange Zeit…ähm…sagen wir mal: fragwürdig. Mittlerweilen hat mich der neue Platz überzeugt ; sowohl von der Ästhetik als auch von den Nutzungsmöglichkeiten her.)

  17. Marcel Sauder sagt:

    Bin in Züri gebohren, finde Züri hat noch was Magisches. Aber in Züri wohnen möchte ich nicht mehr. Jedes Quadratmeterli Leben wird weggeputzt und in leblose Betonwüsten “verzaubert”
    Réda trifft es auf den Punkt! Danke!

    • tststs sagt:

      Also es paar Quadratmeterli mehr als die beiden genannten Plätze und Europaallee hat Züri schon… 😉
      Und dort trifft man durchaus auch auf unpoliertes Leben…

    • Hans Hegetschweiler sagt:

      Weder der Münsterhof noch der Sechseläutenplatz sind “Betonwüsten”. Beim Sechseläutenplatz liegt halt das Problem in seiner Nutzung. Ich finde auch, dass man bei diesem Platz, der keine wirkliche Begrenzung hat, grüne Inseln schaffen könnte und müssteohne dass dies der Urbanität Abbruch täte. Die Pferde können aber kaum zwischen Bäumen durch rund um den Bögg reiten. Mir kann das Sechseläuten gestohlen bleiben, aber mehrheitsfähig wäre eine Aufgabe des Böggplatzes nichtnicht. Zudem ist die Verbindung zum See, die dringend nötig wäre ohne Milliardenaufwand nicht zu schaffen. Das einzig Denkbare ist also eine Beschattung entlang der Bellerivestrasse.

    • Hans Hegetschweiler sagt:

      Beim Münsterhof ist es schon richtig, dass man zuerst einmal den historischen Platz von den Autos befreit hat und ein paar Jahre wartet, bevor man Lauben oder Bänklein oder was immer hinstellt. Dieser Platz wurde bisher noch nie anders als Parkplatz genutzt. Jetzt muss man ihm und den Menschen etwas Zeit geben, um ihn in Beschlag zu nehmen. Denkbar sind Bauminseln wie an der Peterhofstatt, aber das muss nicht sofort sein. Insgesamt ist die pauschale Kritik an urbanen Fehlplanungen in der ganzen Welt doch etwas billig, namentlich, wenn man sieht, wie Sescheläutenplatz, Münsterhof und Europaallee vor der Neugestaltung genutzt oder nicht genutzt wurden

  18. Maiko Laugun sagt:

    Bei mir in China ist die Bau-Qualität hundsmiserabel; vielleicht auch die ausschliesslich auf Profit ausgerichtete Bau-Planung. Umgekehrt wird überall viel Wert auf Grünanlagen und Parks gelegt; dies flächendeckend, als Bestandteil einer jeder neu entstandenen Siedlung.

    Als alter Stadt-Zürcher schüttle ich nur noch den Kopf, ob dieser mehr als nur’ kommunistisch’ anmutenden Beton-Prachtplätze in Züri 🙂

  19. stefan sagt:

    der réda spielt sich als der retter des städtischen grün aus. wie oft im jahr war die sechseläute(sumpf)wiese gesperrt? und die autos haben auch nicht den halben platz eingenommen? der münsterplatz war ja auch eine zierde, als parkplatz! man muss in der stadt auch mal leere aushalten können. aber als bünzli ist das halt auch schwer. bleib halt auf dem land…

    • Réda El Arbi sagt:

      Ach gähn. Selbst mit dem unsäglichen Parkplatz hatte der Münsterhof mehr Leben.

      Aber ehrlich “Leerräume aushalten”? Ich halte auch ein Helene Fischer-Konzert oder einen Nagel im Hintern aus. Deshalb ist beides nicht wirklich erstrebenswert.

      Die karge, zwinglianische, lebensfeindliche Weltsicht ist einfach überholt seit den 80ern.

    • Philipp M. Rittermann sagt:

      also mir fällt auf, dass sich grosskotzige städter wie stefan meist nur anonym äussern (können). das allein spricht für sich.

  20. Fabian sagt:

    Herr el Arbi, ordnen Sie die Steine am Rhein nach Ihrem Gutdünken neu. Aber überlassen Sie die urbane Planung doch denen, die sie dann auch finanzieren. Einfach so as Hinweis: Stadtmenschen können zumeist mit Leere ganz gut umgehen, mit der gelegentlich aufkeimenden eigenen inneren, mit derjenigen, die aus fürs Zeilenhonorar hastig getippten Texten herausquillt, und eben auch mit derjenigen im öffentlichen Raum.

    • Réda El Arbi sagt:

      Guter Versuch. Kein Argument aber trotzdem schiessen 🙂

      Beim “Leere aushalten” hat mein Zen-Sensei gekichert. Er meint, da werde von Alt-Hipstern die verfehlte Gestaltung von Stadtraum als spirituelle Inspiration interpretiert. Damit sie sich wichtig fühlen.

      Wenn ich Leere aushalten will, gehe ich in die Sahara.
      Der Platz wurde übrigens noch aus meinen Steuern bezahlt. Und aus denenb der Leute, für die ich Zeilen schreibe.

      • Fabian sagt:

        So es Bitzi Sahara täte Ihnen gut! Wo, wenn nicht alleine in der Wüste kann man seine Ichbezogenheit so richtig voll ausleben? Ach, und für die spirituelle Inspiration geht der Durchschnittsstädter dann doch lieber in die Bar seiner Wahl. Nach zwei Drams hält er auch die Agglos aus und wird durchaus ganz angenehm im Umgang.

        • Réda El Arbi sagt:

          Da mach ich lieber einen Zen-Workshop im Grünen.

          • Walter Grunder sagt:

            Fabian, gut geschrieben. Übernehmen Sie den Blog. Man könnte sich ja auch in den “Schaffhauser Nachrichten” über die Steinwüste namens Munot aufregen. Sehr unlebenswert.

          • Réda El Arbi sagt:

            Vielleicht hätte ich damals die Steinwüste auch bemängelt. Nur war beim Bau vom Munot die ganze Umgebung grün. Alles. Da war Stein die Ausnahme, nicht die Regel. Also, wenn schon Vergleiche, dann doch bitte erst schnell überlegen.
            PS: Ich würde nie für die SN schreiben. Für die bin ich zu links.

  21. tststs sagt:

    Schade, dachte – vom Titel her – dass jetzt eine Kritik zur Hornbach-Siedlung
    https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/baustart-fuer-125-guenstige-wohnungen-an-traumstandort/story/26166089
    … dass nämlich einmal mehr die Einpersonenhaushalte sträflich vernachlässigt werden, obwohl sie mit über 40% die grösste “Bewohner-Gruppe” in der Stadt stellen.

    Uuuund: Den Sächslileutenplatz finde ich nicht das beste Beispiel. Ob schön oder nicht, darüber liesse sich ewig streten. Aber ich finde nicht, dass er, als er noch eine Wiese war, besser besucht war…

    • marsel sagt:

      40% sind doch nun wirklich mehr als genug. Wozu soll man das (alleine wohnen) noch fördern? Es hat so viele Singles in der Stadt, weil Familien mit 2 oder mehr Kindern keine bezahlbare Wohnung finden, in der pro Person auch nur halb so viel Platz ist wie in Ihrer Singlewohnung.

      • tststs sagt:

        Ich schreibe nichts von “fördern”, höchstens von “gerecht werden”…

        Betrachten Sie es mal so rum: Wenn weder privat noch von der Stadt aus (mehr) kleine Wohnungen angeboten werden, dann besetzen die Singles halt die kleinen Familienwohnungen. Denn in einem Punkt haben Sie wahrscheinlich schon recht: Die “Mietkraft” unter den Singles ist wahrscheinlich höher als unter den Familien.

        PS: Falls es Sie interessiert: Nope, die Durchschnittsfamilie nimmt pro Person mehr Platz ein als ich/meine Wohnung.

  22. Susanne Araf sagt:

    Da ist wirklich nichts hinzuzufügen… ausser vielleicht die Namen von ein paar weiteren Plätzen, die man in den letzten zwei Jahrzehnten zu Steinwüsten gemacht hat.

  23. Roman sagt:

    ach Reda…
    beim Primetower z.B. waren jeden Tag Skater unterwegs. jetzt hat jemand leider metallhindernisse montiert die das grinden unmöglich machen. das ist sehr schade, aber wohl kaum Schuld der Stadt.
    Und guck mal auf die heathmaps wo die meisten Instagram Föteli gemacht werden. Deine Hassplätze sind da weit oben…

    • Réda El Arbi sagt:

      Sorry, wie im Text erwähnt: Instagram ist kein Massstab für Lebensqualität. Es ist ein Massstab für Hype-Sch*****. Ausserdem zählen da Touristen aus nah und fern mit. Ich mach auch Instagram-Föteli von geilen Autobahnbrücken. Leben würde ich da aber nicht wollen.

  24. Urs Loppacher sagt:

    Genau so ist es! Ermordete Plätze. Nicht nur für Menschen ungeeignet. Wenn kein einziger Spatz mehr an einem solchen Ort leben kann, ist es krass falsch gelaufen. Der Theaterplatz und Zürich Nord und viele andere haben nur noch ein wenig Design-Grün. Stein und Teer und Plastik-Rasenteppich halt. Selbst die Ameisen graut’s.

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