Eine Glacegeschichte (9)

Wieso zwei Leser das Ende der Gebrauchsanleitung ersehnen. Die neunte Folge der Glacégeschichte.

Ab in den Sparmassnahmencontainer. Bild: Doris Fanconi

Wie verlässlich unsere Recherche ist, wissen wir nicht (erstaunlicherweise, dies nur so nebenbei, gehört das Schürfen nach goldenen Wahrheiten nicht zu den Stärken dieser Gebrauchsanleitung… dafür können wir ganz ordentlich schwadronieren – notabene zum Verdruss zweier Leser, die uns unlängst mitteilten, dass sie sich auf die nächste Restrukturierungsrunde dieses Unternehmens freuten, weil wir Gebrauchsanleiter dann endlich dort landen würden, wo wir hingehörten, nämlich in den nach geistiger Verwesung müffelnden Sparmassnahmencontainer…

… natürlich kam die Message der zwei Leser nicht derart geschwurbelt daher, nein, sie war «fadegrad i Pfrässi», wie man am Stammtisch der Bierhalle Wolf sagen würde… dennoch hat sie weder physisch noch psychisch viel Schaden angerichtet, allerdings sind wir ins Nachdenken geraten und haben uns gefragt: Sind das wirklich jene Dinge, auf die man sich heutzutage in Zürich freut? Dass andere Menschen hoffentlich bald mal den Job verlieren? Wäre es für die Gesellschaft nicht gesünder, wenn sich die Menschen dieser Stadt auf ein Wochenende mit Freunden freuen würden? Oder aufs Weihnachtsfest? Oder von uns aus sogar aufs kommende Konzert von Umberto «Ti amo» Tozzi? So, nun aber eilends raus aus der Klammer und zurück ins Thema, sonst erzürnen wir womöglich noch einen dritten oder vierten Leser, und das muss nicht unbedingt sein).

Jedenfalls meinen wir bei dieser Recherche herausgefunden zu haben, dass die bisher längste Zürcher Glacekulturgeschichte (die wir ja übertreffen wollten) von 1973 stammt, von einer Fachzeitschrift für Tiefkühltruhen mit Sitz in Oberrieden publiziert wurde (was frei nach dem lustigen Motto «Eis und Eis git immer no Eis» durchaus Sinn machen würde) und – die wichtigste Information überhaupt – dass sie neun Einzelbeiträge umfasste. Neun, werte Damen und Herren! Exakt bei dieser Zahl sind wir mit unserer Eiscreme-Story heute auch angelangt. Was in dem Fall heisst: Rekord eingestellt!

Aus diesem Grund gestatten wir uns jetzt eine kurze Glacepause, um rasch auf ein anderes Thema einzugehen, das diesen Sommer Hunderttausende Zürcherinnen und Zürcher nervte (don’t panic, es folgt nicht O-Bike-Episode 118), das vom «Blick» aber trotzdem sträflich vernachlässigt wurde.

«Wieso vom ‹Blick›?», fragen Sie verdattert. Die Antwort lautet: Weil hierzulande allein die Boulevardzeitung aus der Maison Ringier in der Lage ist, das Unbeschreibliche so zu beschreiben, dass sich Abscheu und Empathie auf leicht verstörende Art die Waage halten – davon zeugen schlicht brillante Charakterisierungen wie «Der irre Kim», «Der Sex-Grüsel von Thun» oder «Das 222 Meter grosse Baustellen-Monster». Deshalb ist es schon eine leise Enttäuschung, dass der allseits bekannte Misanthrop, der durch sein gnadenlos rücksichtsloses Verhalten die Ferien vieler Mitbürger (vorab in Mittelklassehotels) in den letzten paar Wochen zur Hölle machte – jawohl, die Rede ist vom «Zmorgebüffet-Tubel!» –, vom «Blick» einfach verschont blieb.

Doch schon kommt eine weitere Stärke dieser Gebrauchsanleitung zum Tragen: Bei uns kriegt die Type nämlich ihr Fett (oder besser: ihren Speck) ab – am nächsten Samstag, in Teil 10.

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