«Sie war schön»

    Fast wieder wie 1997: Die Street Parade gewinnt an Qualität.Fast wieder wie 1997: Die Street Parade gewinnt an Qualität.

Sie war schön, sie war die schönste seit vielen Jahren: Die Street Parade in diesem Jahr stand wahrlich unter einem guten Stern. Am Anfang stand der erstaunliche Wetterumschwung, just auf Beginn des Umzugs. Wer immer schon den Verdacht hegte, dass Petrus ein alter aber nach wie vor leidenschaftlicher Raver sei, der hat nun ein Indiz mehr das seine Mutmassung stützt.

Meine erste Street Parade habe ich 1994 besucht und bis Ende der Neunziger habe ich dem Umzug alljährlich entgegengefiebert, eine Vorfreude vergleichbar mit jener auf Weihnachten im Vorschulalter. Dann, ab der Jahrtausendwende, franste alles aus. Der Sound an der Parade wurde kommerziell und entsprach nicht mehr jenem, der in den Zürcher Clubs läuft. Sie verabschiedeten sich folgerichtig vom Konvoi und ich mich mit ihnen. 2002, das Jahr in dem es in Strömen regnete und in dem die Temperaturen einem miesen Schweizer Herbst alle Ehre gemacht hätten, war mein letztes auf einem Lovemobile: Damals bin ich auf Höhe des roten Schlosses vom Lastwagen gehüpft und zum Partysan Boot gerannt, in der Hoffnung der Kapitän hätte in weiser Voraussicht einen Vorrat an Heizöl beiseitegelegt.

Nach diesem, auch für das Street Parade-OK, tristen Jahr war die Street Parade nicht mehr dieselbe. Der Zauber war weg und sie hatte einen neuen Lover, die Masse der Eintagesraver, die House nicht von Techno unterscheiden können und die denken, die Swedish House Mafia sei das Nonplusultra in Sachen Danceflooring.

Doch in diesem Jahr war Vieles anders. Nicht ganz so wie früher (noch nicht), aber ein kleines Bisschen schon. Zu Beginn stand das Statement des Street Parade Bookers Robin Brühlmann, dem man entnehmen konnte, dass er die Schnauze voll hat von Beat-gestütztem Saxophongedudel. Es soll wieder mehr Techno werden, weg mit dem als Clubmusik getarnten Pop.

Als nächstes wurde dann verkündet, dass mit dem Klaus nach zig Jahren endlich wieder ein angesagter Zürcher Club ein Lovemobile stellen wird. Natürlich, das Klaus… Alain Mehmann, einer der Chefs da, ist ein Street Parädler der ersten Stunde, einer dem die Liebe zum Umzug auch in den erzkommerziellen Nullerjahren nie abhandengekommen ist.

Dennoch: Über zehn Jahre akustischer Zwiespalt lassen einen trotz dieser Schwalben noch nicht an den Sommer glauben. Erst als mir am Samstag auf dem Sechseläutenplatz von der Hauptbühne der kompromisslose Techno mit 160 bpm entgegendonnerte und erst als ich danach die Superszenis auf dem Klaus-Mobile wie Honigkuckenpferde (Mehmann und seine Partner würden sagen wie Einhörner) grinsen sah, da wusste ich, dass ein Stück des Zaubers zurückgekehrt ist.

Der Rest des Tages war Chaos und Tohuwabohu, vermengt mit reichlich Bier und Vodka Martini. Aber wenn mich die Erinnerung nicht trügt, war 2017 tatsächlich ein wenig wie 1997. Mit dem Unterschied, dass der Kater 1997 nicht ganz so garstig und nachhaltig gewesen sein dürfte.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Gonzo, Amboss Rampe, Nordstern Basel, Rok Luzern und Härterei.

10 Kommentare zu ««Sie war schön»»

  • Jonas Renggli sagt:

    Für mich auch die beste Parade seit langem. Die DJ`s auf den Bühnen sowie die Labels an der Parade waren top. Allen voran ELROW!!!!! Die müssen nächstes Jahr unbedingt wieder kommen.
    Aber auch BPM mit Klaus, Hyte sind den Erwartungen gerecht geworden.

  • peter sagt:

    naja, beiner massenveranstaltung über sound für massen zu meckern is auch eher unpassend find ich, flüchte auch jedes jahr aus der stadt um diesen technofasching mit allem chaos zu entkommen…

  • Beda sagt:

    Auch wenn ich persönlich nicht der grösste Techno-Fan bin, finde ich den Wechsel extrem gut. Die Parade wurde Jahr für Jahr unerträglicher mit dem ganzen Kommerzsound. Ich denke, die Entscheidung hängt auch mit dem allgemeinen Trendwechsel in Zürich zusammen.. Wo früher House gespielt wurde läuft heute vermehrt Techno (oder wenigstens Tech House) und die meisten ehemaligen Bigroom-Fanatiker stehen jetzt jedes Wochenende beim Hive in der Schlange. Langfristig gesehen wird sich der Wechsel für alle lohnen, die Parade geht wieder mit der Zeit und dem Publikum mit und wir bekommen wieder anständigen Sound um die Ohren geschlagen. Win/Win

  • Beer sagt:

    Hallo,
    Also ich bin da ganz anderer Meinung. Musik soll ja Geschmacksache sein, dennoch fand ich nur 2-3Mobiles gut. Bin nun das 17.mal dabei gewesen. Die Musik hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich empfand die Musik als total langweilig. Fast keine CH DJ’s mehr am Start?? Die Deko an den Mobiles. Da war man auch schon kreativer! Und die Leute auf den Mobiles! Sehr wenig Bewegung!!. Da gab es Paraden, da hat das gesamte Mobile im Takt gewippt!! Meine persönliches Fazit; Diese Parade von der Musik her, mit Abstand die schlechteste, Sry Leute.

    • Alex Flach sagt:

      Man müsste wissen welche DJs du gut findest um darauf antworten zu können.

    • Klaus Zapfer sagt:

      Da stimme ich dir ganz und gar nicht zu. OK, es gab noch so zwei, drei Kommerzmobiles, die House-Pop, Gähn-Minimal oder Kindertrance gespielt haben, aber den Rest fand ich ganz OK, auch wenn nicht alles mein persönlicher Sound war, immerhin kein Kommerzpop. Die Mobiles müssen gar nicht gross kreativ geschmückt seihn, im Gegenteil, es soll um die Musik gehen. In den 90ern ging es eben noch um die Musik, um Techno. Aber da scheinst du noch nicht an der Parade gewesen zu sein, du bist wohl eher ein Kind der Nullerjahre 😉
      Mit gefiel die Bühne bei der Rentenanstalt hinten, da lief die ganze Zeit geilster Progressive Psytrance, nicht dieses lahme Housezeug wie in früheren Jahren.

  • Issey sagt:

    Ach ja… Und was mir auch aufgefallen ist, selbst ein Kind der 94er Parade, die „Einmal-im-Jahr-Raver“, haben trotzdem getanzt was es hergab!

    Also: Alles richtig gemacht an der Parade 2017!

  • Issey sagt:

    Genau! Es kam endlich wieder mal unverschnittenen Clubsound! Wobei ich vom Linup bei der Oper so angetan war, dass ich fast nix anderes gehört habe! :-)))))

    Grandioser Sound!

  • dani amrein sagt:

    wuala. genau wo wars. schne xii alex

  • tststs sagt:

    JaJaJaaaaaaaaaaaaa, war s-s-s-suuuper!

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