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«Olé Torero – Kuh spiesst Zürcher auf!»

Beni Frenkel am Donnerstag den 10. August 2017

Von der Wanderlust gepackt: Blick auf das (verhüllte) Brienzer Rothorn. (Foto: Beni Frenkel)

Am Dienstag sind wir zum Brienzer Rothorn gefahren. Von dort oben hat man eine wundervolle Aussicht auf die vielen Berge. Auf dem Gipfel stehen ältere Männer und zeigen mit dem Stock in verschiedene Richtungen. Sie können es nicht unterlassen, ihre Frauen zu langweilen: Dort ist die Jungfrau, da ist Obwalden, da bin ich letztes Jahr mit dem Heinz geklettert.

Im Restaurant habe ich das Tagesmenü bestellt. Dazu ein Bier. Neben mir lag der «Entlebucher Anzeiger» mit vielen Todesanzeigen. Anders als bei uns in Zürich, sieht man bei den ­An­zeigen ein Foto der Dahingeschiedenen. Bei uns steht ja immer das Gleiche. Hier aber lachen die toten Rösis, Miggis, Friedelis und Annelieslis den Leser an. Aber vielleicht sind das auch nur Symbolbilder. Ich bestellte nochmals ein Bier. Auf die lachenden Toten. Meine Frau guckte mich wütend an und meinte: «Du bist dick, du läufst runter!» Ich jubelte. Endlich mal Zeit für mich. Ich liebe wandern. Letztes Jahr – nur so nebenbei – bin ich mit der S4 auf den Uetliberg ­g­e­fahren. Von dort oben bin ich alles runtergelaufen. Und es hat geregnet.

Der Wegweiser auf dem Brienzer Rothhorn meinte, dass ich drei Stunden nach Sörenberg benötige. Das gilt für Anfänger, ich schaffe das in zwei Stunden. Nach zehn Minuten wurde ich ein bisschen unsicher. Der Weg führte über einen Kamm, links und rechts ein paar Hundert Meter Abgrund. Die Wanderer, die mir entgegenkamen, liefen in Bergschuhen und mit Walking-Stöcken. Ich trug alte Turnschuhe. Bei der schlimmsten Stelle, wo der Wanderweg knapp 40 Zentimeter breit war, dachte ich plötzlich an den Tod. Ich konnte mich nicht einmal richtig von der Familie verabschieden. Wenn ich jetzt runterstürze, steht morgen im «Blick»: «Leichtsinniger Wanderer (40) stürzte mit Turnschuhen vom Brienzer Rothorn» Vielleicht schaffe ich es sogar in den Aushang: «Blöder Kolumnist endlich tot!»

Der Hüttenwart wird natürlich auch zitiert: «Ich habe ihm eine halbe Stunde vorher noch ein Bier ein­geschenkt!» Wahrscheinlich gelingt es dem «Blick»-Journalisten, mich noch zusätzlich zu demütigen: «Immer mehr Chinesen verunglücken auf unseren Bergen. Das ist schlecht für unsere Exportwirtschaft.» Ich schaffte es bis zum berüchtigten Lättgässli. Langsam stieg ich die in den Fels geschlagene Treppe runter und hielt mich am Seil fest. Unten sang ich Halleluja. Aber jedes Mal, wenn ich dachte, das Schlimmste sei vorüber, tauchen am Boden diese verdammten weiss-rot-weissen Streifen auf. Die bedeuten: Du kannst immer noch sterben.

Aber Mütter kennen das: Irgendwann hat man es geschafft. Die steilen Abhänge wurden sanfter, dafür brannten meine Oberschenkel wie Hölle. Jeder Schritt, eine Tortur. Und das dürfen Sie jetzt ruhig einmal glauben. Aus dem Nichts tauchten plötzlich Kühe auf. Auch das noch. Eine Kuh mit zwei Hörnern näherte sich mir. Wieder kam mir der «Blick» in den Sinn: ­«Zürcher (40) wollte Kalb belästigen», «Olé Torero – Kuh spiesst Zürcher auf!», «Luzern-  Zürich 1:0», Nach vier Stunden kam ich im Reka-Dorf Sörenberg an. Die Familie sass vor dem Fernseher.

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Ein Kommentar zu “«Olé Torero – Kuh spiesst Zürcher auf!»”

  1. kms a pr sagt:

    «Olé Torero – Kuh spiesst Zürcher auf!» da bleibt mir nichts weiter, als der kuh zu gratulieren! 🙂

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