Liebe Schweizerinnen und Schweizer ….

Die Schweiz ist eine grosse Idee, kein Museum mit hohem Gartenhag.

Die Schweiz ist eine grosse Idee, kein Museum mit hohem Gartenhag.

 … liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe in der Schweiz Lebende

«Wenn’s Ihnen nicht passt, können Sie ja wieder dahin gehen, wo Sie geboren sind!», ist einer der Sätze, die ich seit einiger Zeit in Kommentaren und in den sozialen Medien hören darf.

Das ist nicht nett. Ich stelle mir dann immer vor, wie ich nach langem, staubigen Marsch, mit zwei alten Koffern, abgetragenem, staubigen Mantel und löchrigen Schuhen traurig vor der Tür der Maternité des Zürcher Triemlispitals stehe und um ein Zimmer bitte.

Ich verbrachte mein ganzes Leben mit einem arabischen Namen in der Schweiz. Eigentlich ist mein Nachname sogar der Prototyp des arabischen Namens: «El Arbi» bedeutet wörtlich «von Arabien». Natürlich würde man annehmen, der Name sei eine Steilvorlage, um als Kind oder Jugendlicher angefeindet zu werden. Aber ich habe erst in den letzten zehn Jahren effektiv Fremdenfeindlichkeit erfahren müssen.

Heute muss ich in Diskussionen anführen, ich sei in der Schweiz geboren. Darauf werfen findige Fremdenfeinde ein, ich solle halt dahin gehen, wo meine Vorfahren herkämen. Aber ehrlich, ich will nicht wieder in die Aargauer Provinz. Da hat der Schweizer Zweig meiner Familie in den letzten zwei Jahrhunderten gelebt. Vielen dieser Hurra-Patrioten scheint nicht bewusst zu sein, dass es Gegenden gibt, in denen Vater und Mutter verschiedene Stammbäume aufweisen und nicht aus derselben Familie stammen.

Die Schweizer Identität

Zur Zeit ist dieser abwertende und ausgrenzende Nationalismus gerade wieder in Mode. Lange war es in der Schweiz verpönt, zu patriotisch aufzutreten. Eine Schweizer Fahne zu schwingen war für viele ein Unding, selbst an Fussballmeisterschaften. Inzwischen hat sich das zum Glück geändert. Heute darf man sein Heimatland wieder loben, ohne gleich als ewiggestriger Nationalist dazustehen. Trotzdem sollte man politischen Patriotismus und Nationalismus nicht einfach mit der Liebe zur Heimat gleichstellen.

Während die Heimatliebe ein positives Gefühl für ein real existierendes Gebilde ausdrückt, ist politischer Patriotismus immer ein Instrument, um andere abzuwerten. Er wird eingesetzt, um die Unterschiede hervorzuheben. Während Patriotismus im letzten Jahrhundert von politischen Kräften hauptsächlich dazu benutzt wurde, um andere Länder als minderwertig darzustellen, wird er heute vor allem instrumentalisiert, um dem politischen Gegner im Inland die Heimatliebe abzusprechen. Man ist nicht mehr Schweizer, man ist «Eidgenoss». Die ethnische Herkunft scheint wichtiger zu sein als die Nationalität.

«Fühlst du dich mehr als Nordafrikaner oder als Schweizer?», fragten mich die Leute früher oft. Für mich war die Antwort wohl einfacher als für viele meiner italienischstämmigen oder türkischen Freunde. Ich verbrachte kaum Zeit im Heimatland meines Vaters, während meine Freunde ihre Schulferien in den Herkunftsländern ihrer Eltern verlebten, die Sprache sprachen und ihr Herz natürlich für den Fussballclub des jeweiligen Landes schlug. Hier fühlten sie sich nicht heimisch, und im Süden waren sie die «Schweizer».

Ich selbst fühlte mich nie zerrissen. Für mich war immer klar, dass ich der westlich-abendländischen Kultur entsprang, Mitteleuropa, der Schweiz. Aber fühlte ich mich als Schweizer? Lange fühlte ich mich als Zürcher, mit einer Identität, die nicht über die Stadtgrenzen hinausreichte. Die Stadt war cool, das Land spiessig.

Erst meine Reisen in andere Länder haben mir gezeigt, wie privilegiert wir Schweizer sind, wie unglaublich grossartig es ist, in einem Land mit direkter Demokratie und funktionierendem Staat zu leben. Erst nach drei Jahren globetrotten von unheimlichem Heimweh nach meinem Dialekt, pünktlichen Zügen, der Gemächlichkeit, der höflichen Zurückhaltung und dem knurrigen Stolz geplagt, fand ich meine Heimatliebe. Das Reiben an anderen Kulturen – auch europäischen – hat mir gezeigt, wie sehr ich Schweizer bin.

Ab wann ist man Schweizer?

«Du als halber Ausländer kannst nicht stolz sein, ein Schweizer zu sein! Das ist nicht wirklich deine Heimat», höre ich da von selbsternannten Eidgenossen. Dann frage ich mich, worauf diese Patrioten wirklich stolz sind. Dieses Gefühl muss ja irgendwo in der realen Welt verwurzelt sein. In den drei Urkantonen? Und bei den Kriegen zwischen den einzelnen Kantonen, wer waren da die «richtigen» Eidgenossen? Und wie sah es bei den Schweizern aus, die sich auf den Schlachtfeldern Europas als Söldner gegenseitig für Geld und verschiedene Herren abschlachteten? Ab wann darf man sich Schweizer nennen?

Man ist Schweizer durch Kultur. Die gesellschaftliche Mentalität hat wenig mit dem genetischen Erbe zu tun. Ich hab hier gelernt, dass man bei Streitigkeiten so lange diskutiert, bis beide gelangweilt und genervt einem Kompromiss zustimmen. Man macht die Dinge hier nicht «halbpatzig», man ist Teil der Gemeinschaft, und nimmt Verantwortung wahr. Man jammert über Steuern, aber entscheidet gemeinsam, wofür sie ausgegeben werden. Hier in der Sicherheit und im Wohlstand der Schweiz wurde mir mitgegeben, dass eine Gesellschaft daran gemessen wird, wie sie mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht. Hier habe ich meine grundsätzlichen ethischen Werte und mein soziales Verantwortungsgefühl verinnerlicht.

Vielleicht sollte ich hier erwähnen, dass die ersten dokumentierten Stocker – so hiess meine Mutter vor der Heirat – aus meinem Familienzweig 1386 das erste Mal erwähnt wurden. Sie kämpften und fielen in der Schlacht von Sempach. Ich bin kein Historiker, deshalb ist mir nicht ganz klar, ob sie auf der richtigen Seite standen. Aber egal, damals kämpften eh noch alle heutigen Kantone kreuz und quer durcheinander. Also, nach jedem irgendwie denkbarem Massstab bin ich dann wohl Urschweizer.

Meine Schweiz, deine Schweiz

Das Verhältnis zwischen Patriotismus und Geschichte ist sowieso immer etwas zerrüttet. So fand vor einiger Zeit eine mediale Auseinandersetzung um die Deutung der Schlacht bei Marignano statt. Als ob ein primitives Gemetzel zwischen mittelalterlichen Schlächtern im Jahre 1515 irgendetwas mit der Identität als Schweizer zu tun hätte. Als ob «DIE FREIHEIT» damals mit blutigem Schwert und organisiertem Morden erkämpft worden wäre. Das Blutvergiessen scheint vielen Patrioten denn auch wichtiger als elementare Meilensteine der Schweizer Geschichte. Zum Beispiel kennt kaum einer die von einem Freimaurer mitentworfene Verfassung von 1848, die auf die Sonderbundskriege – sich gegenseitig umbringenden «Eidgenossen» – folgte und erst die heutige Schweiz mit ihrer Vielfalt und ihrem Reichtum möglich machte. Danach gabs keinen Krieg mehr auf Schweizer Boden. Das wär doch mal ein Grund, stolz zu sein.

Aber auch in der jüngeren Geschichte pflegen die selbsternannten Patrioten eine selektive Wahrnehmung. So wärmen sie sich heute nostalgisch an der Reduit-Romantik der Kriegsjahre und ignorieren gleichzeitig, dass wir damals auch die Juden an der Grenze wieder in die Lager der Deutschen zurückschickten und in Nazi-Gold badeten. Das Bild der Schweizer Geschichte, die blutige Romantik, ist nicht natürlich entstanden, sondern wurde vor dem 2. Weltkrieg sorgfältig konstruiert, um aus einem Land, das aus den verschiedensten regionalen Identitäten besteht, eine Einheit zu schmieden. Patriotischer Theaterdonner.

Ironischerweise kommt aber die stärkste Abwertung der heute real existierenden Schweiz aus den Reihen der rechten Patrioten. Durch die Angst, ihr konstruiertes Bild der Schweiz könne widerlegt werden, fokussiert sich die Ablehnung auf alles in der realen Schweiz, das nicht ihrem Bild entspricht. In erster Linie ist das der Staat, der ihnen Sicherheit und Wohlstand garantiert, danach kommen die anderen politischen Kräfte, die in den letzten 150 Jahren die Schweiz mitgestaltet haben. Man sieht selten soviel Hass gegenüber der altehrwürdigen Schweizer Institutionen wie aus den Reihen der selbsternannten Patrioten. Offenbar liebt man nur kleine Teile der Schweizer Identität und spricht den anderen das Schweizerische ab.

Patriotismus und Heimatliebe unterscheiden sich wie Verliebtsein und Liebe. Während das Eine auf Projektion der eigenen Vorstellungen auf das Objekt der Zuneigung beruht, benötigt das Andere die volle Kenntnis des Geliebten. Man kann nur lieben, was man auch wirklich kennt.

Die Nestbeschmutzer

Viele meiner linken Kollegen in meinem Alter haben Mühe damit, zu ihrem Heimatland zu stehen. Es ist für viele noch immer anrüchig, die Schweiz als Staat und als Heimat zu lieben und zu loben. Gerade in intellektuellen Kreisen und unter Kulturschaffenden fokussiert man sich gerne auf die Dinge, die in der Schweiz schieflaufen.

Es ist erstaunlich, dass viele Schweizer Künstler und Kulturschaffende sich des Dialekts und der helvetischen Wurzeln bedienen, aber trotzdem Mühe haben, offen ihre Verbundenheit mit der Schweiz zu formulieren. Es ist, als ob man mit der klaren Zusage an die Schweiz gleich im anrüchigen Kreise der Nationalisten stehe. Nur eben: Heimatliebe ist nicht gleich Nationalismus.

Geistige Landesverteidigung 2017

Natürlich werde ich wegen meines arabischen Namens (ich bin Ex-Katholik und sowas wie ein atheistischer Lifestyle-Buddhist) in letzter Zeit auch auf die Terrorattacken und den sogenannten «Kampf der Kulturen» angesprochen.

Und natürlich gibt es nur eine Schweizerische Antwort darauf: Der Kampf findet zwischen antidemokratischen Kräften und der freiheitlichen Demokratie statt, nicht zwischen Kulturen. Wer immer demokratische Grundrechte wie Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Trennung von Kirche und Staat, Menschenrechte und Mitbestimmungsrecht des Bürgers in Frage stellt, ist ein Feind der Schweiz. Egal, an was er glaubt, wie überlegen oder wie demokratisch legitimiert er sich fühlt.

Die Schweiz ist keine romantische Ansammlung von Geschichten, die durch einen Grenzzaun zusammengehalten wird. Die Schweiz ist eine funktionierende Idee. Sie kann nur dann sterben, wenn die Menschen nicht mehr in sie vertrauen.

(Da ich zur Zeit in den Ferien bin, habe ich Ihnen einen Text geliefert, den ich schon 2016 geschrieben hab. Er wurde damals von einem stv. Chefredaktor einer Printzeitung als «zu links» abgelehnt. Jänu. Ich hoffe, er gefällt Ihnen, liebe LeserInnen, trotzdem.)

35 Kommentare zu «Liebe Schweizerinnen und Schweizer ….»

  • Haug sagt:

    vielen Dank für diesen Artikel, der mich auch an die Rede von Max Frisch erinnert, anlässlich der Verleihung des Schillerpreises 1974. Titel: die Schweiz als Heimat?

    Dass Sie den Stammbaum erklären, weil dies von einigen wieder gefragt ist, zeigt die problematische und gefährliche Situation, die ja nicht nur in der CH ein Thema ist. Quasi: Man darf wieder sagen, was man denkt. Gut, denn Demokratie ist eben diese, dass nicht nur eine Meinung gilt. Nationalisten dürfen sich deshalb auch äussern, ansonsten wäre die Demokratie in Frage gestellt und nicht umsonst haben sich andernorts auch Parteien gebildet von Leuten, die sich unterdrückt fühlen. Umso wichtiger Artikel wie Ihrer!

  • tststs sagt:

    „Es ist erstaunlich, dass viele Schweizer Künstler und Kulturschaffende sich des Dialekts und der helvetischen Wurzeln bedienen, aber trotzdem Mühe haben, offen ihre Verbundenheit mit der Schweiz zu formulieren.“
    Ich vermute, das kommt daher, dass diese Leute – sagen wir mal – ein bisschen über den Tellerrand hinausdenken und zum Schluss kommen, dass es DIE Schweiz eben nicht gibt; und IMHO zählen auch Sie, Hr. El Arbi, zu diesen Menschen. Auf viele Aspekte der Schweiz (IMHO die meisten) kann man wirklich stolz sein, aber auf einige eben nicht. Und deshalb fällt es vielen schwer – auch mir – zu sagen, man sei STOLZ auf die Schweiz als Gesamtes quasi.

    • Hans Müller sagt:

      Man sollte nicht IMHO schreiben, wenn man nicht wirklich „h“ ist und sehr wohl grosse Stücke auf sich hält. Was bei Ihnen ja offensichtlich der Fall ist.

  • tststs sagt:

    Finde mich im Text wieder… gleiches „historisch-staatliches“ Verständnis der Schweiz und ähnliche Erfahrungen gemacht.
    Natürlich stach meine Name schon in meiner Kindheit heraus und jeder Speaker an jedem Sportanlass sprach ihn ein wenig anders aus; aber die neugierige Frage „Was ist das für ein NAME? Wo kommt er her?“ ist der Frage gewichen „Wo kommen SIE denn her?“.
    Ich wurde in den Kommentarspalten belehrt, ich „sollte es doch aus meinem Heimatland besser wissen…“ (dort kommentiere ich noch mit meinem richtigen Namen); ich wurde schon mehrfach aufgefordert, eine Kopie meines Ausländerausweises beizulegen etc. Dies aber alles erst seit ein paar Jahren…

  • Martin Loew sagt:

    Lieber Herr El Arbí, vielen Dank…die beste 1st August ¨Rede¨ !
    ¨Wer immer demokratische Grundrechte wie Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Trennung von Kirche und Staat, Menschenrechte und Mitbestimmungsrecht des Bürgers in Frage stellt, ist ein Feind der Schweiz. Egal, an was er glaubt, wie überlegen oder wie demokratisch legitimiert er sich fühlt.
    Die Schweiz ist eine funktionierende Idee. Sie kann nur dann sterben, wenn die Menschen nicht mehr in sie¨
    Ich lebe in Barcelona Catalonien, das sich leider immer mehr radilkalisiert mit …ismen…isten…

  • Wolfgang Rosenberg sagt:

    Als deutsch-schweizer der sein ganzes leben im ausland verbracht hat, kann ich nur sagen : VIVA SUIZA.

  • Ralf Schrader sagt:

    DIE Schweiz ist ein Land mit Bergen, mit Flüssen, Seen. Mit verschiedenen Kulturen, die einen jodeln, die andern schiessen Wölfe ab. Über diesem Land hat sich um 1848 eine Staat konstituiert, nennt sich Schweizerische Eidgenossenschaft.

    Der Staat ist das eine, die Schweiz, das Land, das andere. Das Land ist unzweifelhaft schön, der Staat eher nicht. Es gibt diesen Spruch, ein Gemeinwesen ist so stark, wie es mit seinen Schwächsten umgeht. Da rangiert der Staat der Schweizer eher im unteren Bereich. Die Schwachen werden verachtet, diskriminiert. Wir lasen es in diesem Blatt. Mit der IV hat sich die Schweiz eine im Grundsatz ahumane Einrichtung geschaffen und die persistiert.

    • Maiko Laugun sagt:

      „Da rangiert der Staat der Schweizer eher im unteren Bereich.“

      Ja, klar, die CH ist nicht viel besser als Somalia oder Syrien. Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

      • Ralf Schrader sagt:

        Ja, das haben Sie falsch verstanden. Die Schweiz ist schon etwas besser als Somalia, aber relativ nicht viel schlechter als Russland. Obwohl es problemlos ginge, besser zu sein Für ganz kleines Geld.

        Die Russen können nicht und niemanden helfen. Dazu sind sie zu arm. Die Schweizer könnten helfen, tun das aber nicht, Dazu sind sie zu reich.

      • tststs sagt:

        Werte Herren Laugun und Schrader, muss mich kurz in die Diskussion einimischen:
        “ Da rangiert der Staat der Schweizer eher im unteren Bereich.“ ist etwas verwirrend, da nicht klar ist, ob eine Skala oder eine Rangliste gemeint ist.
        In einer Rangliste ist die Schweiz sicher vorne zu finden (auch wenn ich volle Zustimmung gebe zu „für kleines Geld viele Verbesserungen möglich“).
        Auf einer Skala könnte ich die Einschätzung des unteren Bereiches teilen, aber es stellt sich jedoch die Frage, ob der „obere Bereich“ überhaupt erreicht werden könnte, oder ob man da schon von Utopie spricht.

  • irene feldmann sagt:

    Man ist wie man sich fuehlt. Man lebt was man kennt…. als schweizer hat man nur privilegien und diese sollte man zu schaetzen wissen. Happy birthday, und mir auch:)

  • armin Baur sagt:

    Der Name “ Auslandschweizer“ ist diskriminierend und politsch nicht korrekt. „Swiss Abroad“ ist eher korrekt und diskriminiert nicht, den zuerst sind wir alle Swiss und zweitens leben etwa 780000 Schweizer abroad. Es ist an der Zeit dass wir uns auch in Wort und Ausdruck korrekt verhalten.

    • Réda El Arbi sagt:

      Blöd nur, dass Englisch keine Landessprache ist. „Auslandschweizer“ bedeutet „Schweizer im Ausland“. Das ist inhaltlich wie auch von der Höflichkeit her korrekt.

    • Maiko Laugun sagt:

      @Armin Baur: Dem stimme ich gerne zu.

      @Réda: „Das ist inhaltlich wie auch von der Höflichkeit her korrekt.“

      Nein, das ist es nicht. Kein Mensch spricht von einem Inlandschweizer. Oder habe ich da etwas verpasst? Korrekt und höflich wäre z.B: Schweizer mit Wohnsitz (oder Aufenthaltsort) im Ausland. Und sonst bitte ab sofort den Begriff Inlandschweizer verwenden.

      • Réda El Arbi sagt:

        Sobald ich per Buchstaben bezahlt werde, würde ich das tun. Und Touristen werde ich „Ausländer mit vorläufigem Aufenthaltsort in der Schweiz“ nennen. Kinder von Auslandschweizer heissen dann „Schweizer, deren Vorfahren einen Wohnsitz im Aussland wählten, aber noch immer über die Schweizer Staatsbürgerschaft verfügen oder aber Doppelbürger sind oder sich nur zeitweise im Auslandaufhalten und da per Zufall Kinder gezeugt oder sie vielleicht auch aus der Schweiz mitgenommen haben.“

        • Maiko Laugun sagt:

          Der Begriff Schweizer bezieht sich ausschliesslich auf die Staatsangehörigkeit und hat nichts mit dem Wohnsitz zu tun. Sonst müsste man ja eben auch den Begriff Inlandschweizer verwenden. Das tut aber keiner.

          Lebt ein Italiener in der Schweiz, dann ist er für mich kein Ausländer. Er ist ein Italiener (italienischer Staatsangehöriger) mit Wohnsitz in der Schweiz.

          Schade um Deinen eigentlich guten Text – wenn Du nicht erkennst, dass der Begriff Ausländer ganz generell schon nahe an eine Diskriminierung grenzt. Das gilt allerdings auch für Schweizer.

          • Ralf Schrader sagt:

            Das ist falsch. Schweizer Sein bezieht sich nicht auf die Staatsbürgerschaft. Bruder Klaus war ein Schweizer, aber kein Staatsbürger der Eidgenossenschaft.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Ralf Schrader: Ich bin gebürtiger Schweizer und lebe seit Jahren in China. Was bin ich denn nun? Ein Chinese?

          • Buchstabenfisch sagt:

            @Laugun: Also für mich sind Sie Buchstaben auf einer Webseite des Stadblogs des TA. Das Sein hat halt viele Facetten. Das haben mir auch Buchstaben mitgeteilt, auf einem Blatt Papier in einem Buch. Also keine Webseite. Jetzt muss ich aber zum Ende kommen: Extrem mühsam ist es, wenn Buchstaben mitteilen, dass sie nur Buchstaben sind.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Ralf Schrader: „.. Bruder Klaus..“

            In der CH-Bundesverfassung steht an Anfang sinngemäss (kann die Seite hier in China gerade nicht öffnen): *Im Namen Gottes*:

            Die CH ist also ein Gottesstaat. Somit haben Sie also recht. Es zählt nur der Glaube an Gott – und sonst nichts.

          • Maiko Laugun sagt:

            In der gleichen Verfassung steht allerdings auch, dass ein Ausbau von Minaretten verboten ist. Wer kann darüber abstimmen? Es können leider (!) nur Schweizerische Staatsangehörige darüber abstimmen, unabhängig davon, ob diese Gläubige der islamischen, der christlichen (o.a.) Glaubenslehren sind.

            Ist das wirklich so schwer zu verstehen?

        • tststs sagt:

          Und schon wieder muss ich mich in die Diskussion einmischen:
          Aus linguistischer Sicht.
          „Auslandschweizer“ ist ein (aus zwei Nomen) zusammengesetztes Wort. Bei einer Wortzusammensetzung ist das letzte Wort jeweils das Grundwort und „definiert grundsätzlich“ um was es geht; das vorangestellte Wort ist das Bestimmungswort (können auch mehrere sein), und bestimmt GENAUER, um was für eine „Art des Grundwortes“ es sich handelt.
          Grundwort:
          Schweizer (es geht als um jemanden mit CH Staatsangehörigkeit)
          Bestimmungswort:
          Ur- (jemand, dessen CH-Wurzeln ewig sind)
          West- (jemand aus der Romandie)
          Ost- (jemand mit komischem Dialekt)
          Ausland- (jemand, der im Ausland ist)

          • tststs sagt:

            Zugegeben, die Wortschöpfung „Auslandschweizer“ ist nicht gerade wohlklingend. Ein passendere -Wort-Bezeichnung kommt mir aber auf die Schnelle auch nicht in den Sinn.
            Auswärtsschweizer?

            (Das hier nach einem einzigen Wort gesucht wird und nicht nach einer Wort Kette à la „Schweizer im Ausland lebend“ hat mit Sprachökonomie zu tun; dies ist übrigens auch der Hauptgrund, weshalb man nicht von Inlandschweizern spricht – ausser dies will betont werden.)

          • Maiko Laugun sagt:

            @tsts: Das ergibt für mich keinen Sinn. Was ist der Unterschied zwischen einem Schweizer der in Italien lebt und einem der dort nur in den Ferien weilt? Es gibt keinen. Beide sind Schweizer und nichts anderes.

            Auf die Frage der Herkunft werden beide genau gleich antworten >> Schweizer.

            Wohnsitz, Religion etc. etc. spielen keine Rolle.

            „Wortzuammensetzung“: Eben >> Staats-Angehörigkeit (Grund- u. Bestimmungswort).

            P.S: Staatsangehörigkeit hat nichts damit zu tun, ob jemand das eigene Land liebt oder hasst und/oder sich damit identifizieren kann.

          • tststs sagt:

            Also jetzt verstehe ich nicht, worauf Sie hinaus wollen…
            Was der Unterschied zwischen einem Ferienschweizer und einem Auslandschweizer in Italien ist? Eben, der eine macht Ferien dort, der andere hat dort seinen Lebensmittelpunkt.
            Und es gibt Kontexte, in welchen diese Unterscheidung Sinn macht…

          • Maiko Laugun sagt:

            @tststs: Wie nennt man einen Berner, der in Züri lebt? Als was bezeichnet er (natürlich auch eine sie) sich selber (auch wenn man es vielleicht schon vom Dialekt her erkennen kann)? Ein Ausser-Kantonal-Berner?

          • Maiko Laugun sagt:

            @Réda: Ach Nö!

            In meinem Heidiland-Pass steht in den 4 Landessprachen (plus Englisch als 5. Sprache): *Schweizer Pass*. Da steht nix von *Ausland-Schweizer*.

            In meinem Heimatschein (hab den gerade nicht zur Hand, deshalb nur sinngemäss) steht nix von Ausser-Kantonal-Zürcher. Dieses Dokument bezeichnet ebenfalls (analog Pass; auf untergeordneter Stufe) meine Herkunft. Hat nichts mit dem Wohnort zu tun.

            • Réda El Arbi sagt:

              Ja, wir wissen jetzt, dass du da enofindlich bist.

              Trotzdem nennen sich die Schweizer in Thailand, London, Deutschland, Panama und USA, die ich kenne, selbst „Auslandschweizer“.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Réda: „Empfindlich“:

            Ich kann damit leben. Warum? Ganz einfach: Es gibt Diskriminierungen weit grösserer Wichtigkeit als die Bezeichnung *Ausland-Schweizer*. Wenigstens soweit solltest Du meine Kommentare (nicht meine Wenigkeit) noch verstehen können.

          • Maiko Laugun sagt:

            @Réda: „Trotzdem nennen sich die Schweizer in Thailand, London, Deutschland, Panama und USA, die ich kenne, selbst “Auslandschweizer”.

            Darf ich da etwas anfügen?

            Es gibt „Ausland-Schweizer“, welche für staatlich finanzierte Hilfsorganisationen arbeiten und online aktiv für die SVP werben. Du scheinst die falschen „Ausland-Ch’ler“ zu kennen.

            Oder gebt es nur um Klicks in Deinem Blog? 🙂

            Es geht nicht nur (!) um die Definition eines Begriffes.

    • tststs sagt:

      Ausserdem möchte ich darauf hinweisen, dass „Swiss Abroad“ nun wirklich nicht anders zu übersetzen ist als „Schweizer (im) Ausland“, dass im Englischen die Wörter getrennt und um Deutschen zusammengeschrieben werden ist wiederrum der Grammatik geschuldet.
      Ich glaube je länger je mehr, Hr. Baurs Kritik würde zutreffen („zuerst sind wir alle Swiss und zweitens leben etwa 780000 Schweizer abroad“), wenn der Begriff AusLÄNDERschweizer heissen würde.

      • Maiko Laugun sagt:

        @tststs: Nö, nicht Grammatik! Es geht um die Definition. Die Begründung haben Sie ja eigentlich schon selber geliefert: >> „“..zuerst sind wir alle Swiss…“. Es geht dabei nicht (!) um Nationalismus.

  • Rolf Gut sagt:

    In der Tat wird die Schweiz durch die Blocheristen denunziert. Sie heucheln Ballenberg vor und denunzieren unser ganzes Regierungssystem, das seit 150 Jahren dafür veranwortlich ist, dass die Schweiz funktioniert. In den Themen, die diese niederträchtige Bewegung am 1. August vervielfacht in allen Dörfern (weniger in den Städten) verkündigt, ist nichts als Hass und Angstbefeuerung vorhanden; Fremdenhass, unfähige Regierung, Hass auf alle Staaten, die in der EU sind – und die Angst, dass jeder einzelne Schweizer mit seiner eigenen Meinung von ‚oben‘ übergangen wird. Ist das Liebe zur Heimat? Wohl eher nicht. Zum Glück tickt die Mehrheit in unserem Land anders.

  • susanne g. seiler sagt:

    Guter Text, Reda. Da ich in Holland geboren wurde (als Auslandschweizerin), habe ich auch ich lange gebraucht, die Schweiz schätzen und lieben zu lernen, aber heute bin ich sehr froh, hier leben zu dürfen.

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