Street-Parade: Mega-Raves sind tot

Die Party nach der Party ist tot.

Die Party nach der Party ist tot.

Am 12. August zuckeln wieder die Lovemobiles ums Zürcher Seebecken. Derweil der Umzug selbst auch nach mehr als zwei Jahrzehnten die Massen mobilisieren kann, scheint die Ära der grossen Raves am Abend nach dem Techno-Konvoi endgültig vorbei zu sein. Konnte man früher gar in der Halle des Hauptbahnhofs weitertanzen, sucht man in diesem Jahr vergebens nach Party-Giganten.

Selbst Arnold «Technopapst» Meyer, seit den frühen Tagen der Street Parade Zeremonienmeister von riesigen Afterpartys wie der Energy im Hallenstadion oder der Electric City auf dem Maag Areal, wird an der diesjährigen Parade nur Zaungast sein: «Raves in der Grössenordnung wie ich sie jeweils veranstaltet habe, rentieren nicht mehr, seit das Street Parade-Komitee ein so grosses Gratisangebot auf die Beine stellt. Auch das Berner Label Abflug Berlin von Lorenz Misteli hat sich verabschiedet, da die Party im Volkshaus letztes Jahr ebenfalls defizitär war. Ich mache 2017 zwar noch eine Electric City, aber erst zu Silvester in der Bea Expo Bern mit Ben Klock als Headliner. Die Energy führen wir bereits seit 2014 nicht mehr durch.»

Damit dürften die Afterparty im Kaufleuten mit Jamie Jones an den Decks und die Lethargy in der Roten Fabrik, unter anderem mit Bonaparte, Convextion, Roman Flügel und Matrixxman, die grössten Sausen nach der Street Parade sein. Was die Lethargy anbelangt, entbehrt das nicht einer gewissen Ironie, war sie in ihren Anfangstagen doch eine augenzwinkernde Alternative zu Meyers übergrossen Energy – nun ist also sie selbst die grösste.

Die vermeintlichen Nutzniesser dieser Entwicklung sind die Zürcher Clubs, die an diesem Tag nun nicht mehr mit Grossveranstaltungen in Stadien und Industriehallen konkurrieren. Jedoch bedeutet das nicht, dass all die berühmten Djs die an der Strecke auf den Lovemobiles und den Bühnen auflegen, danach in den Clubs zugange sind: Die meisten dieser Grössen sitzen am Abend bereits wieder im Flieger, der sie zu ihrem nächsten Set bringt.

Das liegt auch daran, dass viele Zürcher Clubs auch am 12. August nicht von ihrem gewohnten Programm abweichen und zwar mit der Begründung, dass sie ihre Stammgäste nicht verprellen möchten, indem sie ihre hehren Hallen mit Hundertschaften zugereister Eintages-Raver füllen.

Sprich: Es dürfte im Anschluss an die diesjährige Street Parade viel weniger Platz für eine etwa gleichbleibende Zahl Techno- und House-Jünger geben. Leidtragende sind nicht nur die Securities der Clubs, die an diesem Abend viel Zeit in Diskussionen mit verschmähten Einlasswilligen verbringen dürften. Auch die die Street Parade-Touristen aus anderen Kantonen, aus Deutschland oder Italien, die nicht über ein Zürcher Netzwerk verfügen, dürften dabei in die Röhre gucken. Ihnen sei an dieser Stelle dringend empfohlen, sich bereits vor ihrem Ausflug nach Zürich die passende Afterparty auszusuchen und – sofern einer angeboten wird – den entsprechenden Vorverkauf zu nutzen. Ansonsten kann es gut sein, dass die Street Parade bereits endet, wenn das letzte Lovemobile den Motor abstellt.

Alex Flach ist Kolumnist beim «Tages-Anzeiger» und Club-Promoter. Er arbeitet unter anderem für die Clubs Supermarket, Hive, Gonzo, Amboss Rampe, Nordstern Basel, Rok Luzern und Härterei.

26 Kommentare zu «Street-Parade: Mega-Raves sind tot»

  • Titze sagt:

    Wenn es Trap und Bassline House an die Street Parade und Afterparties schaffen, wird’s interessant. Until then: Techno und Trance für in den 90ern Hängengebliebene.

    • Alex sagt:

      Ich habe mal gehört, dass es Leute geben soll die sich für Trap begeistern. Hab’s aber immer für ein Gerücht gehalten.

    • Panix sagt:

      Naja…Das wird wohl die Zeit zeigen! Wer weiss heute schon, worauf Sie hängenbleiben? Bis dahin viel Spaß mit „trap“ und „bassline-house“…

  • Jennifer sagt:

    Das mit dem Müllsammeln find ich super. Sollten viel öfter stattfinden, solche Müllsammelparties. ; ))

  • Technokind sagt:

    Hi Alex
    Ist zwar etwas am Thema vorbei, aber wollte das doch mal loswerden. Warum denkst du, gibt es in Zürich kaum mehr (richtige) Technopartys? Abgesehen von sehr seltenen Headlinern und von Uhrwerk im Hive (wo die Bookings allerdings eher zweifelhaft sind, redete man anfangs ja von „ernsthaftem Techno“), gibt es für Techno-Puristen nichts. Da muss man schon nach Basel ausweichen, wo Clubs wie der Nordstern, Elysia etc. regelmässig härteren, eben richtigen Techno, darbieten.
    Warum funktioniert das in Zürich nicht? Versteh mich nicht falsch, ich schätze die elektronische Clublandschaft in Zürich, aber vermisse doch Alternativen zum soften „Kater-Rumpel-Techno“, der überall gespielt…

    • Alex Flach sagt:

      Ich bin ein Fan von Labels wie Dystopian, Artisten wie Matrixxman, Rodhad, Alex.Do, Shlomo, etc. und von Podcastserien wie Invite’s Choice (auf Soundcloud… kennst Du bestimmt). Ich denke da gehört ein „noch“ vor das nicht funktioniert. Es ist auch in Zürich eine Tendenz zum Techno beobachtbar. Adam Beyer: Früher war der Rummel um seine Sets nie so gross wie bei seinem letzten in Zürich. Ich denke aber, dass es noch ein, zwei Jahre brauchen wird bis die Leute auf den richtigen (unseren) Geschmack kommen. Im Moment ist halt noch Katermukke… aber times are changing. O-Ton Darrien: „die Leute haben genug gekuschelt. Jetzt wollen sie wieder eins aufs Dach“. Nur noch etwas Geduld….

      • Technokind sagt:

        Danke für deine Antwort Alex.
        Deine Prognose stimmt mich hoffnungsvoll!

        • Darrien sagt:

          Einerseits Merci fürs Zitat an Alex und andererseits auch noch ein paar beruhigende Worte fürs Technokind: Das Uhrwerk tickt erst seit rund einem Jahr. Während dieser Zeit musste es sich erstmal einlaufen. Mittlerweile wurde der Takt fürs nächste Jahr gefunden, was heissen soll, dass konstanter auf gradlinigen Techno gesetzt wird – Ob nun mit bewährten Klassikern oder aufstrebenden Maschinenmusikern.

          • Technokind sagt:

            Hi Darrien
            Ich bin dir sehr dankbar für deine Einsatz für mehr Techno in Zürich. Ich wollte nicht respektlos erscheinen mit meinen Äusserungen zum Uhrwerk-Booking. Ihr habt da ja wirklich viele tolle Djs ins Hive gebracht. Klar, ab und zu darf auch mal etwas zugänglicheres dabei sein, um neue Leute zu erreichen, das verstehe ich.
            Und ja, es müssen überhaupt nicht immer die bekannten Namen sein, es gibt ja momentan so viele junge Talente/Labels im Bereich des ernsthafteren, treibenden Technos, da bin ich ganz bei dir.
            In diesem Sinne wünsche ich dem Uhrwerk und dir viel Erfolg und freue ich darauf, in der Disco unten von hämmernden Bässen gef… zu werden.

        • Darrien sagt:

          Hey Technokind!

          Keine Bange, das wurde keineswegs respektlos aufgefasst. War ja eine konstruktive Kritik deinerseits und ist auch ganz in unserem Sinne – und in diesem Sinne: Bis zur nächsten Uhrwerk! 🙂

      • Titze sagt:

        „bis die Leute auf den richtigen (unseren) Geschmack kommen“

        Douchebag-Argument.

    • Avid sagt:

      Ganz einfach, weil es die Leute in Zürich nicht mögen. Techno ist ein Begriff aus den 90er Jahren. Früher war der Sound in Zürich viel schneller, härter und aber auch melodiöser. Früher war aber auch über die Hälfte der Besucher auf MDMA.Heute sind in Clubs eine kleine Minderheit auf MDMA. Alkohol ist die Droge schlechthin in heutigen Clubs. Zürcher lieben die Stadt Berlin und die Musik von dort. Also läuft diese Mukke auch mehrheitlich in Zürcher Clubs. Kater Rumpel Mukke halt.Zusammengefasst, andere Städten andere Vorlieben und Sitten.Clubs in Basel sind von der Ausstattung und Inventar höchst professionell sogar auf dem höchsten Niveau. Zürich liebt die Brocki Art in Clubs.

      • Alex Flach sagt:

        Wenn Du über die vergangenen 20 Jahre schaust, war es immer ein Auf und Ab was die Härte anbelangt. Auch nach der grossen Ära des Techno in den 90ern, beispielsweise mit der Minimal-Welle die von der Gangart her ja viel eher beim Techno war als beim Deep House (ich meine den richtigen Deep House). Der Look der Clubs hat damit nicht viel zu tun… die Zürcher standen schon immer auf den Brockenhaus-Style, siehe auch Dachkantine. Und Berlin ist auch Technotown, auch jetzt wieder stammen viele der stilbildenden Artisten von dort, nicht zuletzt auch Rodhad und sein Dystopian-Label. Ostgut-Label, Suicide Circus, Berghain… Berlin pur, aber auch Techno pur. Und schau dir mal die Line Ups im Club der Visionäre an; da spielt auch ein Victor Ruiz.

        • Avid sagt:

          Alex, die Minimal Ära zum Glück nur eine kurze Weile ein Trend, schrecklicher Sound da musste ich sogar meinem Vater zustimmen, es hört sich alles gleich an;) Zum Brockenhaus Style, teilweise Zustimmung aber in den 90er waren die unglaublich erfolgreichen und Legenden wie das OXA oder Sensor ,Rohstofflager mit riesigen Schlagen am Eingang auf keinen Fall Berliner Kopien ( Brockenhaus )eher futuristisch oder industriell eingerichtet .Brockenhaus Clubs kamen langsam 2005 auf und halten sich erfolgreich bis heute sehr erfolgreich. Aber nicht in die Vergangenheit schweifen sondern an die Zukunft denken. Finde Kater Rumpel Mukke passt einfach zu Zürich und dem Publikum hier.Sie lieben es.

          • Alex sagt:

            Also ich fand alles von Poker Flat grosse Klasse 🙂 und wenn ich da auf meinen Vater hören würde, dann würde bei mir The Shadows und Bill Haley laufen… Techno hat sich weiterentwickelt, ist ein Genre wie Pop oder Rock und halt auch dem Zeitgeist unterworfen. Da es aber ein sehr junges und sehr Technik-abhängiges Genre ist, sind die Entwicklungsmöglichkeiten des Techno grösser als beim Rock beispielsweise. Der Techno eines Rodhad oder eines Matrixxman hat mit dem Techno der 90er nicht viel gemein… Techno kommt zurück, aber nicht der Techno der 90’s.

          • Alex sagt:

            Kann man auch gut daran ablesen, dass stilbildende Festivals wie Dekmantel und Awakenings sukzessive auf diese Schiene umsatteln und auch daran, dass Leute wie Ben Klock nun mühelos grosse Hallen füllen.

  • kms a pr sagt:

    das problem generell bei solchen massen-events ist ja das littering. und unter diesem aspekt würde ich die „after-party“ wie folgt gestalten: sämtliche teilnehmer bezahlen je chf 150 eintritt. dafür bekommen sie dann eine orange warnweste mit dem aufdruck „raver-rüpel“ und eine greifzange in die hand gedrückt. ab sonntag 5 am beginnt dann der grosseinsatz bez. aufräumarbeiten. jeder der dies verweigert, wird gar nicht erst zum event zugelassen. so schlagen wir 2 fliegen mit einer klappe. a) spült das geld in die event-kasse und b) es schont die steuerzahler bez. einsatz städtischer kräfte. so. komm ich jetzt im fernsehn?

    • Alex Flach sagt:

      Wofür? Weil noch nie jemand so weit am Thema vorbeikommentiert hat? 🙂 Mit Mega-Raves ist im Text nicht die Street Parade gemeint, sondern die grossen Raves danach. Und da die indoor sind, ist Littering eher kein Problem.

      • kms a pr sagt:

        lieber ali. (auch) sie verstehen mich nicht. (nein, es liegt nicht an mir!!! äh…). ich versuche jeweils das „grosse ganze“ zu erfassen. und hier die zentrale frage: braucht es „mega-raves“ danach? ich stelle mir vor, dass die teilnehmer eh nur noch wie die toten fliegen in den clubs rumhängen – wie zombies in „land of the dead?“ und somit macht es doch viel mehr sinn, die dito generell zum draussen aufräumen zu motivieren, als zum drinnen weiterfeiern?

        • Alex Flach sagt:

          Ach so… ich glaube das Aufräumen überlässt man dann besser den Profis als Menschen, die ab Samstagmittag bis 5 Uhr Sonntagmorgen durchgfefeiert haben.

        • geezer sagt:

          aber, aber, kms a pr: noch nie was von bestimmten pillen oder ähnlichen aufstellern gehört? damit würdest auch du abgehen, wie das duracell-häsli…..tagelang!…..:-) das zeug sei scheinbar gerade während der street parade sehr easy in der stadt zu bekommen (habe ich zumindest schon das eine oder andere mal gehört)……ob die energie zum späteren aufräumen jedoch auch noch reicht, wage ich zu bezweifeln..:-)

          • kms a pr sagt:

            also ich bin gegen drogen, ausser ich nehme sie selbst! aber ich will mal nicht so sein und würde den aufräumern das rezept für meinen legendären „sportler-drink“ geben um fit zu bleiben. (er heisst so, weil man nach dem dritten glas nicht mehr in der lage ist, sport zu treiben).

    • tststs sagt:

      Geilo, wie so eine Leuchtweste wohl über dem Zunftgwändli aussieht…?
      Oder an welchen Massenevent dachten Sie, werter Rittermann? 😉

      • kms a pr sagt:

        nennen sie mich „kevin-maria.“ 🙂 na die street-parade, natürlich. sie sprechen aber, frau ts, auf die akademiker-fasnacht an. und die müsste man eh im gechlossenen rahmen abhalten – sonst hält das ja keiner aus – ausser die liberalen… hoch zu ross. und letztere tun mir immer leid.

    • Jennifer sagt:

      Huch, hab meinen Kommenar erst am falschen Ort gepostet. Also, das mit dem Müllsammeln find ich sehr gut. Ich bin Fan von so etwas und wünsch mir immer so einen flächendeckenden Grosseinsatz in Stadt und Umgebung. Kann von mir aus auch im Rahmen eines Festanlasses sein, mit Tombola. Wer am meisten Müll sammelt, bekommt den Hauptpreis. Oder ist das jetzt wieder zu leistungsorientiert?

Kommentar

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